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Volvo setzt auf Elektroautos und Selbstfahrer

Der schwedische Autohersteller Volvo Cars wirft sich kopfüber in die Zukunft – und legt vielleicht den Grundstein für einen Börsengang.

Im jüngsten Geschäftsbericht des Unternehmens kündigte CEO Hakan Samuelsson eine Reihe aggressiver Geschäftsziele für die Zukunft an, darunter große Ambitionen für vollelektrische und selbstfahrende Autos – nicht in ferner Zukunft, sondern in den nächsten Jahren.

Hier ist, was wir wissen.

Volvos Plan: Mehr elektrische, autonome und gemeinsam genutzte Fahrzeuge

Hier sind die wichtigsten “Erwartungen”, die das Unternehmen im Bericht vom 7. Juni gesetzt hat. Man erwartet, alle diese Ziele bis “Mitte des nächsten Jahrzehnts” zu verwirklichen.

  • Elektrifizierung. Klare Worte hier: Volvo geht davon aus, dass die Hälfte des Jahresumsatzes bis Mitte des nächsten Jahrzehnts auf vollelektrische Fahrzeuge entfallen wird.
  • Autonomie. Volvo erwartet, dass Fahrzeuge mit autonomem Betrieb bis dahin ein Drittel des Jahresumsatzes ausmachen werden.
  • Abonnements. Volvo geht davon aus, dass die Hälfte seiner Fahrzeuge über den kürzlich eingeführten Abonnementservice an die Kunden gehen wird.

Es gibt noch ein weiteres, damit verbundenes Ziel: Volvo strebt bis zur Mitte des Jahrzehnts mehr als 5 Mio. direkte Kundenbeziehungen an, die es nutzen kann, um wiederkehrende Umsätze über verbundene Dienste und dazugehörige Angebote zu erzielen.

Was steckt dahinter?

Was steckt hinter diesem Plan? Samuelsson hat es deutlich gesagt:

Die Erwartungen unserer Kunden ändern sich rasant. Das bedeutet, dass sich auch Volvo Cars schnell verändert. Diese Initiativen werden dazu beitragen, Volvo von einem reinen Autokonzern zu einem direkten Anbieter von Verbraucherdienstleistungen zu machen.

Anders ausgedrückt: Volvo will sich gut entwickeln, da traditionelle Fahrzeuge und traditionelle Modelle des Fahrzeugbesitzes gestört werden.

Ist dieser Plan plausibel?

Das sind ehrgeizige Erwartungen für einen kleinen Autohersteller, der — zumindest im Moment — keine Elektrofahrzeuge hat, geschweige denn selbstfahrende. Aber Volvo hat einiges zu bieten, angefangen bei einem vorausschauenden Besitzer: dem chinesischen Autohersteller Zhejiang Geely Holding Group.

Zhejiang Geely ist eine Holding, die Volvo Cars und mehrere andere Automobilhersteller besitzt. Insbesondere besitzt sie Geely Automobile Holdings (WKN:A0CACX), bekannt als Geely Auto, die sich schnell zum größten chinesischen Hersteller von Pkws entwickelt hat. Geely besitzt auch Lynk & Co., eine hochwertige chinesische Marke, und Polestar, das als Joint Venture zwischen Volvo Cars und Geely Auto gegründet wurde. Darüber hinaus ist Geely an dem malaysischen Automobilhersteller Proton Holdings beteiligt, der wiederum den kleinen britischen Sportwagenhersteller Lotus Cars besitzt.

Hast du das alles auf dem Schirm?

Hier ist der echte Knüller: Geely ist ein aggressives, kapitalkräftiges Unternehmen, das von einem der großen unternehmerischen Visionäre Chinas, Li Shufu, geführt wird. Volvo würde diese Ziele nicht ohne die Unterstützung von Geely setzen — und ohne sicher zu sein, dass es das nötige Kapital hat, um die Ziele zu erreichen.

Seit der Übernahme von Volvo Cars von der Ford Motor Company (WKN:502391) im Jahr 2009 hat Geely eine gute Balance gefunden, indem man dem schwedischen Tochterunternehmen die Ressourcen und die Unterstützung gegeben hat, um zu wachsen und gleichzeitig seine Unabhängigkeit weitgehend zu wahren. Geelys Unterstützung macht den Plan plausibel.

Woher bekommt Volvo die Technologie?

Volvo hat bereits ein selbstfahrendes Entwicklungsprogramm auf den Weg gebracht, und zwar über ein Joint Venture namens Zenuity, das es 2016 mit dem schwedischen Automobilzulieferer Autoliv (WKN:906892) gegründet hat. Zenuity strebt an, im nächsten Jahr fortschrittliche Fahrerassistenzsysteme zu liefern, wobei ein selbstfahrendes System der Stufe 4 um das Jahr 2021 eingeführt werden soll. (Volvo wird die Systeme von Zenuity in seinen eigenen Fahrzeugen einsetzen; Autoliv wird sie an andere Automobilhersteller vermarkten.

Volvo gab diese Woche auch bekannt, dass es sich an einem Start-up-Unternehmen namens Luminar beteiligt hat, das ein fortschrittliches Lidarsystem entwickelt -. einen wichtigen Sensor für selbstfahrende Autos.

Was die Elektrofahrzeugtechnik betrifft, so wird diese bei Geely entwickelt, das in China bereits Kurzstrecken-Elektroautos im Angebot hat. Neben dem ersten vollelektrischen Modell Polestar wird Volvo in Kürze eine batterieelektrische Version seines kleinen Crossover-SUVs XC40 auf den Markt bringen. Generell werden alle neuen Volvos, die nach diesem Jahr auf den Markt kommen, in Hybrid- oder rein elektrisch (oder in beiden) Versionen angeboten.

Warum die Investoren auf Volvo Cars achten sollten

Volvo Cars wird zur Zeit nicht öffentlich gehandelt. (Nicht zu verwechseln mit der ehemaligen Konzernmutter, dem schwedischen Lkw-Hersteller Volvo AB. Das sind verschiedene Unternehmen und das schon seit Jahren.) Es wurde aber immer wieder angedeutet, dass ein Börsengang in nicht allzu ferner Zukunft liegen könnte. Geely würde die Kontrolle nicht aufgeben, aber ein Börsengang würde Samuelsson einige zusätzliche Mittel zur Verfügung stellen — und vielleicht etwas mehr Unabhängigkeit von Geely.

Volvo könnte seine ehrgeizigen Verkaufsziele Mitte des nächsten Jahrzehnts erreichen oder auch nicht. Aber angesichts seiner Erfolgsgeschichte in Geelys Besitz erwarte ich, dass es bis dahin über wettbewerbsfähige Technologie und die Fähigkeit zur Massenproduktion verfügen wird, unabhängig davon, ob Käufer auftauchen oder nicht.

Lange Rede kurzer Sinn: schreib Volvo im Bereich autonome Elektroautos nicht ab — und behalte dieses faszinierende Unternehmen im Auge, da es einen Börsengang in Betracht zieht.

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Dieser Artikel wurde von John Rosevear auf Englisch verfasst und am 14.06.2018 auf Fool.com veröffentlicht. Er wurde übersetzt damit/bei unsere deutschen Leser an der Diskussion teilnehmen können.

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