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Unter Trump droht dem amerikanischen Aktienmarkt Stagnation all’Italiana

Foto: Getty Images

Langsam nerven mich die endlosen Artikel über jeden Tweet und Kommentar des US-Präsidenten Donald Trump. Was in den Medien aber überraschend selten erwähnt wird, sind die vielen Parallelen zwischen Trump und dem ehemaligen italienischen Premierminister Silvio Berlusconi.

Es besteht das Risiko, dass Trumps Wirtschaftspoltik am Ende vergleichbare Auswirkungen hat wie die von Berlusconi, was sich auch negativ auf Anleger auswirken könnte. Die Ähnlichkeiten sind erschreckend.

Wichtigtuerische Geschäftsmänner an der Macht

Silvio Berlusconi und Donald Trump haben sehr viel gemeinsam. Beide sind machthungrige, eitle Männer, die sich als erfolgreiche Geschäftsmänner präsentieren. Berlusconi hat sich ein Medienimperium aufgebaut, Trump durch seine Medienpräsenz viel Geld verdient, beiden haben ihre ersten Schritte im Immobiliengeschäft gemacht.

Nachdem es ihnen dann als Geschäftsmännern mit nicht ganz unbefleckter Erfolgsgeschichte zu langweilig wurde, wollten sie ihr Land regieren und endlich mal alles anders machen als die ganzen etablierten Politiker. Die wechselnden Frauen und fragwürdigen persönlichen Finanzverhältnisse haben nicht gereicht, um die Machtpolitiker unwählbar zu machen.

Berlusconi war 1994–1995, 2001–2006 und dann noch einmal 2008–2011 italienischer Premierminister. Seine Wahlversprechen im Jahr 2001 waren unter anderem umfangreiche Steuersenkungen, mehr Arbeitsplätze, mehr Polizei und massive Investitionen in die Infrastruktur des Landes. Das waren exakt die gleichen Versprechen wie die von Trump.

Es lassen sich noch viele weitere Ähnlichkeiten finden, aber das Wichtigste ist, zu verstehen, dass in beiden Fällen ein Populist an der Macht war bzw. ist und dass so etwas Auswirkungen auf die Wirtschaft und auch auf den Aktienmarkt haben kann. Diese Risiken sind für den amerikanischen Aktienmarkt gegeben, wenn Trumps Politik ähnliche Auswirkungen hat wie die von Berlusconi:

Risiko #1: Strohfeuer statt Reformen

Das größte von populistischen Politikern ausgehende Risiko ist, dass sie entweder schlechte Ideen umsetzen oder wichtige Reformen ignorieren, oder natürlich beides.

Letztendlich hat Berlusconi die für seine zweite Amtszeit versprochenen Steuersenkungen nicht umgesetzt. Bei Trump mehren sich aktuell die Zeichen, dass seine großzügigen und nicht besonders notwendigen Steuersenkungen vielleicht die einzige wirkliche Reform seiner Amtszeit bleiben werden.

Viel wichtiger wäre es hingegen, das Gesundheitssystem der USA endlich sinnvoll zu reformieren. Das verschlingt zu viel Geld bei mittelmäßigen Ergebnissen. Dieses Jahr werden schätzungsweise 18 % der Wirtschaftsleistung für das Gesundheitswesen aufgewendet werden, was mehr als 11.000 US-Dollar pro Kopf entspricht. Das ist viel mehr als in anderen Industriestaaten und es werden trotzdem im internationalen Vergleich keine guten Ergebnisse geliefert.

Warren Buffett bezeichnete das amerikanische Gesundheitssystem kürzlich als „Bandwurm im Wirtschaftssystem“. Seiner Ansicht nach sind es viel eher die hohen Gesundheitskosten als das Steuersystem, die die Wettbewerbsfähigkeit des amerikanischen Wirtschaftssystems beeinträchtigen.

Das amerikanische Gesundheitssystem ist ein gutes Beispiel dafür, wie das Ausbleiben wichtiger Reformen an der wirtschaftlichen Dynamik eines Landes nagen kann.

Risiko #2: Protektionismus geht nach hinten los

Wirklich erfolgreiche Unternehmen brauchen den weltweiten Markt, der relativ frei für sie zugänglich sein sollte. Trump will allerdings zahlreiche Einschränkungen im Handel mit den USA einführen, die vor allem die heimische Industrie schützen sollen. Das muss zu keiner Katastrophe führen, könnte dies aber tun.

Berlusconi hingegen war nie ein klassischer Protektionist, allerdings gibt es in Italien aufgrund vieler Regulationen eine Art Branchenprotektionismus, der dazu führt, dass es junge und dynamische Unternehmen schwer haben. So können kaum erfolgreiche neue Unternehmen entstehen, die Werte am italienischen Aktienmarkt schaffen.

Gemessen am Aktienindex MSCI Italien sind die fünf größten Unternehmen des Landes Finanzdienstleister und Energieunternehmen, die nur begrenzt konkurrieren müssen, vor allem nicht im Ausland. DAX-Schwergewichte wie SAPSiemens oder BASF befinden sich dauernd im harten, weltweiten Konkurrenzkampf.

Risiko #3: Stagnation all’Italiana

Für Anleger waren die Folgen der langen italienischen Stagnation verheerend. Zwischen Ende 1998 und Ende April dieses Jahres hat der MSCI Italien gerade einmal eine Rendite von 0,62 % pro Jahr eingebracht. Von den Hochs der Jahrtausendwende und vor der Finanzkrise ist man weit entfernt.

Die schlechte Entwicklung des Aktienmarkts hat ihre Wurzeln in der schwachen italienischen Wirtschaft. Das Bruttoinlandsprodukt tritt seit zwei Jahrzehnten auf der Stelle.

Auch wenn es oft heißt, dass politische Börsen kurze Beine haben, kann eine durch populistische Politik ausgelöste Stagnation tatsächlich verheerende Folgen für einen Aktienmarkt haben.

Vieles ist auch anders

Es gibt zwar sehr viele Ähnlichkeiten zwischen Berlusconi und Trump, aber es ist auch einiges anders. Im Gegensatz zu Berlusconi scheint Trump bisher insgesamt ein für Unternehmen ziemlich freundliches Klima zu schaffen und noch gibt es wenig Konkretes, was Anlegern Sorge bereiten sollte.

Die politischen Risiken für den amerikanischen Aktienmarkt sind aber vorhanden, denn Populisten machen meistens ähnliche Fehler. Ein Blick auf Italiens Stagnation während der Berlusconi-Ära ist wahrscheinlich nützlicher als die meisten kurzweiligen Schlagzeilen, um die Risiken von Trumps Präsidentschaft zu verstehen.

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Marlon Bonazzi besitzt keine der erwähnten Aktien. The Motley Fool besitzt keine der erwähnten Aktien.

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