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Die drohende Gefahr hoher Bewertungen

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Ich muss euch nichts von den hohen Bewertungen auf dem Markt erzählen. Viele Finanzeinrichtungen sprechen bereits davon.

Man sollte sich dabei fragen: Ist das wirklich wahr?

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Bis zu einem gewissen Grad hängt es von der Betrachtungsweise ab. Wenn man sich den US-Markt ansieht, mag die Antwort recht einfach „ja“ lauten. Das aktuelle Kurs-Gewinn-Verhältnis des S&P 500 liegt bei etwas über 25, was zwar nicht sehr teuer, aber dennoch teuer ist. Der Mittelwert der KGV-Bewertung des S&P ist mit 22 etwas niedriger, der einfache Durchschnitt liegt aber bei 35. Unter Verwendung des „CAPE Ratio“ von Professor Robert Shiller, der den Durchschnittsgewinn der letzten 10 Jahre heranzieht, liegt der Bewertungsmultiplikator des Index bei fast 33, was relativ teuer ist.

In Deutschland ist es aber nicht ganz so schlimm. Laut StarCapital (eine hervorragende Quelle für Länderbewertungen) lag das deutsche KGV am 31. Mai bei 14,7, während das Shiller Ratio 19,9 betrug. Wenn ich mir den einfachen Durchschnitt der Dax-, MDax- und SDax-Unternehmen ausrechne, erhalte ich ein KGV von 23. Das würde ich nicht unbedingt als „billig“ bezeichnen, aber die Aktien sind weder zu teuer noch annähernd so teuer wie die Aktien in den USA.

Die Art und Weise, wie die Leute denken, ist falsch!

Es gibt noch ein weiteres Problem bei der Diskussion darüber, wie „teuer“ die Aktien derzeit sind.

Die meisten Menschen behaupten, die Aktien sind teuer, weil die aktuellen Kennzahlen im Vergleich zu früher hoch sind. Diese Art von Vergleich ergibt Sinn, wenn man es zum ersten Mal hört. Wie auch immer …

Wenn du weiter darüber nachdenkst … tut es das nicht.

Beim Vergleich der heutigen KGVs mit den bisherigen treten einige Probleme auf. Eines davon ist die Inflation. Letztlich geht es uns Investoren um „echte“ Renditen. Das heißt, die Renditen, die wir nach Berücksichtigung der Inflation erhalten.

Betrachte es folgendermaßen: Was nützt dir eine Rendite von 10 % auf deine Aktienanlagen, wenn die Inflation 11 % beträgt? Der reale Wert deines Anlageportfolios ist gerade um 1 % gesunken. Auf der anderen Seite, wenn du eine niedrigere Rendite von 6 % verdienst und die Inflation nur 4 % beträgt, dann hast du eine reale Rendite von 2 %. In diesem Fall klingt die Gesamtrendite von 6 % vielleicht nicht so beeindruckend wie die 10 % von vorher, doch für dich ist das ein viel besseres Ergebnis, weil die Kaufkraft deines Portfolios gestiegen ist.

Das ist heutzutage ein wichtiger Aspekt, da die Inflationsraten in den meisten Teilen der Welt auf einem historisch niedrigen Niveau liegen. Das bedeutet, dass die Bewertungen höher sein können – was auf niedrigere zukünftige Gesamtrenditen hindeutet – und dennoch genauso gute oder sogar bessere reale Renditen liefern als in der Vergangenheit mit niedrigeren Kurs-Gewinn-Verhältnissen.

Ein weiterer Aspekt beim Vergleich der heutigen Bewertungen mit der Vergangenheit ist die Funktionsweise des Aktienmarktes. In die Börse zu investieren ist heute nicht mehr wie vor 30 Jahren.

Wenn man zum Beispiel vor 30 Jahren mit einer Aktie handeln wollte, wäre es nicht schockierend gewesen, einem Makler 100 Euro für das Privileg, dies zu tun, zu zahlen. Heute ist es nicht schwer, einen Online-Broker zu finden, bei dem man für weniger als 10 Euro handeln kann.

Was hat das mit Bewertungen zu tun? Ganz einfach: Das Geld, das die Investoren für den Handel bezahlen, muss durch die Investitionsrendite wieder hereingebracht werden. Je mehr du für den Handel bezahlst, desto mehr Rendite brauchst du, nur um die Kosten zu decken.

Stell dir vor, dass du tatsächlich 100 Euro pro Handel bezahlt hast. Das bedeutet, dass du insgesamt 200 Euro (kaufen und verkaufen) ausgibst. Bei einer Investition von 5.000 Euro bedeutet das, dass du eine Rendite von 4 % brauchst,nur um die Handelskosten zu decken. Wenn du nur 10 Euro pro Handel (oder 20 Euro für kaufen und verkaufen) bezahlst, betragen die Handelsgebühren nur 0,4 % der 5.000 Euro. In diesem Fall könnte man eine um 3,6 % geringere Rendite erzielen und trotzdem den gleichen Gewinn auf dem Konto verbuchen.

Wenn man also jemanden so etwas wie „Das heutige KGV des Marktes ist höher als das durchschnittliche KGV von 1890“ sagen hört, kann man lächeln und weiß, dass der Vergleich sehr hinkt.

Was sich nicht geändert hat

Es gibt jedoch Aspekte des Investierens, die sich nicht verändert haben.

Einer davon ist die einfache Überlegung, dass bei steigenden Bewertungen die erwarteten zukünftigen Renditen sinken. Ohne viel zusätzlichen Kontext können wir vielleicht nicht sagen, ob 25 ein „teures“ KGV ist. Aber was wir sagen können, ist, dass die zukünftigen Renditen niedriger sein werden, wenn das KGV bei 25 statt bei 20 liegt.

Eine andere Sache, die sich nicht geändert hat, ist, dass es zwar leichter ist, Marktrenditen zu erzielen – dank Low-Cost-Indexfonds – es aber immer noch viele Aktien gibt, die sich besser entwickeln als der Markt. Das ist nur eine Frage der Mathematik, oder? Wenn du eine durchschnittliche Rendite hast, werden zwischen 40 % und 60 % der Aktien bessere Renditen liefern als der Rest des Marktes.

Das sind eine ganze Menge potenzieller Gewinner.

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