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Das wird größer als Google und kommt aus Deutschland

Bild: SAP Footage Portal

Deutschland macht sich gerne selbst schlecht, wenn es um seine Stellung in der digitalen Welt geht. Dabei braut sich genau dort aktuell etwas zusammen, das größer als Google werden könnte.

„Wir werden abgehängt“

Regelmäßig wird Panik geschoben, dass Deutschland im internationalen Vergleich zur Lachnummer werden könnte, was Informationstechnik, Internet und Digitalisierung angeht. Kürzlich fragte Phoenix in einer Sendung: „Wirtschaftsmacht Deutschland – Digital abgehängt?“. In der Presse wird seit vielen Jahren genau das behauptet:

  • Digitalisierung: Deutschland droht abgehängt zu werden (Handelsblatt, 2017)
  • Deutsche Wirtschaft verpasst die Digitalisierung (WELT, 2016)
  • Deutschland verschläft die Digitale Transformation (DigiBuzz, 2015)
  • Verschlafen deutsche Unternehmen die Digitalisierung? (WiWo, 2014)
  • Deutschland droht ins digitale Mittelmaß abzugleiten (The European, 2013)
  • Deutschland hinkt beim mobilen Internet hinterher (WiWo, 2012)
  • Als IT-Standort nur Mittelmaß?: Deutschland fällt zurück (n-tv, 2011)
  • Internet: Deutschland ist digitales Entwicklungsland (FAZ, 2010)

Richtig ist natürlich, dass das Breitbandinternet im ländlichen Raum geradezu grotesk langsam ausgerollt wurde. Daneben zeigt der Blick über den Großen Teich, dass es den USA viel besser gelungen ist, Software- und Internetgiganten aufzubauen. Schon allein Alphabet (WKN:A14Y6F) ist wahrscheinlich wertvoller als alle börsennotierten deutschen Software- und Internet-Unternehmen zusammen. Da kann Deutschland wirklich nicht mithalten.

Wenig beachtet wird allerdings, dass es beispielsweise England, Frankreich, Japan und allen anderen großen Ländern keineswegs besser gelungen ist. Lediglich China mit seinem riesigen abgeschotteten Markt hat im Internetbereich zum Teil Vergleichbares vorzuweisen.

Immerhin kann Deutschland heute auf zwei Marktführer bauen, auf die die Nachbarn neidisch blicken: Zum einen natürlich SAP (WKN:716460), führend bei Geschäftssoftware. Zum anderen hat Siemens (WKN:723610) ihren Digitalbereich Schritt für Schritt zum weltgrößten Anbieter von Ingenieurs- und Industriesoftware ausgebaut.

1 + 1 = 3

Genau diese beiden Software-Dickschiffe haben sich in den letzten Jahren in eine aussichtsreiche Position manövriert, wenn es um die Digitalisierung der unterschiedlichsten Branchen geht.

Bei SAP heißt die Initiative „Leonardo“. Sie umfasst einen ganzen Werkzeugkasten, um neuartige Lösungen mit vernetzten Dingen vergleichsweise kostengünstig umzusetzen. Der Vorteil der Walldorfer ist, dass die Entscheider bereits mit dem Unternehmen vertraut sind.

Siemens auf der anderen Seite hat sein Kind „MindSphere“ genannt. Dieses soll als Betriebssystem des Internets der Dinge dienen. Diverse Partner wie Atos (WKN:877757) und Accenture (WKN:A0YAQA) sind auch bereits fleißig am Entwickeln von spezialisierten Apps, die auf typische Anwendungen einzelner Branchen zugeschnitten sind. Ein Vorteil von Siemens ergibt sich aus der Tatsache, dass das Konglomerat mit all seinen digitalisierbaren Turbinen, Maschinen, Transformatoren, Kernspintomographen und Kompressoren seine Kunden bereits mitbringt.

Bis hierhin könnte man trotzdem denken, dass SAP und Siemens nur zwei weitere Wettbewerber unter vielen seien. Ich habe dies lange Zeit auch angenommen. Schließlich gibt es Dutzende oder sogar Hunderte Unternehmen, die sich mit irgendwelchen ambitionierten Plattformen im weiten Feld des Internets der Dinge tummeln.

Das Besondere ist hier jedoch, dass Siemens das Thema von der Fabrikhalle her angeht und SAP von der Vorstandsetage aus. Was dem einen fehlt, hat der andere im Portfolio. Gehen sie ihre Marktoffensiven also gemeinsam an, dann entsteht ein nahezu unschlagbares Gesamtpaket.

Die Kooperation wird enger

Das ist genau das, was im Moment passiert. Im Januar wurde beispielsweise eine Veranstaltung unter dem Titel „MindSphere @ SAP Leonardo“ durchgeführt, um interessierte Industrievertreter mit den Möglichkeiten vertraut zu machen. Dort kam deutlich heraus, wie gut die beiden ihre Angebote bereits aufeinander abstimmen.

MindSphere läuft bevorzugt in der SAP HANA Cloud, wo natürlich auch Leonardo zuhause ist. Entwickler und Integratoren können sich für ihre Lösungen bei den Apps und Tools von beiden bedienen. Die im Betrieb entstehenden Ergebnisse und Erkenntnisse können wiederum automatisiert sowohl in die Ingenieurssoftware von Siemens als auch in die betrieblichen Systeme von SAP zur Nutzung weitergeleitet werden, sodass echter Mehrwert entsteht.

Zudem gefällt mir, wie beide durch zahlreiche großangelegte Initiativen den internationalen Markt auf das neue Paradigma vorbereiten. Dabei denke ich an die Eröffnung von MindSphere Application Centern, die Etablierung des Mindsphere Innovation Networks zur Vernetzung mit der akademischen Welt sowie die Gründung der Organisation Mindsphere World, welche bereits zahlreiche der Top-Maschinenbauer und -Automatisierer versammelt.

Hinzu kommen die weltweit verstreuten SAP Leonardo Center zur Förderung der Co-Innovation. Außerdem bindet SAP die großen Systemhäuser wie T-Systems oder All for One Steeb (WKN:511000) als Lösungspartner ein. Weitere Technologiepartner wie die Software AG (WKN:330400) liefern ergänzende Bausteine, um das Gesamtangebot abzurunden.

Größer als Google

Was heute noch ganz schön experimentell aussieht, könnte schon in wenigen Jahren riesig werden. SAP und Siemens bewegen sich beide aus ihren marktführenden Positionen heraus aufeinander zu und nehmen dabei zahlreiche starke Partner mit ins Boot, um die Vision Industrie 4.0 beschleunigt Wirklichkeit werden zu lassen. Die Maschine in der Fabrik, der Kompressor auf der Ölplattform und der Mähdrescher auf dem Feld werden mit dem Chefbüro, dem Wartungspersonal und dem Vertriebsteam in Echtzeit verbunden sein.

Die Möglichkeiten erscheinen unbegrenzt und ich habe nur noch geringe Zweifel, dass das deutsche Duo den Markt deutlich anführen wird. Der MindSphere Appstore mag dann vielleicht nicht ganz so viele verschiedene Anwendungen enthalten wie Google Play auf Android, aber dafür dürfte der einzelne Wertbeitrag im Schnitt ungleich höher sein. Wird Deutschland also digital abgehängt? Entscheide selbst!

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Ralf Anders partizipiert über ein von ihm betreutes Indexzertifikat an der Aktienentwicklung von Atos und Siemens. Suzanne Frey arbeitet als Führungskraft bei Alphabet und sitzt im Vorstand von The Motley Fool. The Motley Fool besitzt und empfiehlt Aktien von Alphabet (A- und C-Aktien). The Motley Fool empfiehlt Accenture.

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