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VW-Aktie oder Geely-Aktie? Die Kennzahlen sprechen eine klare Sprache!

Volkswagens Atlas-SUV. Bildquelle: VOLKSWAGEN

Millionen von Menschen kaufen sich jedes Jahr ein neues Auto. Tendenz steigend, insbesondere in Asien. Doch mit welcher Aktie profitieren Anleger stärker von diesem Trend? Mit der von Geely (WKN:A0CACX) oder der von Volkswagen (WKN:766403)?

Ein Blick auf die wichtigsten Kennzahlen verrät, dass die Geely-Aktie attraktiver sein könnte als die VW-Aktie!

Das Wachstum

Wenn eine Aktie steigen soll, sind wachsende Umsätze und Gewinne in den allermeisten Fällen eine essenzielle Voraussetzung hierfür. Ein Blick auf die Umsatz- und Gewinnentwicklung liefert uns daher wichtige Erkenntnisse darüber, wie schnell Geely und Volkswagen in den letzten Jahren gewachsen sind.

 2013    2014   2015    2016    2017
Umsatzwachstum Volkswagen  2,2 %   2,8 %   5,4 %    1,9 %    6,2 %
Umsatzwachstum Geely 16,6 % – 24,3 %  38,6 %   78,3 %   72,7 %
Gewinnwachstum (EBIT) Volkswagen  1,4 %   8,8 %   0,8 %   14,1 %   16,4 %
Gewinnwachstum (EBT) Geely 30,6 % – 41,2 %  48,0 %  115,8 %  105,9 %

Quellen: Geschäftsberichte VW und Geely  

Bei Volkswagen habe ich die negativen Sondereffekte aus dem Dieselskandal herausgerechnet, um das Gewinnwachstum der beiden Unternehmen besser vergleichen zu können.

Abgesehen vom Jahr 2014 sind die Chinesen sowohl beim Umsatz als auch beim Gewinn deutlich stärker gewachsen als VW. Aber warum wächst Geely so viel schneller als VW?

Der Hauptgrund dürfte die Unternehmensgröße sein. 2017 verkaufte Volkswagen 10,7 Millionen Fahrzeuge, Geely gerade mal etwas mehr als 1,2 Millionen. Wenn Geely 2018 eine Million Fahrzeuge mehr verkaufen würde, würde der Absatz um 83,3 % zulegen.

Verkauft VW 2018 auch eine Million Fahrzeuge mehr, dann würde das ein Absatzplus von gerade mal 9,3 % bedeuten. Hierbei handelt es sich also eher um ein mathematisches Phänomen als um ein unternehmerisches. Trotzdem ist dieser Größeneffekt wichtig für uns Aktionäre.

Denn für kleinere Unternehmen wie Geely ist es aufgrund dieses Effekts viel einfacher, hohe Wachstumsraten zu erzielen, als für Mega-Konzerne wie Volkswagen. Deshalb investiere ich grundsätzlich lieber in kleine Unternehmen als in große. Auch wenn das Risiko bei kleinen Unternehmen etwas höher ist.

Des Weiteren sitzt Geely an der Quelle des Wachstums, was den Automobilbau betrifft, nämlich in China. Vom dortigen Wachstum dürften einheimische Unternehmen stärker profitieren als ausländische. Alleine schon deshalb, weil deren Modelle günstiger sind.

So gibt es einen VW Santana 2000 in China ab umgerechnet 12.000 Euro. Ein altbacken wirkender Kompaktwagen im Limousinengewand, ungefähr so groß wie ein Jetta. Für annähernd den gleichen Preis bekommt man einen Geely Boyue. Ein schnittiger, 4,5 m langer SUV. Der günstigste Geely kostet umgerechnet sogar nur 5.100 Euro.

Da in meinen Augen viele Chinesen eher noch zum unteren Ende der Mittelschicht zählen, dürften günstige Fahrzeuge dort auch zukünftig besonders gefragt sein. So könnte Geely stärker vom Wachstum in China profitieren als VW.

Deshalb, und aufgrund der Tatsache, dass Geely wie erwähnt viel kleiner ist und so über mehr Wachstumspotenzial verfügt als VW, könnte der chinesische Autobauer auch in den nächsten Jahren deutlich schneller wachsen als die Wolfsburger.

Der Punkt Wachstum geht also nach China.

Die Profitabilität

Die Profitabilität drückt zum einen aus, wie beliebt die Produkte eines Unternehmens sind. Je beliebter sie sind, desto höhere Preise lassen sich durchsetzen. Das wiederum erhöht die Profitabilität eines Unternehmens.

Zum anderen deutet eine hohe Profitabilität darauf hin, dass man die Kosten im Griff hat oder sogar über Kostenvorteile gegenüber der Konkurrenz verfügt.

Für uns Aktionäre sind Profitabilitätskennzahlen wie die Eigenkapitalrendite oder die operative Marge daher sehr wichtige Indikatoren. Vergleicht man Geely und Volkswagen bezüglich dieser beiden Kennzahlen, stellt man fest, dass Geely auch in puncto Profitabilität die Nase vorne hat.

  2013   2014   2015   2016   2017
Eigenkapitalrendite Volkswagen  13,0 %  14,1 %  14,5 %  15,7 %  15,6 %
Eigenkapitalrendite Geely  20,4 %  11,1 %  14,6 %  25,1 %  36,7 %
Operative Marge Volkswagen   5,9 %   6,3 %   6,0 %   6,7 %   7,4 %
Operative Marge Geely  11,5 %   8,9 %   9,5 %  11,5 %  13,8 %

Quellen: Geschäftsberichte VW und Geely, Sondereffekte aus dem Dieselskandal bleiben unberücksichtigt

Bei der Berechnung der Renditen habe ich bei Volkswagen mit dem EBIT, also dem Gewinn vor Steuer und Zinsen, und bei Geely mit dem EBT, dem Gewinn vor Steuern, gerechnet. Bei Geely sind die Zinszahlungen für geliehenes Geld also in den Renditen berücksichtigt, bei VW nicht.

Würde man bei VW ebenfalls die Zinsen berücksichtigen, würde die Renditen der Wolfsburger sinken und der Unterschied zwischen Geely und VW noch größer werden.

Die höhere Profitabilität der Asiaten mache ich vor allem an einer Tatsache fest: Geely produziert hauptsächlich in China, VW größtenteils in der westlichen Welt und nur punktuell in Asien. Daraus ergeben sich Kostenvorteile für Geely, woraus höhere Gewinne resultieren. Und infolgedessen eben eine höhere Profitabilität.

Ich glaube nicht, dass sich am Kräfteverhältnis bei der Profitabilität in den nächsten Jahren viel ändern wird, zumindest nicht zugunsten von VW. Denn Geely, ein vergleichsweise junges Unternehmen, das derzeit extrem schnell wächst, wird wahrscheinlich weitere Möglichkeiten zu Kostenoptimierung und/oder Produktivitätssteigerung finden. Und so die Profitabilitätskennzahlen weiter in die Höhe treiben!

Der Punkt Profitabilität geht also ebenfalls an Geely.

Die Verschuldung

Der letzte wichtige Punkt im Kennzahlencheck ist der Verschuldung gewidmet. Hohe Schulden belasten den Konzerngewinn wegen der daraus resultierenden hohen Zinslast. Außerdem können hohe Schulden Unternehmen in bedrohliche Situationen bringen.

So können beispielsweise steigende Zinsen oder fallende Gewinne dazu führen, dass ein Unternehmen mit hohen Schulden seinen ganzen Gewinn für Zinszahlungen aufwenden muss, und so nichts mehr für Investitionen oder für uns Aktionäre übrig bleibt. Ein Blick in die Bilanz ist daher bei jeder Aktienanalyse Pflicht!

In unserem Vergleich verwende ich hierfür zum einen das Verhältnis von Schulden zum Marktwert. Werte unter 100 % sind eher unbedenklich. Liegt der Wert darüber, sollte man schon mal genauer hinschauen, ob die Verschuldung nicht schon zu hoch ist.

Die zweite Kennzahl setzt den Gewinn ins Verhältnis zu den Zinszahlungen. Sie gibt also an, mit welchem Faktor der Gewinn die Zinslast deckt. Werte über fünf sind ok. Grundsätzlich gilt jedoch: je höher, desto besser!

Wie bei den ersten beiden Punkten hat Geely auch bei den Schulden die Nase vorne.

  2013   2014   2015   2016   2017
Schulden/Unternehmenswert Volkswagen  146,7 %  197,1 %  338,0 %  373,9 %  275,3 %
Schulden/Unternehmenswert Geely   65,3 %  113,0%   77,0 %   80,8 %  25,6 %
EBIT/Zinsen Volkswagen     4,9     4,8     5,3     4,9     7,3
EBT/Zinsen Geely    33,3    23,9    27,8    53,7    78,7

Quellen: Geschäftsberichte VW und Geely, finanzen.net

Besonders erfreulich: Geely hat nicht nur weniger Schulden als VW, sie schmelzen auch schneller als bei den Wolfsburgern. Für mich ein absolut positives Signal, weil es mir zeigt, dass bei Geely langfristig gedacht wird. Denn langfristig sind wenig Schulden eben besser als viel Schulden.

Bei VW möchte ich noch anmerken, dass ich die Verschuldung nicht für besorgniserregend hoch halte. Die Zinszahlungen werden locker vom operativen Gewinn gedeckt und das Verhältnis Schulden/Unternehmenswert wird durch die relativ niedrige Börsenbewertung von Volkswagen negativ beeinflusst.

Trotzdem: Geely hat deutlich weniger Schulden und muss deshalb weniger Zinsen berappen. Ein wichtiger Vorteil, insbesondere wenn die Zinsen wieder steigen sollten!

Auch der dritte Punkt geht also eindeutig nach China.

Sollte man die Geely-Aktie deshalb sofort kaufen?

Nein, auf keinen Fall! Das Zahlenwerk, also die harten Faktoren, sehen zwar vielversprechend aus. Trotzdem sollte man auch die weichen Faktoren, also beispielsweise das Management, die Marktstellung sowie weitere Wettbewerbsvorteile oder Nachteile genau prüfen!

Und nicht zu vergessen: Das beste Unternehmen der Welt ist eine schlechte Investition, wenn der Preis dafür zu hoch ist! Ein Blick auf die Bewertung ist also ebenfalls notwendig, bevor man sich Geely-Aktien ins Depot legt!

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Thomas Brantl besitzt keine der erwähnten Aktien. The Motley Fool besitzt keine der erwähnten Aktien.

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