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Die Vodafone-Aktie: Deshalb bin ich jetzt vorsichtig

Foto: Getty Images

Der Mobilfunkkonzern Vodafone (WKN:A1XA83) schaltet in den Angriffsmodus. Das Ziel ist ehrgeizig.

In Deutschland will der scheidende Vodafone-CEO Vittorio Colao die Telekom (WKN:555750) als Marktführer ablösen. Dazu sollen die Briten nicht nur ihr Mobilfunknetz auf Basis der 5G-Technologie ausbauen, sondern auch im Bereich Gigabit-Internet eine tragende Rolle spielen.

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Konkret geht es um das Kabelnetz der ehemaligen Kabel Deutschland, die Vodafone im Jahr 2013 mehrheitlich übernommen hat. So weit, so gut. Ich glaube aber, dass die Gefahr für Vodafone groß ist, an diesem Ziel zu scheitern. Dafür gibt es im Wesentlichen drei Gründe.

Unitymedia-Deal nur unter Auflagen?

Die Unitymedia-Kabelnetze in NRW, Hessen und Baden-Württemberg gehörten bislang Liberty Global (WKN:A1W0FL). Zwar haben sich die Amerikaner im Zuge der Neuordnung ihres europäischen Kabelgeschäfts grundsätzlich mit Vodafone auf einen Verkauf geeinigt, jedoch ist bei einem solchen Deal die Zustimmung der nationalen und europäischen Kartellbehörden notwendig.

Es scheint mir sehr unwahrscheinlich, dass die Behörden dem Verkauf vorbehaltlos zustimmen. Um ein Kabelmonopol in Deutschland zu verhindern, könnte der Regulierer beispielsweise die Öffnung des künftigen Vodafone-Kabelnetzes für Drittanbieter erzwingen. Dies würde im Endeffekt sogar zu mehr statt weniger Wettbewerb führen. Im ungünstigsten Fall könnte die EU-Kommission den Deal sogar untersagen, was für Vodafone und damit die Kursentwicklung der Aktie meiner Meinung nach ein hohes Risiko darstellt.

5G-Frequenzspektrum nicht sicher

Anwendungen wie das „Internet of Things“, autonomes Fahren, Telemedizin etc. benötigen mobile Hochgeschwindigkeitsnetze und kurze Reaktionszeiten. Für diese Technologien wird das kommende 5G-Mobilfunknetz unabdingbar sein. Zudem wird Vodafone darauf bedacht sein, sein bestehendes Breitband-Kabelnetz mit dem dann ausgebauten 5G-Mobilfunknetz zu verknüpfen.

Ob dieser Plan jedoch aufgeht, ist keineswegs sicher. Denn in Deutschland wird das Spektrum, also die für den Netzbetrieb nötigen Frequenzbereiche, durch den Regulierer (die Bundesnetzagentur) in einem Bieterverfahren an den jeweils Höchstbietenden versteigert.

Da die Wettbewerber Deutsche Telekom und die spanische Telefónica (WKN:850775) jedoch ebenfalls nicht auf die zukunftsweisende 5G-Mobilfunktechnologie verzichten können und wollen, wird die Versteigerung für Vodafone höchstwahrscheinlich sehr teuer. Zum Vergleich: Bei der Versteigerung der UMTS-Lizenzen im Jahr 2000 zahlte Vodafone bereits 8,42 Mrd. Euro, hinzu kamen weitere 2,1 Mrd. Euro für die später folgende Auktion des 4G-Spektrums.

Teurer Netzausbau

Selbst angenommen, Vodafone überwindet diese beiden hohen Hürden und bekommt die Genehmigung für die Unitymedia-Übernahme sowie die benötigten 5G-Frequenzen, stehen für die Briten massive Investitionen auf der Agenda. Um das Kabelnetz bundesweit gigabitfähig zu machen, will Vodafone-Deutschland-CEO Hannes Ametsreiter dann noch einmal 12 Mrd. Euro investieren. Und diese Summe kommt natürlich zu dem Kaufpreis von 18,4 Mrd. Euro hinzu, den Vodafone an Liberty Global zahlen muss.

Auf der anderen Seite wird sich für Vodafone-Aktionäre die Frage stellen, ob sich diese Investitionen am Ende wirklich rechnen. Ursächlich ist, dass in Deutschland die meistgenutzte Breitbandtechnologie nach wie vor DSL und nicht das Breitbandkabel ist. Hinzu kommt noch, dass gerade ländliche Regionen in Deutschland überhaupt nicht an ein Breitbandkabelnetz angeschlossen sind.

Um hier zur DSL-Technologie der Wettbewerber aufzuschließen, müsste Vodafone erneut erhebliche Summen investieren, was sicher nicht im Sinne der Anteilseigner des Unternehmens sein dürfte, zumal Vodafone bereits selbst DSL-Anschlüsse verkauft und damit sein eigenes Geschäft kannibalisieren würde.

Fazit: Nur teilweise notwendige, aber hohe Investitionen

Natürlich braucht Vodafone das 5G-Spektrum und wird deshalb bei der Lizenzversteigerung in den sauren Apfel beißen müssen, wenn die Briten künftig in Deutschland weiterhin eine tragende Rolle auf dem Telekommunikationsmarkt spielen wollen. Ich gehe auch nicht davon aus, dass sie bei dem Verkauf leer ausgehen. Jedoch wird sich die Frage stellen, wie viel Spektrum sie bekommen und welcher Netzausbau damit letztendlich möglich wird. Kritischer sehe ich aber die Übernahme der Liberty-Kabelnetze.

Es erscheint mir schlüssig, dass eine Übernahme nur unter hohen Auflagen genehmigt wird. Hinzu kommt der Kaufpreis und die Netzmodernisierung bei gleichzeitig überschaubar möglichem Kundenwachstum durch die im Vergleich zu ADSL/VDSL innerhalb Deutschlands weniger weit verfügbare Technologie.

Last but not least könnte Vodafone bei der 5G-Versteigerung noch zusätzlicher Ärger drohen: Drillisch (WKN:554550)-CEO Ralph Dommermuth hatte bereits angekündigt, dass sich sein Konzern ebenfalls ein Gebot vorstellen könnte, um einen vierten Netzbetreiber in Deutschland zu etablieren. Ebenso sind weitere 15 Konzerne an 5G-Frequenzen interessiert, darunter Daimler (WKN:71000), Siemens (WKN:723610), Volkswagen (WKN:766403) und BASF (WKN:BASF11). Diese Punkte sind aus geschäftlicher Sicht sehr relevant, weshalb man die Kursentwicklung der Vodafone-Aktie in nächster Zeit gut im Auge behalten sollte.

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Björn König besitzt keine der erwähnten Aktien. The Motley Fool empfiehlt Daimler.

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