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Aktien im Rückblick: Angst vor Euro-Krise und US-Zöllen drückt den DAX, Banktitel brechen ein

Foto: Getty Images

In der zu Ende gehenden Handelswoche blickten die Marktteilnehmer gespannt nach Italien, weil das südeuropäische Land der Auslöser für die nächste Euro-Krise sein könnte. Grund für die kritischen Blicke gen Süden ist die Bildung einer Europa-kritischen Regierung, deren Personal sich fast ausschließlich aus den Anhängern populistischer Parteien rekrutiert. Dies brachte die Aktienkurse europaweit unter Druck.

Auch US-Präsident Donald Trump sorgte wieder einmal für miese Stimmung – diesmal mit der Ankündigung von Strafzöllen auf Stahl- und Aluminiumexporte und mit Äußerungen über deutsche Automobilproduzenten.

Was war an der Börse los?

Auf Impulse aus London und New York mussten die Frankfurter Börsianer am Montag verzichten, weil die Aktienmärkte in den USA und Großbritannien wegen eines Feiertags geschlossen blieben. Die europäischen Marktteilnehmer hatten also genügend Zeit, über die politische Situation in Italien nachzudenken. Dort war am Wochenende die Regierungsbildung gescheitert, weil die Koalition der rechten Lega Nord und der EU-kritischen Fünf-Sterne-Bewegung einen ausgewiesenen Euro-Feind als Finanzminister vorgeschlagen hatte, den der italienische Staatspräsident nicht akzeptiert hatte.

Dies wurde zunächst mit Erleichterung aufgenommen. Nach genauerer Überlegung kam die Mehrzahl der Marktteilnehmer jedoch zu dem Schluss, dass bei möglichen Neuwahlen wahrscheinlich kein besseres Ergebnis für Europabefürworter herauskäme. Nach einem freundlichen Start drehte der DAX (WKN:846900) deshalb gegen Mittag ins Minus und gab bis zum XETRA-Schluss 0,6 % auf 12.863 Punkte ab. Angeführt wurde der deutsche Leitindex von der Aktie der Lufthansa (WKN:823212), die von einer leichten Abwärtskorrektur des Ölpreises profitierte und 1,4 % zulegte.

Die Furcht vor einer durch das Erstarken der Populisten hervorgerufenen Euro-Krise ließ am Dienstag die Renditen der zehnjährigen italienischen Staatsanleihen auf den höchsten Wert seit 2014 steigen. Der Euro notierte im Bereich von 1,15 US-Dollar und damit so niedrig wie seit Juli 2017 nicht mehr. Am Frankfurter Aktienmarkt kamen deshalb Banktitel unter Druck: Die Anteilscheine der Commerzbank (WKN:CBK100) und der Deutschen Bank (WKN:514000) landeten mit Verlusten von 4,1 % bzw. 4,6 % ganz unten in der DAX-Tabelle. Auch der Gesamtmarkt knickte ein: Der DAX verlor 1,5 % auf 12.667 Zähler.

Nach zwei Verlusttagen in Folge konnten sich die Kurse am Mittwoch etwas erholen. Der DAX verbesserte sich um 0,9 % und ging beim Stand von 12.784 Punkten in den Feierabend. Den größten Tagesgewinn im Standardwerte-Index verbuchten die Dividendentitel von Merck (WKN:659990), die nach einer Empfehlung durch eine deutsche Großbank um 3,9 % anzogen. Die Titel von Bayer (WKN:BAY001) belegten mit einem fast gleich hohen Aufschlag den zweiten Platz. Die US-Behörden hatten zuvor die Übernahme des Saatgut-Produzenten Monsanto durch den Pharma- und Agrarchemiekonzern endgültig genehmigt.

Wer auf eine Fortsetzung der Erholung gehofft hatte, wurde am Donnerstag bitter enttäuscht: Der DAX sackte um 1,4 % auf 12.605 Punkte ab. Auslöser der miesen Stimmung auf dem Parkett war diesmal nicht die politische Situation in Italien, sondern US-Präsident Donald Trump. Der hatte nämlich verkündet, dass die Vereinigten Staaten bald Strafzölle auf Stahl- und Aluminiumexporte aus EU-Ländern erheben werden.

Kein Wunder also, dass deutsche Stahlerzeuger unter Druck gerieten: Die im MDAX (WKN:846741) notierte Aktie von Salzgitter (WKN:620200) verlor 2 % und die Titel von ThyssenKrupp (WKN:750000) gaben 1,2 % ab. Auch Automobilaktien standen auf den Verkaufslisten, weil die „Wirtschaftswoche“ berichtet hatte, Trump wolle die deutschen PKW-Hersteller aus dem US-Markt drängen. Die Vorzüge von Volkswagen (WKN:766403) verbilligten sich um 2 %.

Diese Abschläge wirken allerdings moderat gegen den Einbruch, den die Aktionäre der Deutschen Bank verkraften mussten: Ihre Papiere brachen um 7 % ein, nachdem bekannt geworden war, dass die US-Aufsichtsbehörden die US-Sparte des einstmals vornehmen Geldhauses als „Problemfall“ eingestuft hatten.

Am ersten Handelstag im Juni war es wieder Italien, das die Gemüter der Marktakteure bewegte – diesmal allerdings positiv: Die Einigung der Lega und der Fünf-Sterne-Partei auf eine Kabinettsliste, die der Staatspräsident durchgehen ließ, machen Neuwahlen und damit eine weitere Stärkung der Populisten erst einmal unwahrscheinlich. Die Reaktion des Marktes: Der DAX zeigte am Freitag um 14:55 Uhr ein Plus von 1,3 %.

Was passiert nach dem Wochenende?

Am Montag (04.06.) gibt der Juni-Wert des Sentix-Investorenvertrauens Auskünfte zur Stimmung der professionellen Investoren in der Euro-Zone. Die US-Statistiker informieren uns über die Auftragseingänge bei der Industrie im April.

Am Dienstag (05.07.) gibt der chinesische Einkaufsmanagerindex für das Dienstleistungsgewerbe Hinweise auf den Zustand der Konjunktur im Reich der Mitte. Die Index-Werte für Deutschland, die Euro-Zone und die USA folgen im Laufe des Tages.

Wir wünschen den Lesern des Motley Fool ein schönes Wochenende.

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Winfried Rauter besitzt keine der erwähnten Aktien. The Motley Fool besitzt keine der erwähnten Aktien.

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