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Der gefährlichste Börsen-Ratschlag, den man trotzdem ständig bekommt

Foto: Getty Images

„US-Banken warnen: Geldverdienen am Aktienmarkt wird schwieriger!“

Diese Schlagzeile habe ich gestern gelesen. In dem Artikel ging es darum, dass die große Investmentbank Morgan Stanley einen Brief an seine Kunden mit dem Titel „The End of Easy“ schickte. Gemeint war damit, dass das Geldverdienen an den Börsen jetzt wieder schwieriger werden würde und man wohl besonders aufpassen sollte.

Angesichts der in den USA nun wieder in aus historischer Sicht normalere Regionen aufsteigenden Zinsen und dem geplanten Abbau der Bilanz der Federal Reserve, kann man diese Einschätzung sogar nachvollziehen.

Wie sollte man damit umgehen?

Es gibt einen großen Haken dabei. Man kann praktisch immer Gründe finden, weshalb man bei Aktien gerade jetzt auf der Hut sein sollte.

Anfang 2017, also vor mehr als einem Jahr, las ich zum Beispiel folgende Headline: „Sie haben 90 Tage, dann raus aus dem Markt!“ Dieser Meinung war damals der Chefvolkswirt einer anderen großen Investmentbank.

Solche Schlagzeilen findet man jedes Jahr. Mein ehemaliger Arbeitskollege Morgan Housel hat das vor einem Jahr mal schön in einem Twitter-Beitrag gezeigt. Seit 2009 konnte man in jedem einzelnen Jahr die Überschrift „Das leichte Geld wurde gemacht“ finden, mal bei Barron’s, mal bei Morningstar, CNBC oder zahllosen weiteren Finanzpublikationen.

Wie gut diese Ratschläge waren, findet man ja schnell heraus, wenn man sich die Entwicklung der Börsen seit 2009 anschaut.

Damit meine ich nicht, dass wir an der Börse keine Turbulenzen mehr erleben werden – wie Janet Yellen, die jüngst bezeugte, dass „in unseren Lebzeiten eine weitere Finanzkrise unwahrscheinlich ist“. Im Gegenteil, diese Erwartungshaltung halte ich für naiv. Man muss damit rechnen, dass die Börsen auch mal wieder viel schwierigere Zeiten erleben.

Dann wird sich eine Schlagzeile wie die obige als richtig herausstellen. Und ohne jeden Zweifel wird es wieder unzählige „Experten“ geben, die das zum richtigen Zeitpunkt vorausgesehen haben werden. Klar, denn es gibt zu jedem Zeitpunkt unzählige Experten, die den nächsten Crash in den kommenden paar Monaten oder Quartalen erwarten. Zwangsläufig haben einige von diesen eben auch mal Recht.

Allerdings halte ich es für besonders gefährlich, seine Investmententscheidungen von solchen Schlagzeilen abhängig zu machen. Der sehr erfolgreiche Investor Peter Lynch sagte dazu schon vor mehr als 20 Jahren: Wesentlich mehr Geld wurde von Investoren dabei verloren, sich auf Korrekturen vorzubereiten oder Korrekturen vorherzusagen, als in den Korrekturen selbst verloren wurde.“

Das kann man nachvollziehen, wenn man die Schlagzeilen oben liest. Wenn man diesen trauen würde, hätte man seit fast einem Jahrzehnt zurückhaltend investieren müssen. Und aus eigener Erfahrung weiß ich, dass es sehr viele Leute gibt, die deswegen seit Jahren sehr zurückhaltend sind. Diese haben aufgrund einer zu großen Cashposition leider viel Geld verloren – bzw. nicht das verdient, was sie hätten verdienen können.

Mein Ratschlag ist allerdings nicht, dass man jederzeit blind voll investiert sein sollte. Ganz und gar nicht. Man sollte sich im Gegenteil schon fragen, welche Rendite man von einer Investition erwartet. Dann wird es Zeiten geben, zu denen man sehr viel weniger attraktive Investitionsideen als Kapital hat, das gerne angelegt sein möchte.

So geht es aktuell zum Beispiel dem erfolgreichsten Investor der letzten Jahrzehnte, Warren Buffett. In der Bilanz seines Unternehmens Berkshire Hathaway finden sich seit einiger Zeit mehr als 100 Milliarden US-Dollar Bargeld – ein ganzes Stück mehr als die 20 Milliarden, die er ansonsten gerne griffbereit halten würde.

Das ist allerdings keine Konsequenz daraus, dass Warren Buffett einen baldigen Crash erwartet, sondern rührt wie gesagt vielmehr daher, dass die Bewertungen an den Börsen aktuell hoch sind. Buffett hat einfach nicht genügend Investitionsideen, die seinen Dutzenden Milliarden vielversprechende Renditen bieten.

Allerdings: Nur weil es Warren Buffett so geht, muss es nicht uns auch so gehen. Immerhin haben wir den Vorteil, dass wir (zumindest die meisten von uns) nicht Milliarden irgendwo unterbringen müssen. Wir haben in der Regel geringere Mengen an Kapital, die sich einfacher investieren lassen. Auch heute.

Ich teile daher zwar die Meinung von Morgan Stanley, dass es aktuell schwieriger ist, als noch vor einigen Jahren, attraktive Investitionsmöglichkeiten zu finden. Aber deswegen heute raus aus dem Markt zu gehen, das halte ich für keine gute Idee.

Offenlegung: Bernd Schmid besitzt Aktien von Berkshire Hathaway. The Motley Fool empfiehlt und besitzt Aktien von Berkshire Hathaway.

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