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Kanadas unerkannte Versorgungslücke bei Marihuana

Foto: Getty Images.

Große Dinge gehen in der Marihuanabranche vor sich. Kanada wird bald ein Gesetz unterzeichnen, das den Gebrauch von Marihuana für Erwachsene ab August oder September legalisiert.

Diese erwartete Legalisierung ist dem langfristigen Bestreben von Marihuanaenthusiasten und Gras-Aktieninvestoren zu verdanken. Der Gesetzentwurf wurde vor 14 Monaten in den Senat eingebracht und vor ein paar Tagen nach zahlreichen Debatten, Veränderungen und Ansprachen angenommen. Dieser langsame Prozess wurde von Investoren mit Spannung beobachtet; schließlich geht es um Umsätze in Höhe von schätzungsweise 5 Milliarden US-Dollar, sobald der Gebrauch von Marihuana für Erwachsene in Kanada legal ist.

Es ist das erste Mal, dass in einem entwickelten Land ein solches Gesetz verabschiedet wurde. Daher gibt es keinen Vergleich, wie sich Angebot und Nachfrage auf dem Markt entwickeln werden. Wenn zu wenig Cannabis angebaut wird, entgehen den Bauern Marktanteile und Umsätze. Wenn hingegen zu viel produziert wird, könnten die Bauern ihre Margen ruinieren, indem der Pro-Gramm-Preis sinkt.

Kanada könnte eine Grasknappheit erleben

Allerdings weiß niemand mit Sicherheit, wie sich Angebot und Nachfrage entwickeln werden. Im Moment sieht es nach einer deutlichen Unterversorgung aus. In diesem Szenario sollten der Pro-Gramm-Preis und die Margen sehr stark sein.

Du fragst dich, wie wir auf eine Knappheit kommen? Die meisten Cannabisbauern dehnen ihre Produktionskapazität so schnell aus, wie es ihre Bilanzen hergeben. Jedoch dauert es ein Jahr oder länger, bis die Pflanzanlagen aufgebaut sind.

Beispielsweise soll Aphira (WKN:A12HM0), welches sich mit 320.000 kg getrocknetem Cannabis pro Jahr gerade zum drittgrößten Produzenten in Kanada entwickelt, noch bis Januar 2019 benötigen, um die Gewächshäuser zu errichten. Dies bedeutet aber auch, dass es in den kommenden sechs Monaten keine Ernte geben wird. Und Aphira ist nicht allein. Es gibt viele weitere Bauern, die Projekte verfolgen, die erst 2019 oder 2020 fertig werden. Die Produktion wird nur schrittweise wachsen und daher wahrscheinlich in der Anfangszeit nicht ausreichen.

Die Legalisierung von Marihuana in einem entwickelten Land erzeugt eine gewisse Euphorie unter Bürgern, Touristen und vielleicht auch Exportpartnern. Mit anderen Worten, die Anfangsnachfrage in den ersten Monaten dürfte die normale, stetige Nachfrage der Konsumenten übertreffen. Diese Anfangseuphorie könnte die Angebotsknappheit verschärfen.

Kanadas unbeachtetes Angebotsproblem bei Marihuana

Allerdings ist dies nur die Hälfte der Geschichte. Es gibt ein weiteres unbeachtetes Problem, das die kanadische Marihuanabranche in den kommenden Jahren deutlich beeinträchtigen könnte.

Wie Marijuana Business Daily berichtet, ist die Zahl der Anträge auf den Anbau von Marihuana gestiegen. In den ersten vier Monaten 2018 hat Health Canada 74 Lizenzanfragen erhalten. 2017 waren es noch 30 Anträge. Es gibt nun mehr als 500 Anbau-Anträge, die von Health Canada bearbeitet werden müssen. Die Bearbeitung kann zwischen sechs Monaten und ein paar Jahren dauern.

Zwar sieht das aus Angebotsperspektive gut aus, aber es könnte eben auch lange dauern, bis die Erlaubnisse erteilt werden. Im Schnitt muss man 341 Tage auf die Genehmigung warten. Die schnellste Bearbeitung hat CannTrust Holdings mit 129 Tagen erhalten.

Im Moment gibt es 104 Unternehmen, die Marihuana anbauen dürfen. Allerdings dürfen nur 48 dieses auch verkaufen. Und nur 25 Unternehmen haben die Genehmigung, hochmargige Öle und Extrakte anzubieten. Selbst wenn die Bauern ihr OK bekommen, kann es sein, dass sie vor 2019 oder 2020 gar kein Cannabis verkaufen dürfen. Und das betrifft Produzenten jeder Größe inklusive Aurora Cannabis und Canopy Growth, die als die größten Produzenten gelten.

Ohne eine schnellere Bearbeitung der Verkaufsgenehmigungen könnte Kanada bis 2020 hinein eine Angebotsknappheit erleben.

Ein Überangebot ist auch möglich

Die Angebotsknappheit ist für Marihuanaaktien eine gute Nachricht, da die Margen steigen. Aber nach 2020 oder 2021 besteht die Gefahr eines Überangebotes. Die anfängliche Nachfrage und die Angebotsbeschränkungen könnten Produzenten verleiten, zu viel anzubauen.

Laut eines Berichts von Health Canada könnte die private Grasnachfrage bei 1 Million Kilogramm pro Jahr liegen. Die potenzielle Angebotsmenge der größten Anbieter zusammen mit den unzähligen ausgestellten Anbaulizenzen könnte bis 2020 oder 2021 bis auf 2,4 Millionen Kilogramm pro Jahr klettern. Dies würde ein Überangebot von 1,4 Millionen Kilogramm bedeuten. Selbst, wenn das Ausland einen großen Teil davon abnimmt, gibt es keine Garantie, dass es den gesamten Überschuss absorbiert. Die Folge könnte ein drastischer Rückgang der Margen ab 2020 oder 2021 sein.

Wir werden wahrscheinlich erst in ein paar Jahren nach der Legalisierung wissen, wie groß das Angebot ist. Aber aus Investorenperspektive würde ich nicht zu sehr darauf wetten, dass die anfängliche Unterversorgung lange anhält und Investoren nützt.

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The Motley Fool hält keine der erwähnten Aktien.

Dieser Artikel wurde von Sean Williams auf Englisch verfasst und am 09.06.2018 auf Fool.com veröffentlicht. Er wurde übersetzt, damit unsere deutschen Leser an der Diskussion teilnehmen können.

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