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Electrify America, die „Geheimwaffe“ von Volkswagen

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Der Volkswagen Group of America wurde zur Strafe für die „Dieselthematik“ aufgezwungen, dass sie in Kalifornien und dem Rest der USA 2 Mrd. US-Dollar investiert, um dort der Elektromobilität beschleunigt den Weg zu ebnen. Mit der hierfür gegründeten Tochter Electrify America könnte Volkswagen (WKN:766403) aus der Not eine Tugend machen.

Das ist Electrify America

Die amerikanische Justiz hat dem VW-Konzern nicht nur viele Milliarden abgeknöpft, sondern auch noch zusätzlich eine Strafarbeit aufgetragen. Zur Wiedergutmachung für die rußenden Diesellügen muss jetzt in emissionsfreie Elektromobilität investiert werden. Dafür wurde in Zusammenarbeit mit den zuständigen Behörden ein landesweiter Plan im Umfang von 2 Mrd. US-Dollar ausgearbeitet. 800 Mio. davon sollen alleine im Bundesstaat Kalifornien ausgegeben werden, welcher in Sachen saubere Mobilität eine Sonderrolle einnimmt.

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Neben dem Aufbau eines umfassenden Ladenetzes sollen auch Bildungskampagnen rund um die Elektrifizierung sowie „Green City“-Pilotprojekte gefördert werden. Ein weiterer Faktor ist, dass die Beamten mitreden wollen, wo die urbanen Ladepunkte errichtet werden. So soll sichergestellt werden, dass nicht nur Oberschicht-Viertel ausgestattet werden, sondern auch eher sozial schwache Nachbarschaften.

Zur operativen Umsetzung des Plans gründete VW die Tochter Electrify America. Die erste halbe Milliarde soll bis Ende 2019 ausgegeben werden. Ladepunkte bei Wohn-, Geschäfts- und Bürogebäuden werden rund 100 Kilowatt Strom bereitstellen. Entlang der Highways sollen es beeindruckende 350 KW sein. Spätestens 2026 wird das Schnellladenetz planmäßig fast ganz Amerika abdecken.

Anfang Mai wurde bekannt gegeben, dass der Geschäftsführer von Electrify America ausgetauscht wird. Auf Mark McNabb folgt Giovanni Palazzo, ein Elektromobilitäts-Stratege auf Konzernebene, der nun auf dem bisher Geleisteten aufbauen kann. Gleichzeitig erfolgte vor wenigen Tagen die Eröffnung der ersten sogenannten Ultra-Fast-Gleichstrom-Schnellladestation in Chicopee-Springfield (Massachusetts).

So passt Electrify America in die Konzernstrategie

Zwar wurde VW das Ganze aufgezwungen, aber ich schätze, dass man sich in Wolfsburg mittlerweile ganz wohl damit fühlt. Schließlich ist es nicht die einzige Initiative in dieser Richtung. In Europa hat man sich freiwillig mit BMW (WKN:519000), Daimler (WKN:710000) und Ford (WKN:502391) zusammengetan, um über das Joint Venture IONITY zügig ein dichtes Netz von Schnellladestationen zu etablieren. Zudem planen Audi und Porsche eigene Initiativen.

Dabei macht sich VW aber nicht von einzelnen Zulieferern abhängig. Vielmehr nutzen die Wolfsburger ihre Einkaufsmacht, um die Hersteller der Stationen gegeneinander antreten zu lassen. In den USA sind es mit ABB (WKN:919730), Efacec, Signet Systems und BTC Power gleich vier und bei IONITY wird anscheinend ähnlich verfahren. Über die nächsten Jahre können somit jede Menge Erfahrungen zu Technik, Zuverlässigkeit und Betriebskosten gesammelt werden, während die Konkurrenzsituation für günstige Preise sorgen sollte.

Softwareseitig hält VW jedoch die Fäden in der Hand und kann das digitale Serviceangebot so netzübergreifend stetig ausbauen. Aus Kundensicht ergibt sich eine einheitliche Nutzung und Abrechnung, unabhängig vom Hersteller der Ladesäule.

Ein wichtiger Aspekt ist auch der Fokus auf 350-Kilowatt-Systeme. Derzeit gibt es nämlich noch gar keine Autos, deren Batteriesysteme so viel Strom auf einmal schlucken könnten. Das entspricht immerhin etwa 200 parallellaufenden Wasserkochern. Der Standard liegt heute eher bei 50 KW und selbst bei Tesla (WKN:A1CX3T) ist aktuell mit 145 KW das Maximum erreicht.

Wenn Audi und Porsche also in einigen Monaten ihre ersten reinen Elektromodelle im US-Markt einführen, dann werden sie zunächst ein äußerst attraktives Alleinstellungsmerkmal haben. Nach einer Ladezeit von fünf Minuten sollen dann schon wieder gut 150 Kilometer Fahrt möglich sein, während die meisten anderen dafür eine Viertelstunde oder länger warten müssen.

VW unter Strom

Den Dieselärger, der leider bis heute immer wieder hochkocht, wollen die Wolfsburger schnellstmöglich hinter sich lassen. Nun entwickeln sie sich zu einem führenden Betreiber von Schnellladestationen und könnten schon bald von Netzwerkeffekten profitieren.

Außerdem wird den nun kommenden Modellen wie dem Audi-SUV e-tron quattro, dem Porsche Mission-E und dem Volkswagen I.D. ein Roter Teppich ausgerollt. So wie es aussieht, werden die 2 Milliarden US-Dollar letztlich gut investiertes Geld sein. Als Anleger würde ich auf alle Fälle im Blick behalten, wie konsequent und intelligent das VW-Management das Thema Ladenetze vorantreibt.

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Ralf Anders besitzt keine der erwähnten Aktien. The Motley Fool besitzt und empfiehlt Aktien von Tesla. The Motley Fool empfiehlt BMW, Daimler und Ford.

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