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Wie man in den Bio-Trend investiert

Foto: The Motley Fool.

Als Kind der 80er Jahre fand ich die zunehmende Beliebtheit von Bio-Lebensmitteln erstaunlich. Was einst eine Hippie-Bewegung war, hat sich zu einem der stärksten Trends entwickelt, die unsere Wirtschaft in den letzten 30 Jahren erlebt hat.

Die Kombination aus steigenden Übergewichtsproblemen und einem wachsenden Bewusstsein für die Schnittstelle zwischen landwirtschaftlichen und umweltfreundlichen Verfahren hat den perfekten Nährboden für ein neues Zeitalter des Kosums von Lebensmitteln geschaffen. Für kurze Zeit war dies ein enormer Segen für börsennotierte Unternehmen, die sich auf diese Bewegung ausrichteten. In letzter Zeit hat sich die Lage jedoch geändert, und es sieht zunehmend so aus, als ob die meisten der Gewinner außerhalb der öffentlich gehandelten Märkte liegen werden.

Wenn du nach einer kurzen Antwort suchst, wer die großen Gewinner in der Bio- und Naturkostbewegung sein werden, ist die Antwort einfach: kleinere, lokale, biologische Bauern … und Amazon (WKN:906866).

Um zu verstehen, warum es so sein wird, muss man allerdings etwas forschen.

Was ist bio?

Bevor wir in die boomende Subindustrie eintauchen, ist es wichtig, genau zu definieren, was Bio-Lebensmittel sind. Laut USDA werden Bio-Produkte „auf Böden angebaut, auf denen drei Jahre vor der Ernte keine verbotenen Substanzen verwendet wurden. Zu den verbotenen Substanzen gehören die meisten synthetischen Düngemittel und Pestizide.“

Biologisches Fleisch hingegen wird folgendermaßen definiert: „Tiere werden unter Lebensbedingungen aufgezogen, die ihrem natürlichen Verhalten entsprechen (wie die Fähigkeit, auf der Weide zu grasen), zu 100 % mit biologischem Futter gefüttert und nicht mit Antibiotika oder Hormonen behandelt“.

Entscheidend ist, dass jede Pflanze, die aus einem genetisch veränderten Organismus (GVO) oder einem Fleischprodukt hergestellt wird, das mit GVO gefüttert wurde, nicht als bio betrachtet werden kann. Einige argumentieren, dass GVOs die Welt ernähren werden, während andere argumentieren, dass sie eine Ära der künstlichen Nahrung einleiten, die unser globales Ökosystem ernsthaft bedroht.

Unabhängig davon, wo auch immer du bei dem Thema stehst, wenn dir die Investition in große ökologische Unternehmen wichtig ist, dann scheiden viele beliebte Unternehmen in diesem Bereich schon mal aus. Dazu gehören laut SourceWatch BASF, Bayer, Dupont, Dow Chemical, Monsanto und Syngenta.

Wie beliebt sind Bio-Lebensmittel?

Spezifische Zahlen sind auf internationaler Ebene schwer zu finden, aber die Organic Trade Association verfolgt den Fortschritt der Bewegung in den USA genau. Die Zahlen zeigen eine starke und anhaltende Dynamik.

Jahr Gesamte Lebensmittelausgaben Ausgaben für Bio-Lebensmittel Bio-Anteil
1998 454 USD 4 USD 0,9 %
2000 498 USD 6 USD 1,2 %
2002 530 USD 9 USD 1,7 %
2004 544 USD 12 USD 2,2 %
2006 598 USD 17 USD 2,8 %
2008 654 USD 23 USD 3,5 %
2010 673 USD 27 USD 4 %
2012
2014 735 USD 36 USD 4,9 %
2016 811 USD 43 USD 5,3 %
CAGR 3,3 % USD 14,1 % USD

DATENQUELLE: BIO-FACHVERBAND. WERTE FÜR DAS JAHR 2012 NICHT ENTHALTEN, DA DER AUTOR KEINE VERLÄSSLICHEN ZAHLEN ERMITTELN KONNTE. ALLE ANGABEN IN MILLIONEN, GERUNDET AUF DIE NÄCHSTE MILLION.

Die Zahl ganz unten erzählt die ganze Geschichte: Seit fast zwei Jahrzehnten wächst der Absatz von Bio-Lebensmitteln um erstaunliche 14 % pro Jahr. Doch trotz all dieser Dynamik macht der Absatz von Bioprodukten immer noch nur etwas mehr als 5 % des gesamten Lebensmittelumsatzes in Amerika aus. Die Wachstumsmöglichkeiten sind sehr groß.

Wer hat in der Vergangenheit von diesem Trend profitiert?

Es gibt mehrere Teile der Wertschöpfungskette, die natürliche und biologische Güter erzeugen:

  • Einzelne Biobauern, in die man weitgehend nicht investieren kann.
  • Produzenten von Bio-Lebensmitteln, die die Waren der Landwirte zum Verzehr aufarbeiten. Dazu gehören Unternehmen wie Hain Celestial (WKN:908170), SunOpta und Lifeway Foods.
  • Lebensmittelhändler mit einem Fokus auf natürliche und biologische Produkte, zu denen ursprünglich Whole Foods (jetzt im Besitz von Amazon), Sprouts Farmers Market (WKN:A1W2Q4) und Natural Grocers gehörten — das sind also Lebensmittelhändler mit alleinigem Fokus auf Bio. Doch die Liste umfasst nun auch große Namen wie Kroger (WKN:851544), Costco (WKN:888351) und Walmart (WKN:860853).
  • Händler, die auf natürliche und biologische Lebensmittel spezialisiert sind, vor allem United Natural Foods.

Als die Große Rezession zuschlug, waren viele dieser reinen Natur- und Bio-Unternehmen (außer Costco, Walmart oder Kroger) am Boden zerstört. Die Verbraucher drehten jeden Cent um und waren nicht bereit, das zusätzliche Geld für Bio zu zahlen.

Die Aktienkurse fielen der Reihe nach, aber es gab einen Lichtblick: Die großen Industrieunternehmen haben ihre biologischen Ambitionen völlig aufgegeben. Als der Aufschwung bereits 2010 einsetzte, bedeutete das, dass die Unternehmen, die nicht in Konkurs gegangen waren, den gesamten Sektor für sich alleine hatten. Die Umsätze explodierten, und die Anleger profitierten schnell.

Die Aktien von Whole Foods — der unangefochtene Marktführer in allen biologischen Kategorien — stiegen zwischen Ende 2008 und Ende 2013 um erstaunliche 1.760 %. Und es waren nicht die einzigen.

UNFI-Daten von YCharts.

Die Bio-Industrie brachte in diesen vier Jahren riesige Gewinne den Investoren, die geduldig genug waren, Aktien zu kaufen und zu halten, als die Große Rezession einsetzte.

Warum haben sich in letzter Zeit nicht auch die Aktien von Bio-Unternehmen gut entwickelt?

Der Erfolg hat aber auch etwas Komisches: Er fördert den Wettbewerb. Natürlich, wenn man einen nachhaltigen Wettbewerbsvorteil hat, ist man relativ sicher.

Aber keines dieser Unternehmen hat wirklich einen Wettbewerbsvorteil. Jeder kann mit genügend Zeit und Geld Bio-Waren anbauen; jeder kann diese Waren transportieren; und jeder kann diese Waren in einem Lebensmittelgeschäft verkaufen, solange es genügend Nachfrage gibt.

Der Erfolg dieser kleineren Akteure — Whole Foods, SunOpta und Hain Celestial — zeigte die Kraft der  Bewegung. Dann zogen die größeren Unternehmen nach und gewannen Marktanteile zurück. Danone kaufte Whitewave für 10 Milliarden US-Dollar, General Mills kaufte Annie’s Homegrown Foods im Jahr 2014 und Boulder Brands — das Mutterunternehmen von Smart Balance Spreads und glutenfreien Produkten — wurde kurz darauf von Pinnacle Foods aufgekauft.

Dann kamen die großen Lebensmittelhändler mit ihren eigenen Bio–Eigenmarken wie Walmart und Kroger, während Costco auch sein natürliches und biologisches Angebot ausbaute.

Die Folgen für die kleineren Player waren verheerend. Whole Foods verlor die Hälfte seines Wertes, bevor es von Amazon erworben wurde. Auch die anderen Akteure der Branche haben sich nicht gut geschlagen.

UNIF Gesamtrenditekurs. Daten von YCharts.

Während der S&P 500 seit Anfang 2014 fast 57 % geschafft hat, haben die Bio-Aktien — im Durchschnitt — erstaunliche 107 % Nachholbedarf.

Warum ich nicht auf irgendwelche biologischen Aktien setze

Das bringt uns zum heutigen Tag. Bei einer so schlechten Performance könnten die Aktien ein guter Kauf zu den heutigen Preisen sein. Aber ich bin nicht davon überzeugt, dass eine davon etwas Besonderes hat, das von der Konkurrenz nicht einfach zu einem niedrigeren Preis kopiert werden kann.

Das Ansehen ist das einzige Unterscheidungsmerkmal zwischen einer Bio-Marke und einer anderen. Aber ich glaube nicht, dass es Marken gibt, die sich als investitionswürdig erwiesen haben.

Der ehemalige Hedgefonds-Manager Mike Alkin hat Anfang des Jahres eine Präsentation gehalten, die die Situation verdeutlicht. Er sagte, dass für viele der heutigen Millennials, die jetzt die größte demographische Konsumentengruppe bilden, sich drei Dinge von den Marken wünschen, die sie kaufen:

  • Dass sie biologisch sind
  • Dass sie klein sind
  • Dass sie regional sind

Alkin argumentierte, dass wenn größere Marken kleinere organische Unternehmen aufkaufen, die Verbraucher von heute einfach auf eine andere Marke wechseln, die diese Wünsche erfüllen kann. Börsennotierte Unternehmen haben — als Teil ihrer Unternehmensphilosophie — den Drang, mit der Zeit größer und weniger „regional“ zu werden. Das ist offensichtlich unvereinbar mit dem, was viele Verbraucher wollen.

Das könnte helfen, einige der Probleme zu erklären, in die Hain Celestial in letzter Zeit geraten ist. Das Unternehmen wuchs durch den Erwerb kleinerer Marken und versuchte, diese im Laufe der Zeit zu vergrößern. Das ist nicht gut gelaufen, und die Aktionäre sind sehr enttäuscht.

Von allen bisher in diesem Artikel erwähnten Bio- oder Naturkostfirmen ist United Natural Foods der einzige mit einem Wettbewerbsvorteil, den ich für vertretbar halte. Das Vertriebsnetz des Unternehmens — darunter 33 Standorte in Nordamerika — ist ausgebaut und verfügt über langfristige Verträge mit vielen seiner Kunden. United Natural ist nicht nur Händler, sondern liefert auch natürliche und biologische Lebensmittel unter eigenen Markennamen wie Woodstock Farms, Albert’s Fresh Produce und Blue Marble Brands.

Aber selbst da habe ich Zweifel. Auf Whole Foods entfällt ein Drittel des Umsatzes von United Natural. Der aktuelle Vertrag ist bis 2025 in Kraft, aber jetzt, da Amazon Whole Foods besitzt, wäre ich nicht überrascht, wenn Amazon sein eigenes Fulfillment-Netzwerk nutzen würde, wenn der Vertrag ausläuft.

Die einzige echte „Bio“-Aktie, in der mein Geld steckt

Nun da wir über Amazon sprechen, erkläre ich, warum ich denke, dass die Aktie die beste — und möglicherweise die einzige — ist, die von der Bio-Bewegung profitieren könnte. Ohne Zweifel waren und sind Walmart, Kroger und Costco große Player in der Bio-Branche. Aber Amazon hat ein paar Asse im Ärmel, aufgrund derer ich glaube, dass es auf lange Sicht schneller wachsen wird als die Konkurrenz.

An erster Stelle steht die Beliebtheit von Amazon Prime. Wir wissen jetzt, dass das Programm über 100 Millionen Accounts weltweit zählt. Die Vorteile der Mitgliedschaft werden schnell auf diejenigen ausgedehnt, die bei Whole Foods einkaufen. Weil Amazon einige andere sehr rentable Geschäftszweige hat — besonders Amazon Web Services — kann es sich das Unternehmen leisten, biologische Produkte mit hauchdünnen Margen anzubieten, was ein Großteil der Konkurrenz nicht bieten kann.

Selbst wenn die Konkurrenz Bio-Lebensmittel zum gleichen Preis anbieten kann, hätte sie Schwierigkeiten, die Lieferung so schnell oder billig anzubieten wie Amazon über Whole Foods. Das weltweite Netz von Fulfillment-Centern ist unübertroffen, und es würde die Konkurrenz ein Vermögen kosten, auch nur die Hälfte dieser Größe zu erreichen. Zudem gibt es derzeit kein anderes Unternehmen, das kostenlosen Versand innerhalb von zwei Tagen, Zugang zu einer Menge an Streaming-Inhalten und Bio-Lebensmittel-Angeboten sowie viele weitere Vorteile für 12,99 US-Dollar pro Monat bietet.

Im Jahr 2013 schrieb ich einen Artikel mit dem Titel The Paradigm Shift in American Food (dt: ‚Der Paradigmenwechsel in der amerikanischen Küche‘). Ganz zum Schluss sprach ich über die wachsende Popularität der von der Gemeinschaft unterstützten Landwirtschaft (Community Supported Agriculture = CSA) und der Bauernmärkte, und witzelte:

Übertrieben gesagt könnte dies das Ende der Investitionen in Lebensmittelunternehmen bedeuten, da der unabhängige, regionale Landwirt den größten Teil der Nahrungsmittel für den Verzehr bereitstellt.

Ich glaube immer noch, dass dies der Fall ist, und jetzt kenne ich das Ansinnen von Amazon, auch diese Branche zu dominieren. Wenn es also darum geht, finanziell von der Bio-Lebensmittelbewegung zu profitieren, gibt es meiner Meinung nach drei Möglichkeiten, dies zu tun:

  1. Aktien von Amazon zu besitzen.
  2. Gesunde Lebensmittel zu essen — und somit die langfristigen Gesundheitskosten zu reduzieren.
  3. Eigene Bioprodukte für den Verkauf auf Bauernmärkten anzubauen.

Da es sich um eine Ware handelt, die wegen ihrer regionalen Herkunft aus einem kleinen Betrieb geschätzt wird, denke ich, dass dies die einzigen drei Wege sind, um von der Bewegung zuverlässig zu profitieren.

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John Mackey, CEO von Whole Foods Market, einem Tochterunternehmen von Amazon, ist Mitglied des Vorstands von The Motley Fool.

The Motley Fool besitzt und empfiehlt Amazon und Hain Celestial.

Dieser Artikel wurde von Brian Stoffel auf Englisch verfasst und am 29.05.2018 auf Fool.com veröffentlicht. Er wurde übersetzt, damit unsere deutschen Leser an der Diskussion teilnehmen können.

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