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Die Aktie der Porsche SE bleibt für mich unattraktiv, solange das übervorsichtige Management keine vernünftige Strategie entwickelt

Bild: Porsche Design

Entstanden als ein Spross der Finanzkrise besteht die Porsche Automobil Holding (WKN:PAH003) seit 2009 als Beteiligungsgesellschaft. Neun Jahre lang hat sie fast nichts anderes gemacht, als auf einem megagroßen Aktienpaket von Volkswagen (WKN:766403) zu sitzen. Es wird Zeit, in die Puschen zu kommen und ein eigenständiges Profil zu entwickeln.

Porsche braucht eine Story

Die Holding fungiert bisher im Wesentlichen als Durchlaufstation für Dividenden des Volkswagen-Konzerns. Je nachdem, was Wolfsburg ausschüttet – und darauf können die Porsches und Piëchs natürlich entscheidenden Einfluss nehmen – wird entschieden, was davon für die Begleichung von etwaigen Prozesskosten, für das Aufpolstern der Bargeldbestände und die Beglückung der stimmrechtslosen Aktionäre verwendet wird.

Damit sind rund 30 Festangestellte, ein gerade vergrößerter Aufsichtsrat sowie sicherlich ein ganzer Stab an Externen das ganze Jahr beschäftigt. Viele Millionen fließen dafür ab (was aber natürlich nicht sonderlich ins Gewicht fällt, wenn wie zuletzt 3,3 Milliarden Euro zufließen).

Mir kommen Zweifel an der Existenzberechtigung der Porsche-Aktie, wenn sich nicht irgendwann etwas Grundsätzliches am Charakter der Holding ändert. Nicht umsonst wird sie mit einem Abschlag von rund 20 % auf den Wert der VW-Beteiligung gehandelt.

So weit sind die Stuttgarter bisher gekommen

Das größte Ereignis im abgelaufenen Geschäftsjahr war die Vollkonsolidierung der PTV Group. Dadurch schoss die Mitarbeiterzahl um ein paar Tausend Prozent nach oben auf 823. An den wesentlichen Kennzahlen vermag das aber natürlich in keiner Weise zu rütteln. Dafür ist das Karlsruher Software-Unternehmen aus dem Bereich der Intelligenten Verkehrssysteme viel zu klein. Noch mehr wie eine Spielerei wirken die zuletzt getätigten Minderheitsbeteiligungen an zwei amerikanischen 3D-Druck-Unternehmen.

Aber gut, jeder fängt mal klein an. Immerhin wurde bereits 2012 mit Philipp von Hagen ein von VW unabhängiger Spezialist aus dem Bereich Unternehmensbeteiligungen und Übernahmen in den Vorstand geholt. Seither arbeitet dieser daran, ein professionelles Beteiligungsmanagement aufzubauen, eine Investment-Strategie zu implementieren, die Kapitalmarktfähigkeit zu stärken und das Beteiligungsportfolio zu steuern.

Dafür, dass nun schon sechs Jahre ins Land gegangen sind, ist bisher recht wenig passiert, wie ich finde. Nun sollen immerhin neben dem geplanten Kauf von Anteilen an weiteren etablierten Unternehmen vermehrt die Wagniskapitalaktivitäten ausgebaut werden. Allerdings auf überaus niedrigem Niveau, wie ein Abschnitt aus dem Geschäftsbericht belegt:

„Mit dem Aufbau eines diversifizierten Portfolios aus Venture-Beteiligungen wird die Investitionsstrategie selektiv erweitert, ohne das Risikoprofil der Porsche SE grundlegend zu verändern. Dabei agiert das Unternehmen als fokussierter Finanzinvestor mit starker Sektor-Expertise und einem bedeutenden Netzwerk. Angestrebt wird ein jährliches Investitionsvolumen für Venture-Beteiligungen im zweistelligen Millionen-Euro-Bereich.“

Während also Volkswagen viele Milliarden in neue Initiativen wie eine Fertigung von Batteriesystemen, den Aufbau von Schnelllade-Netzwerken oder das Ride-Pooling-Konzept der neuen Marke MOIA steckt, macht die darüberstehende Holding lediglich in Klein-Klein, ohne eine klare Idee.

Es ginge auch anders

Man wolle eben ein konservatives Risikoprofil bewahren – bloß keine Verbindlichkeiten oder gar größere unternehmerische Risiken eingehen. Aber da frage ich mich, was die ganzen kleinen Beteiligungen für einen Zweck haben sollen. Könnte man sich den Aufwand nicht einfach sparen?

Dabei hat die Porsche SE die Kapazität, um sich praktisch jede Summe am Kapitalmarkt zu leihen. Geld ist billig zu haben und durch die hohe Profitabilität der Wolfsburger Tochter wäre die Bedienung der Schuldzinsen sicherlich gewährleistet. Mit dem entsprechenden Willen würde in wenigen Jahren ein zusätzliches Beteiligungsportfolio in der Größenordnung der jetzigen VW-Anteile entstehen.

Wie wäre es zum Beispiel, wenn die Holding die indirekten Töchter Porsche Design und Porsche Engineering aus dem VW-Konzern herauslösen würde? Damit hätte sie zwei ausgezeichnete Vehikel zur Expansion ihrer Aktivitäten. Die Produktdesigner und Ingenieure haben jeweils Netzwerke in die unterschiedlichsten Branchen von der Mode über Elektronikartikel und Uhren bis hin zu Wassersportgeräten. Die Marke Porsche, die aktuell zum Beispiel auf einigen von Huaweis Top-Smartphones prangt, könnte auf diese Weise ihre volle Strahlkraft entfalten.

Das ist natürlich nur eine Idee und jemand anderem fällt bestimmt noch etwas Besseres ein. Aber aus meiner Sicht ergibt ein Investment in die Porsche-Aktie nur dann Sinn, wenn entweder der Bewertungsabschlag noch ein gutes Stück größer wird oder aber endlich eine spannende großangelegte Story präsentiert wird.

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Ralf Anders besitzt keine der erwähnten Aktien. The Motley Fool besitzt keine der erwähnten Aktien.

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