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Sind Oregons Marihuana-Probleme ein Vorbote dessen, was in Kanada passieren wird?

Foto: Getty Images.

Die Marihuana-Bewegung in Nordamerika ist im Moment scheinbar unaufhaltsam. Mexiko legalisierte im Juni 2017 medizinisches Cannabis, 29 US-Bundesstaaten haben seit 1996 Marihuana auf die eine oder andere Weise legalisiert, und Kanada steht kurz davor, das erste entwickelte Land der Welt zu werden, das bis zu diesem Sommer Cannabis für Erwachsene legalisiert. Das nenne ich ein großartiges Rezept für schnelles Umsatzwachstum innerhalb der Marihuanaindustrie.

Laut dem Cannabis-Forschungsunternehmen ArcView in Zusammenarbeit mit BDS Analytics stieg der Umsatz aus legalem Cannabis in Nordamerika um 33 % auf 9,7 Milliarden US-Dollar im Jahr 2017 und wird bis zum Jahr 2027 voraussichtlich rund 47 Milliarden US-Dollar betragen. Ein starkes Wachstum wie dieses ist für die Investoren schwer zu ignorieren. Aus diesem Grund sind die Marihuana-Aktien stark gestiegen.

Die US-amerikanische Cannabisindustrie steckt voller Risiken

Doch die Cannabisindustrie ist nicht ohne Risiken. Zum Beispiel ist in den Vereinigten Staaten Cannabis immer noch eine Droge nach Liste I auf Bundesebene. Kurz gesagt, das bedeutet, dass es völlig illegal ist, als sehr anfällig für Missbrauch gilt und keinen anerkannten medizinischen Nutzen hat.

Obwohl einige Staaten in der Lage gewesen sind, die Droge  zu legalisieren, gilt dennoch das Bundesgesetz mit seinen Regelungen, die im Controlled Substances Act (CSA) umrissen werden. Mit anderen Worten, dieses Kartenhaus könnte zusammenbrechen, wenn die Bundesregierung plötzlich beschließt, eine strenge Auslegung des CSA durchzusetzen. Obwohl die Chancen dafür unwahrscheinlich sind, ist alles möglich, da der leidenschaftliche Cannabis-Gegner Jeff Sessions das Justizministerium leitet.

Die meisten Cannabisunternehmen haben aufgrund dieser rechtlichen Grauzone kaum oder gar keinen Zugang zu grundlegenden Bankdienstleistungen wie einem Kreditrahmen oder sogar einem Girokonto. Denn unter strenger Auslegung des CSA fürchten die Banken monetäre oder strafrechtliche Konsequenzen, wenn sie Pot-Unternehmen unterstützen.

Ebenso sind profitable Marihuana-Unternehmen von einer mehr als drei Jahrzehnte alten Steuerregel, die als Section 280E bekannt ist, betroffen. Diese Regel verbietet es Unternehmen, die eine illegale Substanz verkaufen, normale Körperschaftsteuerabzüge vorzunehmen. Das Endergebnis ist ein effektiver Steuersatz von bis zu 90 %!

Doch das sind nicht einmal alle Probleme, mit denen die in den USA ansässigen Pot-Produzenten konfrontiert werden könnten.

Die Produzenten in Oregon und die Marihuana-Flut

Wie die Associated Press berichtete, zwingt eine Marihuana-Schwemme im Bundesstaat Oregon die Züchter, ihre Geschäftsmodelle anzupassen oder sich mit stark reduzierten Margen zu arrangieren. Wie eine Handvoll anderer Staaten, die Marihuana für den Freizeitgebrauch legalisiert haben, wie etwa Washington und Colorado, muss alles Cannabis, das innerhalb des Staates angebaut wird, innerhalb seiner Grenzen bleiben.

Im Gegensatz zum Nachbarn Washington hat Oregon jedoch keine Obergrenze für die Anzahl der für den Anbau zu erteilenden Lizenzen gesetzt. Das Ergebnis ist eine wahre Flut an getrocknetem Cannabis innerhalb des Staates.

Nach Angaben von AP gibt es fast 450.000 Kilogramm Marihuana im System und wenige Möglichkeiten, es loszuwerden. Wegen dieses Überangebots sind die Preise pro Gramm für Cannabis seit 2015 um 50 % eingebrochen und laut dem Oregon Office of Economic Analysis von 14 US-Dollar pro Gramm auf nur 7 US-Dollar pro Gramm gefallen.

Während einige Produzenten in Oregon einfach lernen, mit den sinkenden Margen in einem gesättigten Markt umzugehen, haben sich andere auf Hanf und sein medizinisches Nebenprodukt, Cannabidiol (CBD), spezialisiert. Neben Colorado ist Oregon die Nummer 2 bei der Hanfproduktion (Hanf ist der Cousin der Cannabispflanze, der für eine Vielzahl von industriellen Zwecken verwendet werden kann). Dazu enthält Hanf nur 0,3 % Tetrahydrocannabinol (THC) — der psychoaktive Bestandteil von Cannabis — im Vergleich zu 30 % THC bei Cannabis.

Dieser Schritt erscheint sinnvoll, wenn man bedenkt, dass CBD einen deutlich höheren Preispunkt hat als getrocknetes Cannabis, das inzwischen grenzwertig kommerzialisiert ist und auf eine Nischenkundenbasis abzielt. CBD wird oft wegen seines medizinischen Nutzens geschätzt, obwohl klinische Studien in verschiedenen Krankheiten mal erfolgreich und mal erfolglos waren.

Cannabidiol gewinnt in den USA angesichts der Erwartung, dass die Food and Drug Administration (FDA) GW Pharmaceuticals (WKN:693692) führendes Medikament Epidiolex nächsten Monat zulassen wird, an Bedeutung. Das Medikament von GW Pharmaceuticals durchlief die Zulassungsstudien und lieferte bei zwei seltenen Formen von Epilepsie im Kindesalter eine statistisch signifikante Reduktion der Anfallshäufigkeit im Vergleich zum Placebo. Es hat noch nie ein Cannabinoid-basiertes Medikament gegeben, das von der FDA zugelassen wurde. Das ermöglicht es GW Pharmaceuticals, Geschichte zu schreiben und vielleicht die US-Bundesregierung dazu zu bewegen, ihre Haltung zu CBD zu ändern.

Könnte Kanada es wie Oregon ergehen?

Die große Frage ist, angesichts dessen, was wir in Oregon erleben: Wird Kanada dem Beispiel folgen und seine Produktion von getrocknetem Cannabis zugunsten von Ölen und Extrakten oder sogar Hanf umstellen?

Zuerst solltest du aber verstehen, dass es zwei ziemlich bedeutende Unterschiede zwischen Oregons Cannabismarkt und dem von Kanada gibt — und ich spreche nicht über die Bevölkerung oder die Größe. Erstens erlaubt Kanada, dass Cannabis über die Grenzen seines Landes hinaus exportiert wird, was ein mögliches Mittel zur Verringerung des Überangebots darstellt. Der andere Unterschied ist, dass Health Canada, das die kanadische Cannabisindustrie reguliert, die Anzahl der Anbaugenehmigungen etwas begrenzt. Es werden also nicht alle, die das gerne möchten, massenweise Cannabis anbauen können.

Dennoch ist ein mögliches Überangebot in Kanada, wenn der Cannabis Act im Juni in Kraft tritt, sehr real. In den meisten Berichte geht man davon aus, dass die Inlandsnachfrage rund 800.000 Kilogramm pro Jahr betragen wird. Im Vergleich dazu könnte die volle Produktionskapazität für Kanadas Dutzende von lizenzierten Anbauern bis 2020 oder 2021 2 Millionen Kilogramm übersteigen, was zu einem jährlichen Überangebot von mehr als 1 Million Kilogramm führen würde. Was passiert mit diesem überschüssigen Pot?

Etwas würde man wahrscheinlich in Länder exportieren, die medizinisches Marihuana legalisiert haben. Aber es ist unbekannt, ob die Nachfrage in diesen Ländern stark genug sein wird, um mehr als 1 Million Kilogramm des jährlichen Inlandsüberangebots zu aufzunehmen. Wenn nicht, könnten die Preise pro Gramm — und die Margen — von Cannabis fallen.

Interessanterweise sitzen die kanadischen Produzenten nicht untätig herum und warten ab, ob dieses Szenario funktionieren wird. Sie haben in größerer Zahl Cannabis-Öle und -Extrakte in ihre Produktlinien aufgenommen.

Canopy Growth gab im Februar bekannt, dass 23 % des Umsatzes im dritten Quartal im Vergleich zu 13 % im Vorjahresquartal auf Öle entfielen. Auch MedReleaf mit Sitz in Ontario stellte in seinem jüngsten Quartalsbericht fest, dass 21 % des Gesamtumsatzes mit Ölen erzielt wurden, gegenüber nur 3 % im Vorjahreszeitraum.

Die kanadischen Züchter gehen auch in Richtung höherer Öl- und Extraktproduktion, da andere Länder nicht unbedingt das OK für Patienten gegeben haben, getrocknetes Cannabis zu verwenden. CBD-Öl wird in diesen Ländern aber fast überall akzeptiert. Die Ärzte sehen es auch meist lieber, dass ihre Patienten Öle einnehmen statt Cannabis zu rauchen.

Letztendlich ist es wahrscheinlich ein bisschen früh, um anzunehmen, dass sich die Lage in Kanada wie in Oregon entwickeln wird. Es ist jedoch nicht ausgeschlossen, dass die kanadischen Anbauer ihre Produktion in den kommenden Jahren auf Hanf und CBD umstellen werden, um dem Überangebot im Inland oder der Kommerzialisierung von Cannabis zu entgehen. Die Lage muss genau im Auge behalten werden.

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The Motley Fool besitzt keine der erwähnten Aktien.

Dieser Artikel wurde von Sean Williams auf Englisch verfasst und am 20.05.2018 auf Fool.com veröffentlicht. Er wurde übersetzt, damit unsere deutschen Leser an der Diskussion teilnehmen können.

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