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Wohin treibt die ElringKlinger-Aktie? Die Wundertüte unter den Automobilzulieferern

Foto: ElringKlinger AG

Auf Automobilzulieferer, die primär auf den Verbrennungsmotor ausgerichtet sind, könnten schwere Zeiten zukommen. Dazu zählt auch ElringKlinger (WKN:785602), die von manchen Marktbeobachtern bereits abgeschrieben wurde. Aber noch ist alles möglich und für Anleger könnten sich klasse Chancen ergeben.

Die Mobilitätswende kommt

Als zentrale Themen der Unternehmensstrategie hat das Management den „effizienten Antrieb“ und die „nachhaltige Mobilität“ auserkoren. Damit ist aber nicht primär der elektrifizierte Antriebsstrang gemeint, wie man meinen könnte, sondern ein ganzer Strauß an Technologien zur Senkung der CO2-Emissionen. Dazu gehören Zylinderkopfdichtungen, spezielle Dichtungssysteme, Kunststoff-Leichtbauteile und thermische Abschirmsysteme. Vieles davon wird in einem reinen Elektroauto nicht mehr gebraucht.

Deshalb ist es sicherlich sinnvoll, zu prüfen, ob das Unternehmen den erwarteten Wandel erfolgreich meistern kann. Zunächst können sich Anleger jedoch auf ein paar Jahre freuen, in denen noch der Hybridantrieb samt Verbrennungsmotor die dominante Rolle spielen wird. Denn dort wird nicht nur das herkömmliche Produktspektrum benötigt, sondern auch vermehrt die neu hinzugenommenen Lösungen rund um den Elektromotor.

Nicht umsonst frohlockt das Management in der aktuellen Investorenpräsentation mit einem potenziell vervielfachten Wert der pro Auto gelieferten Komponenten. Wenn sich nach 2025 allerdings zunehmend das reine Elektroauto durchsetzen sollte, dann droht ein erheblicher Umsatzrückgang.

Das Neugeschäft muss zünden

Grundsätzlich antizipiert das Management diese Gefahr konsequent. Es werden zum einen viele Ressourcen investiert, um die bestehenden Kompetenzen auf die künftigen Anforderungen hin weiterzuentwickeln. Das sollte funktionieren. Nur bei den Zylinderkopfdichtungen ist wohl nichts zu machen. Zum anderen ruhen die Hoffnungen im Wesentlichen auf drei Bereichen: Elektroantriebe, Batterien und Brennstoffzellen. Dort sind dann schon eher Zweifel angebracht.

Denn was bitte hat das vorhandene Know-how mit Mechanik und Elektrifizierung zu tun? Das beschränkt sich wohl auf Material- und Verbindungstechnik, wie es beispielsweise für Gehäuse gebraucht wird. Aber dafür wurde Anfang 2017 mit der hofer powertrain ein ausgewiesener Spezialist ins Boot geholt. Die Nürtinger sehen sich als „unabhängigen Partner der Fahrzeugindustrie“. Sie konkurrieren auf Gebieten wie Getriebe, Mechatronik und elektrische Antriebe mit anderen Entwicklungsdienstleistern wie FEV, AVL und Bertrandt (WKN:523280).

Unter dem Dach von ElringKlinger kann das Ingenieurswissen mit dem Fertigungs-Know-how verknüpft werden, was sicherlich keine schlechte Idee ist. Aktuell wird komplementär dazu auch eine Batteriefertigung in Kooperation mit der chinesischen CALB (CATL-Gruppe) aufgebaut. Der Konzern sieht sich damit nun in der Lage, komplette maßgeschneiderte Systeme für Elektrofahrzeuge zu liefern.

Die große Frage ist für mich jetzt natürlich, ob es gelingen wird, mit diesem Angebot im knallharten Wettbewerb zu bestehen. Immerhin stürzt sich das Who-is-Who der deutschen und internationalen Zulieferer darauf, angeführt von Bosch, Continental (WKN:543900) und ZF. Zudem bauen viele Automobilhersteller mit großem Aufwand interne Kapazitäten auf. Da muss es ElringKlinger schon gelingen, in die richtige Nische zu stoßen.

Zwar ist bei elektrischen Antrieben und Batteriesystemen absehbar, dass der Markt bald exponentiell wachsen wird, womit für jeden genug Geschäft abfallen könnte. Aber die Unternehmensberatung Berylls kommt in einer aktuellen Studie zum Schluss, dass derzeit erhebliche Überkapazitäten aufgebaut werden, was Batteriepacks angeht. Es drohe ein vernichtender Kampf um Marktanteile.

Anders ist die Situation beim dritten Hoffnungsträger, den Brennstoffzellen und zugehörigen Komponenten. Dort gehört ElringKlinger zu den Technologieführern und kann deshalb auf gute Geschäfte hoffen, sobald die Wasserstoffwirtschaft abhebt. Solange das aber nicht passiert, wird man dort weiterhin kleine Brötchen backen müssen. Zahlreiche Expertenstimmen gehen in die Richtung, dass sich das alles nie im großen Stil durchsetzen wird.

Ich bin da grundsätzlich optimistischer eingestellt, weil die weltweiten Infrastrukturinvestitionen und Forschungsanstrengungen in den letzten Jahren deutlich hochgefahren wurden. Technische Durchbrüche sind absehbar und in entsprechenden EU-Projekten ist ElringKlinger prominent vertreten. Zudem stieg zuletzt die Anzahl an aufsehenerregenden Initiativen, darunter die 800 Wasserstoff-Trucks von Nikola, die ein Bierkonzern gerade bestellt hat (dort liefert der Konkurrent PowerCell Sweden die Technik).

Schlussbewertung

Die Schwaben werden in einigen Jahren Umsatzeinbußen bei Zylinderkopfdichtungen und einigen anderen Produktsegmenten hinnehmen müssen. Um das auszugleichen, wird es notwendig sein, die Investitionen in neue Geschäftsbereiche zu erhöhen, was geringere Margen nach sich ziehen könnte. Andererseits hat das Unternehmen nun drei Trümpfe in der Hinterhand, aus denen Theo Becker, der seit Kurzem für den neu geschaffenen Bereich Elektromobilität zuständig ist, potenziell etwas richtig Großes schaffen kann.

Die Aktie wirkt nun optisch sehr billig. Im Fall, dass sie zu Unrecht schlechtgeredet wird, könnten langfristig orientierte Anleger überproportional davon profitieren – wenn sich später herausstellt, dass es dem Management gelungen ist, einen profitablen Weg in die Zukunft zu finden. Das könnte bei ElringKlinger zutreffen. Noch sind allerdings viele Fragen offen, sodass ich lieber noch ein paar Quartale abwarte, ob das Geschäft mit Brennstoffzellen, Batterien und Elektroantrieben wirklich zündet.

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Ralf Anders partizipiert über ein von ihm betreutes Indexzertifikat an der Aktienentwicklung von Continental. The Motley Fool empfiehlt ElringKlinger.

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