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Was das neueste Update von General Electric für die Investoren wirklich bedeutet

Quelle: Flickr Elvis Fool

Die Präsentation von John Flannery, dem CEO von General Electric Company (WKN:851144), letzte Woche auf der Konferenz der Electrical Products Group (EPG) sorgte sicherlich für Aufregung und schickte den Aktienkurs an diesem Tag um mehr als 7 % nach unten. Man sollte jedoch einen Schritt zurück machen und darüber nachdenken, was Flannery tatsächlich gesagt hat. Hier sind drei wichtige Punkte, die auf Flannerys Aussagen beruhen, und keiner davon ist besonders gut.

1. General Electrics Prognose für 2018 steht unter Druck

Der Fairness halber sollte man erwähnen, dass Flannery die Prognose für den Gewinn pro Aktie (GPA) für das Gesamtjahr von 1 bis 1,07 US-Dollar und für den freien Cashflow (FCF) von 6 bis 7 Milliarden US-Dollar beibehalten hat. Er erinnerte die Investoren daran, dass GE erwartet, am unteren Ende des GPA-Bereichs zu liegen. In ähnlicher Weise bekräftigte er, dass GE mit seinen Bemühungen, die Kosten im Jahr 2018 um 2 Milliarden US-Dollar zu senken, „schneller als geplant“ voran käme — doch das ist nichts Neues. Die Anmerkung, die die meiste Aufmerksamkeit zu erhalten schien, nämlich dass der Ertrag der Stromsparte mit 1,9 Milliarden US-Dollar 2018 niedrig ausfallen würde, sind ebenfalls alte Nachrichten aus dem ersten Quartalsberichts.

Was waren also die Neuigkeiten?

GE hat zum ersten Mal seit dem Investoren-Update im November seine bisherige Prognose für die Segmente Luftfahrt und Gesundheitswesen — die Lichtblicke des Unternehmens — überarbeitet. Dies ist wichtig, da das Management von GE davon ausgeht, dass die beiden Segmente den schwächeren Ausblick der Prognosen im Stromsegment ausgleichen werden. Die Prognose für den Betriebsgewinn von 1,9 Milliarden US-Dollar im Jahr 2018 (die bei der Telefonkonferenz zum ersten Quartal veröffentlicht und von Flannery auf der EPG wiederholt wurde) ist eigentlich eine Reduzierung von 500 Millionen US-Dollar gegenüber der im November gegebenen Prognose.

Wie du unten sehen kannst, liegt die implizite Prognose für die drei wichtigen Segmente jedoch immer noch deutlich unter meiner Interpretation der im November gegebenen Prognose. Mit anderen Worten, was Flannery für die Segmente Luftfahrt und Gesundheit vorausgesagt hat, wird nicht ausreichen, um die Reduzierung der Strom-Prognose um 500 Millionen US-Dollar vollständig auszugleichen. Einfach ausgedrückt, das Update deutet darauf hin, dass es mehr Druck auf die Gewinnprognose von GE für 2018 gibt — der Analystenkonsens liegt unter dem unteren Ende der Spanne von 1 bis 1,07 US-Dollar bei 0,94 US-Dollar.

Segment Aktueller Ausblick Schätzung für 2018 im Investor-Update im November
Luftfahrt 6,21 Milliarden USD 6 bis 6,25 Milliarden USD
Strom 1,95 Milliarden USD 2,45 Milliarden USD
Gesundheitswesen 3,68 Milliarden USD 3,64 bis 3,7 Milliarden USD
Gesamt 11,79 Milliarden USD 12,25 Milliarden USD* 

DATENQUELLE: UNTERNEHMENSPRÄSENTATIONEN. ANALYSE: AUTOR. *UNTER VERWENDUNG DES MITTELWERTS DER PROGNOSE.

2. Der Ausblick für die Stromsparte

Die Stabilisierung des Stromsegments ist das Wichtigste, das GE für seine Investoren tun muss, da jede Aktualisierung der Prognose des Managements aufmerksam verfolgt wird. Um auf den Ausblick für das erste Quartal zurückzukommen, sagte das Management, dass es einen Markt für schwere Gasturbinen (heavy-duty gas turbine = HDGT) von 30 bis 34 Gigawatt im Jahr 2018 erwarte. Wie bereits erwähnt, hat GE jedoch seine Gewinnaussichten für den Strombereich im Jahr 2018 um rund 500 Millionen US-Dollar gesenkt — als Reaktion auf die HDGT-Endmärkte, die in den letzten sechs Monaten unter 30 Gigawatt lagen.

Es waren zwei wichtige Informationen in Flannerys Strom-Ausblick enthalten:

  • GE erwartet weiterhin einen HDGT-Endverbrauch von 30 bis 34 Gigawatt im Jahr 2018, plant für 2019 und 2020 aber mit einem Markt unter 30 Gigawatt.
  • GE strebt eine Marge von über 10 % an (keine Zeitangabe), die zwar deutlich über den 5,6 % von 2017 liegt, aber deutlich unter den 11,7 % von 2016.

Es ist kein Geheimnis, dass der HDGT-Markt Probleme hat, aber der Ausblick von GE impliziert die Möglichkeit eines Umsatzrückgangs im Jahr 2019. Was die Marge angeht, so wies der Barclays-Analyst Julian Mitchell darauf hin, dass GE „zuvor von einer niedrigen bis mittleren operativen Marge gesprochen hatte“ und nicht von den von Flannery auf der EPG erwähnten über 10 %.

3. Die Prognose für die Dividende

Steve Tusa, der Analyst von J.P. Morgan, fragte Flannery, ob er „mit dem, was man heute sieht und was im Portfolio vor sich geht, hinter der Dividende von 0,48 US-Dollar im Jahr 2019 stehen würde“. Daraufhin sprach Flannery über die „Bedeutung“ der Dividende für die GE-Investoren, sagte aber auch, die Dividende sei „letztlich eine Funktion des freien Cashflows des Unternehmens. Und das ist letztlich eine Funktion unserer operativen Leistung mit den Vermögenswerten und Dingen, die wir mit dem Portfolio machen.“

Natürlich gibt Flannery nur Fakten an, die die meisten Investoren bereits kennen, aber seine qualifizierte Ausdrucksweise kann als Zeichen dafür gewertet werden, dass die Dividende von GE nicht in Stein gemeißelt ist. Angesichts der Tatsache, dass die Gewinnprognose des Managements für 2018 (und damit auch die FCF-Prognose) gefährdet ist, kann man davon ausgehen, dass es Druck auf GE geben könnte, seine Dividende zu kürzen, wenn sich die Endmärkte abschwächen.

Fazit

Alles in allem war es eine enttäuschende Präsentation. Eine „schnelle Lösung“ für das Stromsegment wird es laut Flannery nicht geben, und die Ergebnisprognose für 2018 scheint in Frage gestellt. Die Nachfrage nach Gasturbinen hat sich abgeschwächt, was unter anderem auf die zunehmende Nutzung erneuerbarer Energien zur Energieerzeugung und die sinkenden Speicherkosten zurückzuführen ist. Es ist ein Problem, das der auch der Hauptkonkurrent Siemens hat, und es ist bei weitem nicht klar, ob es sich um ein langfristiges strukturelles Problem handelt oder nicht.

Kurz gesagt, kaufe GE nicht, wenn du darüber besorgt ist, ob das Unternehmen seinen kurzfristigen Gewinnausblick erreicht — es sieht so aus, als ob die Dinge für GE schlechter werden könnten, bevor sie besser werden.

In einer positiveren Anmerkung schilderte Flannery einen Weg zur Margenausweitung im Stromsegment — auch wenn es nicht so gut ist, wie erhofft. Zudem wird jede Art von relativer Verbesserung der HDGT-Endnachfrageaussichten die Analysten dazu veranlassen, die Gewinnprognose für die Zukunft anzuheben.

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The Motley Fool besitzt keine der genannten Aktien.

Dieser Artikel von Lee Samaha wurde auf Englisch verfasst und am 29.05.2018 auf Fool.com veröffentlicht. Er wurde übersetzt, damit unsere deutschen Leser an der Diskussion teilnehmen können.

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