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Wie deutsche Konzerne von der Italienkrise auch profitieren

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Italien versinkt – mal wieder – im politischen Chaos. Während sich alles auf das angeblich drohende Platzen des Euros fokussiert, sehe ich auch drei positive Effekte für die deutsche Wirtschaft und viele Aktien.

Wir sind es ja gewohnt

Dass es in Italiens Politik manchmal eher wie im Zirkus zugeht, wissen wir nicht erst seit Berlusconis Zeiten. Nach einer nur kurz währenden vernünftig wirkenden Phase mit Ministerpräsident Matteo Renzi rücken seit Ende 2016 die Haushalts- und Schuldenprobleme des Landes wieder verstärkt in den Fokus. Italien gilt heute für viele Experten als eines der größten Risiken, was den nächsten Auslöser einer Wirtschaftskrise angeht.

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Mit der aktuellen Hängepartie bei der Regierungsbildung wird es keineswegs besser. Die Wahlgewinner wollen sich über europäische Regeln hinwegsetzen, über neue Schulden die Wirtschaft ankurbeln und die sich hartnäckig bei über 10 % haltende Arbeitslosigkeit senken. Ob sie dafür die richtigen Rezepte haben, ist eine andere Frage, aber jetzt kommen ja wahrscheinlich erst mal Neuwahlen, Ausgang ungewiss.

Ratingagenturen wie Moody’s drohen bereits mit einer Herabstufung der Bonität, und die europäischen Partner ärgern sich, dass Italien derzeit nur wenig Positives in Brüssel einzubringen hat. Aber hey, jede Medaille hat zwei Seiten. Aus deutscher Sicht gibt es durchaus auch Erfreuliches zu berichten.

Danke, Italien, für die niedrigen Zinsen

Die Zinsen hängen im Wesentlichen von zwei Faktoren ab: der erwarteten Inflation und der Bonität. Weil es bei der Kreditwürdigkeit nicht zum Besten steht, liegt die aktuelle Rendite der italienischen Staatsanleihen mittlerweile mehr als 2,3 Prozentpunkte oberhalb der deutschen.

Die Inflation im Euroraum bleibt hingegen auf niedrigem Niveau, gerade auch, weil die drittgrößte Wirtschaft Italien keine große Lust hat, sich dem in Deutschland (und den meisten seiner Nachbarländer) unter Volldampf stehenden Zug anzuschließen. Für die Europäische Zentralbank besteht unter diesen Bedingungen kein Druck, die Zinswende beschleunigt einzuleiten.

Das heißt, dass deutsche Unternehmen sich weiterhin zu traumhaften Konditionen finanzieren können. Für hochverschuldete Unternehmen wie thyssenkrupp (WKN:750000), Bayer (WKN:BAY001) oder die Deutsche Telekom (WKN:555750) ist das ein Segen. Gerade eben hat die Telekom wieder günstig 2,9 Mrd. Euro eingeworben.

Danke, Italien, für den schwachen Euro

Verbunden mit den neuen Zweifeln am erfolgreichen Fortbestand von Euroland ist auch eine Schwächung der Gemeinschaftswährung. Diese hatte gegenüber dem US-Dollar aufgrund des keineswegs geringeren Theaters in Washington und der verbesserten einheimischen Konjunktur in der Spitze um fast 20 % aufgewertet.

Vielen Finanzchefs deutscher Konzerne ging das zu schnell, sodass zuletzt in den Bilanzen leider häufig dreistellige Millionenverluste aus der Währungsumrechnung auftauchten. Passend dazu titelte das Handelsblatt kürzlich in einem Kommentar: „Wie der starke Euro die deutsche Wirtschaft ausbremst“.

Aber nun ist ja, wie gesagt, Italienchaos, und das hat den Eurokurs wieder auf 1,16 gedrückt (28.05.). Das sollte genug sein, um den Export zu befeuern und zur Abwechslung mal wieder Buchgewinne aus der Umrechnung auszuweisen.

Danke, Italien, für euer schönes Land

Ein schwächerer Euro heißt aber auch, dass Fernreisen vielfach wieder teurer werden. Da liegt es nahe, seinen Urlaub in Italien zu verbringen, wo der Euro noch genauso viel wert ist wie zuvor. Am Gardasee, an den Stränden der Adria und der Riviera, in Rom oder in den herrlichen Landschaften Norditaliens fühlen sich viele Deutsche wohler als irgendwo sonst.

Auch der vielbeschworene italienische Lebensstil, der für die besondere Atmosphäre sorgt, und natürlich die ausgezeichnete Küche samt Chianti und Grappa tragen dazu bei. Bereits 2017 lag das Besucherplus aus Germania bei 15 %.

Von daher will ich mal hoffen, dass trotz Politchaos und Schuldenlast alles stabil bleibt und letztlich nicht nur deutsche Unternehmen, sondern auch italienische von den niedrigen Zinsen und den verbesserten Exportbedingungen profitieren.

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Ralf Anders besitzt keine der erwähnten Aktien. The Motley Fool besitzt Aktien von Moody's.

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