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Warum Snaps Spectacles 2.0 scheitern werden

Quelle: Media Kit Snap Inc.

Als ob der Quartalsbericht von Snap (WKN:A2DLMS) zum ersten Quartal nicht schon schlimm genug für die Investoren wäre, sieht es so aus, als würde alles nur schlimmer werden. Nein, nicht, weil das Management sagte, dass das Snapchat-Redesign die Nutzer vertrieben hat, oder dass sich die Einnahmen ab dem ersten Quartal „erheblich verlangsamen“ werden (OK, vielleicht auch das) — sondern vielmehr, weil das Management fest entschlossen ist, die Spectacles-Kamerabrille wieder einzuführen.

Verbesserungen rücken in den Fokus

Die erste Neuauflage der Brille weckte zunächst Interesse, doch die Nachfrage blieb aus. Snap verzeichnete einen Verlust von fast 40 Millionen US-Dollar, weil die Geräte in den Lagerhäusern verstaubten. Und die meisten, die 130 US-Dollar für eine Kamerabrille locker machten, benutzten sie nicht lang.

Natürlich gab es dafür technische Gründe. Zum Beispiel nahm die Brille nur Videos auf, keine Fotos; die Bilder mussten über Snapchat bearbeitet werden, bevor sie anderweitig verwendet werden konnten; und das Importieren von Bildern war relativ langsam. Mit Spectacles 2.0 hat Snap einige der Probleme behoben und andere Bereiche verbessert.

Zum Beispiel sind die Gläser jetzt wasserdicht. Sie sind mit einem Mikrofon versehen, um den Ton besser aufnehmen zu können. Und man kann mit Spectacles 2.0 jetzt fotografieren, obwohl man Snapchat immer noch braucht, um alles zu verarbeiten, auch wenn der Bilderimport etwas flotter ist als vorher.

Obwohl die Brille noch etwas albern aussieht, wurde sie stilvoller gestaltet — Snap hat u.a. den gelben Ring um das Kameraobjektiv entfernt. Das minimiert zwar den „Guck, ich trage eine Kamerabrille!“-Effekt, doch die Leute wissen trotzdem, dass es sich dabei um eine Kamera handelt. Und das wird dazu führen, dass sich viele in der Nähe der Leute, die eine Kamerabrille tragen, unbehaglich fühlen.

Es liegt nicht an dir, sondern an mir

Doch auch wenn sich das Design und die Funktionalität gegenüber der ersten Version deutlich verbessert haben, hat Spectacles 2.0 immer noch einen fatalen Fehler: Man kann keine Selfies damit machen.

Weil es eine Brille ist, muss man sie tragen, um ein Foto zu machen oder ein Video aufzunehmen. Das macht Spectacles für die jüngere Generation, die Snap erreichen möchte, unpraktischen und unbequem, da die jungen Leute auf den Fotos, die sie machen, wirklich gerne drauf sind. Dank ihnen steht „Selfie“ im Wörterbuch.

Laut einer von Adweek zitierten Umfrage von Rawhide, einer gemeinnützigen Organisation, die gefährdete Jugendliche in Wisconsin unterstützt, haben 55 % der Millennials Selfies auf Social Media gepostet. Noch erstaunlicher ist, dass 74 % aller auf Snapchat geteilten Bilder Selfies waren.

Weil Brillen dazu bestimmt sind, Fotos und Videos von anderen Dingen als der Person, die sie trägt, zu machen, werden sie wenig Nutzen für diejenigen haben, die Selfies machen wollen. Dies mag erklären, warum sich die Käufer von Spectacles 1.0 so schnell langweilten.

Zum Aufnehmen, Prüfen und Hochladen von Fotos und Videos ist das Smartphone immer noch eine einfachere und bessere Option als eine Kamerabrille.

Ein Fall von Hybris

Snap-CEO Evan Spiegel hat erklärt, dass er trotz der negativen Auswirkungen auf die Nutzerzahlen bereit ist, extra hart an dem neuen Design von Snapchat zu arbeiten. Das Unternehmen berichtete, dass die Zahl der täglich aktiven Nutzer im letzten Quartal nur um 2 % gestiegen sei. Auch die Entscheidung, Spectacles 2.0 auf den Markt zu bringen, nachdem die erste Version floppte, zeigt, dass er nicht bereit ist, zuzugeben, wenn er einen Fehler gemacht hat.

Es wird Snap wieder finanziell belasten, wenn die Kamerabrille erneut versagt, doch die Investoren, die am Ende für eine weitere Abschreibung in Höhe von mehreren Millionen US-Dollar zahlen werden, hoffen auf eine Trendwende.

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Dieser Artikel wurde von Rich Duprey auf Englisch verfasst und am 11.05.2018 auf Fool.com veröffentlicht. Er wurde übersetzt, damit unsere deutschen Leser an der Diskussion teilnehmen können. 

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