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Dividendenlieblinge Nestlé und Münchener Rück: Was fundamental schiefgehen kann

Foto: Getty Images

Wer den Aktien von Nestlé (WKN:A0Q4DC) und der Münchener Rück (WKN:843002) in den letzten fünf Jahren die Treue gehalten hat, wurde nur mit mäßigen Kursgewinnen belohnt. Breite Aktienindizes haben sich deutlich stärker entwickelt.

Was die Situation aber deutlich besser gemacht hat, waren die Dividendenausschüttungen der beiden Unternehmen. Sie haben die Gesamtrendite stark verbessert und den Status der beiden Unternehmen als Dividendenlieblinge unterstrichen. Die Zukunft könnte Ähnliches parat haben.

In Stein gemeißelt ist eine hohe Dividende aber nicht, denn beide Unternehmen kämpfen mit großen Trends, die zwar nicht über ein paar Quartale, aber über ein oder zwei Jahrzehnte eine fundamentale Gefahr für die Dividende werden könnten.

Auf diese langfristigen Entwicklungen sollten Anleger ein Auge haben.

Nestlé: Eigenmarken, gesündere Ernährung und Müllvermeidung

Damit eines klar ist, Nestlé ist ein starkes und gut geführtes Unternehmen, bloß heißt das nicht, dass es unverwundbar ist. Der Streit zwischen Nestlé und EDEKA hat gezeigt, dass Supermärkte mittlerweile große Verhandlungsmacht haben, was den Margendruck erhöht. Dieser Trend könnte noch lange so weitergehen. Das liegt vor allem daran, dass Einzelhändler viel besser darin geworden sind, ihr Sortiment mit attraktiven Eigenmarken aufzustocken, was sie unabhängiger von den großen Lebensmittelkonzernen macht.

Weiterhin könnten viele Nestlé-Produkte darunter leiden, dass sie ungesunde Snacks sind. Sehr langsam, aber stetig scheinen Verbraucher stärker auf naturbelassene Lebensmittel umzusteigen. Das könnte langfristig massive Umsatzeinbußen für Nestlé bedeuten. Der diesjährige Verkauf des amerikanischen Süßwarengeschäfts an Ferrero deutet darauf hin, dass man sich dieser Situation bewusst ist.

Ich frage mich auch, ob Nestlé nicht ein Opfer des Kampfes gegen Plastik werden könnte. Die Schweizer machen gigantische Umsätze mit Wasser, das in Plastikflaschen abgefüllt ist, die gerne mal liegen gelassen werden und im schlimmsten Fall sogar ihren Weg ins Meer finden. Die Plastikverschmutzung der Umwelt ist zu Recht eines der aktuell stark diskutierten Themen und es könnten bald strenge Verbote eingeführt werden. Auch der eingesammelte Plastikmüll bringt seine Probleme mit sich und die vielen Kaffeekapseln aus Kunststoff – deren führender Hersteller Nestlé ist – tragen ziemlich umfangreich dazu bei. Mögliche Verbote oder Auflagen bedrohen das Geschäftsmodell von Nespresso und Nescafé.

Es gibt bei Nestlé in der Summe also riesige Umsatzquellen, die allesamt aus verschiedenen Gründen gefährdet sind.

Münchener Rück: Der Burggraben schwindet

Bei der Münchener Rück ist es vor allem die Konkurrenz, die dem Rückversicherer zu schaffen macht. Die Gewinne stagnieren seit Jahren.

Branchenkenner führen das auf die gestiegene Konkurrenz im Rückversicherungsgeschäft zurück. Neue Finanzmarktakteure tummeln sich plötzlich im Rückversicherungsgeschäft und sind bereit, Risiken zu Konditionen zu übernehmen, von denen die konservative Münchener Rück die Finger lässt.

Nun gibt es zwei Szenarien. Es könnte sich alles zum Guten wenden, wenn Turbulenzen an den Finanzmärkten die neuen Akteure aus dem Geschäft wegfegen. Die besonnene Münchener Rück würde mit ihrer felsenfesten Bilanz dann wieder Geschäfte zu attraktiven Konditionen übernehmen können und es gäbe die Aussicht auf erneutes Gewinnwachstum.

Es könnte aber auch sein, dass der tiefe Burggraben der Münchener Rück dauerhaft geschwächt ist. Vielleicht haben neue Technologien, computergestützte Risikomodelle und weiteres Know-how dazu geführt, dass die Eintrittsbarrieren im Rückversicherungsgeschäft dauerhaft gesunken sind. Dann könnte der aktuell harte Wettbewerb nicht nur anhalten, sondern sogar noch schlimmer werden und die Gewinne der Münchener Rück könnten noch weiter sinken.

Auch wenn wahrscheinlich selbst für absolute Branchenkenner die zukünftige Entwicklung nur schwer einschätzbar ist, gibt es durchaus ein realistisches Szenario, in dem die Profitabilität der Münchener Rück dauerhaft leidet.

So stark ist das Fundament noch

Noch verdienen beide Unternehmen gut, mit Ausnahme von katastrophengeplagten Jahren, in denen die Münchener Rück besonders viel auszahlen muss. Die aktuell attraktive Dividende können sich beide Unternehmen leisten.

Nestlé hat bei einem letztjährigen Gewinn je Aktie in Höhe von 3,55 Schweizer Franken dieses Jahr eine Dividende in Höhe von 2,35 Schweizer Franken ausgezahlt, was einer Ausschüttungsquote von circa 66 % entspricht. Bei der Münchener Rück gab es eine Dividende in Höhe von 8,60 Euro. Das war deutlich mehr als der im Jahr 2017 erwirtschaftete Gewinn, allerdings wäre es in einem normalen Jahr nur ungefähr die Hälfte des Gewinns.

Noch läuten bei solchen Zahlen nicht die Alarmglocken, aber aufmerksame Anleger sollten die langfristigen Risiken nicht aus dem Auge verlieren. Keine Dividende ist garantiert.

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Marlon Bonazzi besitzt keine der erwähnten Aktien. The Motley Fool besitzt keine der erwähnten Aktien.

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