The Motley Fool

Ein entscheidender Fehler, den Anleger bei der Aktienwahl machen

Foto: Getty Images

Der Dopaminrausch kann einen süchtig machen. Den bekommt man z.B. auch, wenn man Aktien gekauft hat und jetzt jedes Auf und Ab beobachtet. Und jeder will The Next Big Thing finden – auch deshalb sucht und sucht man überall, nicht zuletzt hier bei Fool.de.

Dabei werden sowohl neue als auch erfahrene Investoren von sogenannten „Story-Aktien“ angezogen: Unternehmen, die kleiner, spekulativer sind und von viel Medienrummel begleitet werden. Artikel über solche Aktien beschreiben oft, wie sich die Zukunft für das Unternehmen entwickeln wird. Es macht Spaß, über solche Story-Aktien zu schreiben; die Schlagzeilen knallen schön und bekommen viel Aufmerksamkeit.

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Leider ist dies einer der größten – und für Finanzjournalisten wie mich unverantwortlichen – Fehler, den wir begehen können. Weiter unten gehe ich mal ganz genau darauf ein.

Zuerst einmal ein anderes Beispiel

Im Jahr 2011 schrieb Ken Murray, Professor für Familienmedizin an der USC, einen Aufsatz mit dem Titel „Wie Ärzte sterben“. Murray profitierte von jahrelanger Forschung und Erfahrung im medizinischen Bereich und schrieb, dass viele Ärzte auf völlig andere Weise sterben als Nicht-Ärzte.

Und das ist genau das Gegenteil von dem, was man erwarten könnte:

Ungewöhnlich ist nicht, wie viel Behandlung sie im Vergleich zu den meisten Amerikanern erhalten, sondern wie wenig. Während sie damit beschäftigt sind, andere zu heilen, gehen sie mit dem eigenen Sterben und Leiden eher gelassen um.

In dem Aufsatz heißt es weiter, dass die Ärzte eine aufgeräumte Vorstellung vom Konzept der „vergeblichen Fürsorge“ haben, also jener Art von Pflege, die einen am Leben erhält, aber eben auf freudlose Art. Sie beschließen, ihr Lebensende zu den eigenen Bedingungen zu begehen.

Dies ist natürlich ein eigenartiger Widerspruch, wenn Experten nicht die gleichen Ratschläge befolgen, die sie anderen geben – und gibt uns einen wichtigen Datenpunkt, den wir nicht ignorieren dürfen.

Geldanlage und „Skin in the Game“

Bestsellerautor, ex-Trader und NYU-Professor Nassim Nicholas Taleb hat ein ganzes Buch – „Skin in the Game – Das Risiko und sein Preis – über dieses Phänomen geschrieben. Er sagt, wir sollten aufhören, uns um die „Rationalität“ hinter der Meinung eines Experten (im obigen Beispiel ein Arzt) zu sorgen, und sie durch eine einfache Frage ersetzen: „Was würdest du tun, wenn du an meiner Stelle wärst?“

In der Investment-Welt ist das dasselbe wie bei einem Finanzjournalisten: „Ich höre mir deine Argumente an, aber du musst mir auch sagen, was in deinem Portfolio ist.“

Motley Fool Mitbegründer und „Chief Rule Breaker“ David Gardner setzt sich ebenso leidenschaftlich für die Rechenschaftspflicht im Bereich der Finanzberatung ein. In einer Reihe von Aufsätzen mit dem Titel „Moneyballing the Financial World“ legte er dar, warum Verantwortlichkeit so wichtig ist.

Wenn sich niemand die Zeit nimmt, die Menschen für ihre Vorhersagen verantwortlich zu machen, verbessert sich das System nicht. Das Publikum wird nicht klüger, und das führt dazu, dass kein besseres Informationsangebot geschaffen wird, und die Medien haben keinen Anreiz, qualitativ hochwertige Informationen und Prognosen zu liefern.

Beweis: Meine Prognosen sind schlecht, wenn ich nicht selber investiert habe!

Keine zwei Vordenker haben einen größeren Einfluss auf mein eigenes Schreiben und Investieren als Gardner und Taleb gehabt — und ich wollte nachträglich überprüfen und sehen, wie ihr Konzept der Verantwortlichkeit auf meine eigene Prognosen zutraf. (Spoiler-Alarm: Es sieht nicht gut für mich aus.)

Ich schreibe seit 2010 für Motley Fool. Ich ging zurück und betrachtete jede Aktie, die ich positiv in einen Artikel bewertet habe, der mindestens fünf Jahre alt ist, und verglich die Fünfjahresrendite in Bezug auf den S&P 500. Dann habe ich unterschieden zwischen jenen Aktien, die ich selber hielt und jenen, die ich nicht hielt.

Die Ergebnisse waren verblüffend. Die offensichtlichste Schlussfolgerung – zumindest während der ersten vier Jahre, die ich für Motley Fool schrieb: Ich bin kein sehr guter Aktienpicker. Von den 395 Malen, in denen ich über den Kauf einer Aktie gesprochen habe, hat meine Meinung und Auswahl den S&P 500 nur in 45 % der Fälle übertroffen.

Aber in den Fällen, bei denen ich „Skin in the Game“ hatte, also selber die Aktien hielt (in 303 Fällen), tat sich gegenüber jenen Artikeln, in denen ich nichts mit der Aktie zu tun hatte (92 Mal) ein großer statistischer Unterschied auf.

So sah es aus, als ich selber die Aktie hielt und in Bullenstimmung war.

Quelle: YCharts. Falls Unternehmen verkauft oder übernommen wurde oder bankrott ging, wurde die Rendite im Vergleich zum damaligen Stand des Markts berechnet

Und hier, als ich die Aktie nicht selber hielt:

Quelle: YCharts. Falls Unternehmen verkauft oder übernommen wurde oder bankrott ging, wurde die Rendite im Vergleich zum damaligen Stand des Markts berechnet

Eines sollte hervorgehoben werden:

  • Die höchsten absoluten Renditen kamen eigentlich aus meiner No-Skin-in-the-Game-Kategorie und wurden von den enormen Renditen eines Artikels (+580 Prozentpunkte) über Tesla und einem anderen über Facebook (+480). Das sollte zeigen, dass man nicht zum Scheitern verursacht ist, nur weil man eine Aktie nicht besitzt, mit der man sich beschäftigt.

Das ist einerseits demütigend und andererseits erstaunlich. Zwischen Oktober 2010 und Mai 2013 waren die Aktien, die ich in Artikeln positiv besprochen habe, genauso gut wie der S&P 500. Es wäre also letztlich besser gewesen, einen ETF zu kaufen.

Aber im selben Zeitraum haben die 92 Vorschläge, die ich ohne eigenen Aktienbesitz gemacht habe, um durchschnittlich 33 Prozentpunkte nachgelassen – ein statistisch signifikanter Unterschied. Man hätte also genauso gut im Kindergarten nach Analysen fragen können, anstatt mir zuzuhören.

Eine kurze Nebenbemerkung: Es gibt sicherlich Leute im Internet, die versuchen, Aktien in „Pump and Dump“-Systemen zu bewegen. Hier bei The Motley Fool haben wir minimale Marktkapitalisierungsrichtlinien, um uns auch nur den Anschein einer möglichen Marktbewegung zu vermeiden. (Das ist einer der vielen Gründe, warum wir Microcaps und Penny-Aktien nicht besprechen – das sind auch normalerweise keine guten Anlagen.

Lektionen, die ich immer und immer wieder lernen musste

Ich habe keine Ahnung, ob diese Trends für alle Autoren von The Motley Fool oder andere Finanz-Websites gelten. Hier aber ein paar Themen, die mir beim Lesen meiner alten Artikel immer wieder aufgefallen sind:

Erstens tendierten die No-Skin-in-the-Game-Artikel dazu, Aktien in „heißen“ Branchen – wie dem 3D-Druck und alternativen Energien – oder schlecht laufenden Branchen wie Öl und Gas zu besprechen. Die Skin-in-the-Game-Artikel konzentrierten sich auf bekannte Namen wie Alphabet, Amazon, Apple, Baidu und Intuitive Surgical.

Ich habe kaum Zweifel daran, dass die No-Skin-in-the-Game-Artikel aufgrund dieses Trends eine höhere Leserschaft erreichen konnten, was für mich ein positives Feedback bedeutete. Das bedeutet allerdings nicht, dass ich der Welt in irgendeiner Weise geholfen habe, besser zu investieren.

Zweitens: Die No-Skin-in-the-Game-Artikel erwähnen oft nur ein oder zwei Mal eine Aktie, obwohl 3D Systems sechsmal besprochen wurde. Im Großen und Ganzen waren diese Vorschläge neu und spannend. Die Skin-in-the-Game-Artikel wiederholten oft die gleichen Unternehmen immer wieder. So wurden die fünf Aktien, die ich zwei Absätze weiter oben erwähnt habe, 123 Mal besprochen – über 40 % aller Artikel, bei denen ich selber in die Aktien investiert hatte.

War ich einfach nur faul? Vielleicht, vielleicht nicht. Ich würde dem widersprechen, indem ich sagte, dass ich einfach einem der wichtigsten Sprüche des berühmten Investors Peter Lynch folgte: Manchmal ist die beste Aktie, die man kaufen kann, die, die man bereits im Portfolio hat.

Diese 123 Vorschläge übertrafen den S&P 500 in 79 % der Fälle – eine unglaublich hohe Trefferquote. Und die durchschnittliche Auswahl übertraf den Aktienmarkt über einen Zeitraum von fünf Jahren um 64 Prozentpunkte – wiederum eine sehr hohe Marke.

Und vielleicht ist das die größte Lektion, die ich gelernt habe. Als ich damals über Aktien schrieb, die ich nicht besaß, lag der primäre Wert beim Schreiben darin, dass sie meine Neugierde weckte. Es gab einen Vorteil, aber – weil ich persönlich kein Geld verlieren konnte – auch keinen Nachteil, kein Risiko.

Sobald ich jedoch selbst eine Aktie gekauft hatte, war ich sowohl einem Aufwärts- als auch einem Abwärtsrisiko ausgesetzt. Meine Auswahlen waren viel repetitiver und langweiliger. Aber so sieht eine gute Investition normalerweise aus. Wie der ehemalige Fool Morgan Housel einmal sagte: bei 99 % der Investitionen passiert nichts (was langweilig erscheint), die anderen 1 % werden Ihr Leben verändern (mit riesigen Renditen).

Was heißt das?

Solltest du also erst gar nicht lesen, was Analysten schreiben, die selber die Aktie nicht besitzen.

Nein.

Zunächst einmal habe ich nur Artikel analysiert, in denen ich sehr positiv über ein Unternehmen geschrieben habe. Die meisten Artikel sind Finanznachrichten und analysieren, was der Gewinnbericht eines Unternehmens bedeutet, zum Beispiel, ohne dabei zu einem Kauf oder Verkauf zu raten.

Zweitens ist die Tatsache, ob ein Autor eine Aktie hält oder nicht, lediglich ein Datenpunkt von vielen. Manchmal hindert uns das Leben daran, so viel Geld zu investieren, wie wir möchten – wir haben Familien, medizinische Notfälle und unerwartete Ausgaben, die unsere Fähigkeit zu investieren beeinträchtigen – aber halten uns nicht davon ab, neugierig zu sein und uns über Aktien zu informieren.

Und dank David Gardner haben wir ein Tool, mit dem man verfolgen kann, wie jeder Autor von Motley Fool im Laufe der Zeit gearbeitet hat: die sogenannten CAPS Scores. Wer die überprüfen möchte, kann einfach auf den Namen des Autors klicken.

Quelle: TMF

Das führt zur Profilseite des Autors. Von dort aus kann man dessen Gesamtpunktzahl einsehen und durch Anklicken die einzelnen Aktien auswählen.

Quelle: TMF

Wir Autoren von The Motley Fool werden von unseren Redakteuren zur Rechenschaft gezogen, um diese Scores möglichst hoch zu halten. Auch wenn wir selber kein Geld in eine Aktie investiert haben, ist unsere öffentliche Scorekarte zumindest ein wichtiges Maß an Risiko, mit dem wir spielen.

Abschließend möchte ich wiederholen, was David Gardner einst in seinem Essay sagte:

Wer von der Zukunft möchte, dass sie „besser, intelligenter, wahrer und reicher“ sein wird, der frage sich bitte: „Was ist die Bilanz einer Quelle?“ Und mit „Quelle“ ist diese Website und alles andere gemeint. Könnte eine Sendung auf CNBC sein. Oder der Broker, oder eben ein Analyst von The Motley Fool.

Zumindest bis Mai 2013 hätten meine eigenen Leser von diesem Ratschlag profitieren können.

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The Motley Fool besitzt und empfiehlt Aktien von Alphabet, Apple, Baidu, Facebook, Intuitive Surgical und Tesla.

Dieser Artikel von Brian Stoffel erschien am 8.6.2018 auf Fool.com. Er wurde übersetzt, damit unsere deutschen Leser an der Diskussion teilnehmen können.

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