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Wie wir Krebs besiegen: Hier die Argumente und der Hot Stock Ziopharm Oncology

Bild: Getty Images

Es gibt sensationelle Erfolge bei der Krebsimmuntherapie mit Checkpoint-Inhibitoren und insbesondere mit T-Zell-Therapien, die erstaunlich wirksam und zielgerichtet sind. Daher wird nach ersten Erfolgen nun weiter optimiert, und wegweisende neue Therapien werden sehnsüchtig erwartet. Ein vielversprechendes Unternehmen, das auf Gentherapie und Zelltherapie gegen Krebs mit einzigartiger Technologie setzt, ist Ziopharm Oncology (WKN:A0JMYA).

Warum Krebs bisher so schwer zu heilen ist

Traditionell werden Krebsleiden nach dem Ort ihrer Entstehung benannt, wie beispielsweise Lungenkrebs oder Leberkrebs. Das macht aber gar keinen Sinn, denn jeder Krebs ist anders, unabhängig von seinem Ort, sodass ein Leberkrebstumor weniger Ähnlichkeit mit einem anderen Leberkrebstumor haben kann als mit einem Lungenkrebstumor. Denk einmal darüber nach, warum das so sein könnte.

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Wodurch entsteht denn Krebs? Es sind vor allem Mutationen in Zellen, die diese krebsartig werden lassen. Einfach ausgedrückt geht ihre normale Regulation verloren, sodass sie sich ungehemmt weiter vermehren können und auch nicht mehr von unserem Immunsystem als Feind erkannt und eliminiert werden.

Hast du dich schon einmal gefragt, warum so viele gezielte Krebstherapien zuerst wirken und der Tumor kleiner wird, um dann umso schneller wieder zu wachsen? Das ist vergleichbar mit der Antibiotikaresistenz bei Bakterien: Bei einer Nierenbeckenentzündung durch Bakterien bekommen wir ein Antibiotikum. Das verhindert die Vermehrung der Bakterien, sodass die meisten absterben und vom Immunsystem entsorgt werden.

Manche aber überleben, weil sie aus irgendeinem Grund resistent gegen das Antibiotikum sind, sodass sie sich jetzt freudestrahlend hemmungslos vermehren können. Genau dasselbe passiert bei Krebs auch: Viele Krebszellen werden vom Medikament erst zerstört, allerdings mutiert der Tumor weiter, sodass Zellen plötzlich resistent gegen den Wirkstoff werden.

Der Tumor von heute ist also völlig anders als der Tumor in drei Monaten. Ein Beispiel sind Tumoren mit Mutationen im EGFR-Gen. Patienten mit dieser Mutation werden häufig mit Erlotinib von Roche behandelt, aber 80 % dieser Patienten sind nach nur acht Monaten resistent gegen diese Therapie. Der Tumor verändert sich also durch Selektionsdruck komplett innerhalb von nur acht Monaten. Darwin lässt grüßen.

Innovative Firmen wie Cambridge Cancer Genomics setzen daher auf Bluttests (Flüssigbiopsie), mit denen sie Mutationen des Tumors identifizieren können. Mithilfe künstlicher Intelligenz können sie dann sehr früh feststellen, ob eine Therapie effektiv sein wird oder nicht. Damit kann man unnötige Behandlungen abbrechen und durch wirksamere ersetzen.

Insbesondere für teure Therapien wie mit Checkpoint-Inhibitoren macht es doch wirklich keinen Sinn, das viele Geld aus dem Fenster zu werfen und die Patienten harten Nebenwirkungen auszusetzen, wenn das Medikament gar nicht wirkt. Diese neuartige Flüssigbiopsie-Diagnostik ist zwar noch in den Anfängen, wird sich aber allein aus Kostengründen meiner Ansicht nach durchsetzen. Und unter den großen Pharmafirmen ist hier wiederum Roche als Diagnostikschwergewicht mit führend.

Lasst uns den Tumor heiß machen!

Neben einer begleitenden und regelmäßigen Diagnostik, um die Mutationen des Tumors zu analysieren, sind im Wesentlichen folgende Punkte zur Krebsbekämpfung entscheidend:

  • Der kalte Tumor muss wieder heiß werden, sodass unser eigenes Immunsystem die Krebszellen erkennt und vernichtet.
  • Krebszellen müssen gezielt therapiert werden, um Nebenwirkungen so gering wie möglich zu halten und gesunden Zellen nicht zu schaden.
  • Kombinationstherapien erhöhen die Wirksamkeit und verringern das Risiko von Resistenzbildung.

Das alles kann heute noch kein Unternehmen bieten, doch sind einige bereits in klinischen Phasen, um diese Vision Wirklichkeit werden zu lassen. Ziel vieler ist es, Krebs zukünftig wie eine chronische Erkrankung zu behandeln oder im besten Fall komplett zu heilen.

Ziopharm Oncology will mithilfe von Interleukin 12 (IL-12) aus einem kalten einen heißen Tumor machen. Ein kalter Tumor versteckt sich erfolgreich vor unserem Immunsystem, während ein heißer Tumor schutzlos ausgeliefert ist. Dabei ist IL-12 eine Art Superaktivator für das Immunsystem, indem T-Zellen und natürliche Killerzellen aktiviert werden und so den Tumor wieder erkennen können. Dazu hat Ziopharm das Gen für IL-12 in einen Adenovirus als Vektor verpackt, der direkt in den Tumor gespritzt wird. Dort wird IL-12 dann über Monate hinweg gebildet und macht den Tumor heiß.

Kalter Tumor –> heißer Tumor ☒

Die Produktion von IL-12 im Tumor führte auch zur vermehrten Bildung von PD-1, Zielmolekül einiger Checkpoint-Inhibitoren, sodass sich eine Kombinationstherapie quasi aufdrängte. Eine solche Kombination mit Opdivo von Bristol-Myers Squibb gegen Hirntumoren (Glioblastom) befindet sich derzeit in Phase 1.

Kombinationstherapie ☒

Um die oben genannten drei Bedingungen zur optimalen Bekämpfung von Tumorzellen zu erfüllen, müsste jetzt noch beispielsweise ein Antikörper, der ein krebsspezifisches Antigen erkennt, eingesetzt werden.

Gezielte Tumorbekämpfung ☐

Neuartige Methoden für Zelltherapien

Aber das ist nicht alles, worauf Ziopharm seine Zukunft setzt. Denn die ersten zugelassenen CAR-T-Zelltherapien von Novartis und Gilead sind in ihrer jetzigen Form schlicht zu komplex und teuer. Deshalb hat sich Ziopharm eine wirklich innovative Methode erarbeitet, die sowohl die Komplexität als auch die Kosten für zukünftige Zelltherapien in den Griff bekommen soll.

Aus dem Blut des Patienten werden wie gehabt T-Zellen isoliert. Doch statt der bisherigen drei Wochen für die gentechnische Veränderung der T-Zellen mit Viren und ihre Vermehrung geht Ziopharm einen anderen Weg: Die Zellen werden mit den Genen für CAR, Interleukin 15 (IL-15) sowie einem molekularen Schalter unter Strom gesetzt (Elektroporation).

Bei der Elektroporation werden Zellen kurzen Stromimpulsen ausgesetzt, sodass ihre Membran für Millisekunden löchrig wird und so die Gene aufgenommen werden können. Der CAR dient zur Erkennung eines spezifischen Krebsantigens und das IL-15 fördert die Vermehrung dieser T-Zellen im Patienten. Sollte die Immunreaktion zu stark ausfallen, können die CAR-T-Zellen aus Sicherheitsgründen gezielt ausgeschaltet werden.

Und dieser Herstellungsprozess dauert nur zwei Tage, bevor die gentechnisch veränderten CAR-T-Zellen dem Patienten injiziert werden. Zudem kann durch Verzicht auf Viren jedes Krankenhaus diese Methode selbst durchführen, sodass die Komplexität und die Kosten bisheriger Zelltherapien deutlich reduziert werden könnten.

Gezielte Tumorbekämpfung ☒

Derzeit laufen verschiedene Phasen 1 gegen Blutkrebs und auch klinische Studien in Kooperation mit der deutschen Merck (WKN:659990).

Fazit

Ziopharm hat eine sehr interessante Pipeline mit ambitionierter Vision, befindet sich aber noch in den Anfängen, sodass die Aktien mit hohem Risiko behaftet sind. Damit reiht sich dieses Biotech nahtlos in die Liste aufstrebender Zelltherapie-Pioniere wie NantKwest, Fate Therapeutics, Cellectis, Celyad oder Medigene ein.

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Stefan Graupner besitzt Aktien von NantKwest. The Motley Fool besitzt und empfiehlt Aktien von Gilead Sciences.

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