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Für wen ist Value-Investing das richtige?

Foto: The Motley Fool, Matt Koppenheffer.

Jeder Investor hat seinen bestimmten Stil, allerdings ist es nicht immer einfach zu wissen, welche Art Investor man überhaupt sein sollte oder ist. Ob man sich für Value Investing, Growth Investing, Dividenden, Optionen oder eine andere Strategie entscheidet, hängt wahrscheinlich von den eigenen finanziellen Bedürfnissen, dem Zeithorizont und der persönlichen Risikobereitschaft ab.

Value Investing wurde von Warren Buffett, dem CEO und Gründer von Berkshire Hathaway, populär gemacht, der als einer der besten Investoren gilt. Sein Unternehmen konnte in den vergangenen 50 Jahren jährliche Renditen von mehr als 20 % erwirtschaften und hat damit die Wachstumsrate des S&P 500 mehr als verdoppelt. Die Strategie tendiert dazu, ein breites und vielfältiges Publikum anzusprechen, denn sie ist eine der intuitivsten Strategien, um das Geld anzulegen. Im Wesentlichen versuchen Value-Investoren, Aktien zu kaufen, die unterbewertet sind bzw. unter Wert gehandelt werden. Das ist das Äquivalent zur Schnäppchenjagd im Einkaufszentrum.

Im Folgenden werfen wir einen Blick auf die Grundlagen des Value Investing, welche die Ziele eines Value Investors sind und ob Value Investing das Richtige für einen ist.

Was ist Value Investing?

Laut Benjamin Graham, der „The Intelligent Investor“ geschrieben hat, bezeichnet Value Investing im Wesentlichen, dass Investoren versuchen sollten, den inneren Wert oder den tatsächlichen Wert des Unternehmens auf der Grundlage von Cashflows und Vermögenswerten zu finden. Eine der wichtigsten Methoden hierfür ist die Discounted-Cashflow-Analyse, die versucht, den inneren Wert auf der Grundlage einer Formel abzuleiten, die einen bestimmten Diskontsatz und eine geschätzte Wachstumsrate für zukünftige Cashflows verwendet. Value-Investoren konzentrieren sich auch auf das Kurs-Buchwert-Verhältnis, das zeigt, wie eine Aktie im Verhältnis zum Nettovermögen in ihrer Bilanz bewertet wird. Je näher das Kurs-Buchwert-Verhältnis an die Ziffer „1“ rückt, desto attraktiver wird es für Value-Investoren.

Wenn man feststellt, dass der innere Wert der Aktie deutlich unter dem Marktpreis liegt, oder dass sie eine Sicherheitsmarge bietet, die im Grunde genommen einen gewissen Prozentsatz ausmacht, um die Investition zu schützen, sollten sie die Aktie kaufen. Investoren wenden eine Sicherheitsmarge von z.B. 20 % an, um sicherzustellen, dass sie, selbst wenn ihre Berechnungen nicht genau eintreffen, immer noch Gewinne aus der Investition erzielen. Zum Beispiel würde ein Investor mit einer Sicherheitsmarge von 20 % eine Aktie im Wert von 10 Dollar pro Aktie kaufen, wenn der Preis auf 8 Dollar pro Aktie fällt. Sobald der Wert mehr im Einklang mit dem Preis ist, sollten man die Aktie verkaufen und nach einer anderen Anlage suchen. Wegen der Sicherheitsmarge sollte man dann immer noch Geld mit der Investition verdienen, auch wenn die Schätzung nicht ganz richtig lag.

Selbst mit solchen Formeln wie dem diskontierten Cashflow und der Sicherheitsmarge gibt es keinen genauen Weg, den inneren Wert einer Aktie zu bestimmen – das hat selbst Graham bestätigte. Solche Techniken sind wahrscheinlich zu theoretisch für die meisten Einzelanleger, allerdings ist es einfach genug, einige der Prinzipien der Wertanlage ohne detaillierte Berechnungen zu übernehmen.

Wie aber würde die Alternative aussehen? Growth Investing, eine weitere beliebte Anlagestrategie, die allgemein als das Gegenteil von Value Investing angesehen wird, konzentriert sich auf Aktien mit hohem Umsatz- und Ertragswachstum. Dieser Ansatz tendiert dazu, grundlegende Bewertungskennzahlen zu ignorieren oder herunterzuspielen, die für Value-Investments von zentraler Bedeutung sind. Denn Wachstumsinvestoren ziehen es vor, qualitative Faktoren wie etwa die Fähigkeit zur Disruption von Märkten zu betrachten, da sie glauben, dass solche Qualitäten sie zu riesigen Renditen führen werden.

Für Value-Investoren ist es zentral, die vielen Kennzahlen zu verstehen, die man benutzt, um unterbewertete Aktien aufzuspüren. Diese beinhalten:

  • Kurs-Gewinn-Verhältnis: Preis pro Aktie/Ergebnis pro Aktie.
  • P/FCF-Verhältnis: Preis pro Aktie/Freier Cashflow pro Aktie. Sollten alle anderen Kennzahlen gleich sein, ist eine Aktie mit niedrigem KGV zu bevorzugen, da sie zu einem günstigeren Preis zu haben ist.
  • PEG-Verhältnis: KGV/Gewinnwachstumsrate. Auch hier ist ein niedrigeres PEG besser. Unter 1 ist am besten.
  • Verschuldungsgrad: Der prozentuale Anteil der Verbindlichkeiten an der Bilanzsumme. Value-Investoren neigen dazu, sich vor zu hoher Verschuldung zu hüten, aber die Verschuldungs-/Eigenkapitalquoten variieren von Branche zu Branche, da einige kapitalintensiver sind. Der beste Weg, den Verschuldungsgrad eines Unternehmens zu bewerten, ist der Vergleich mit seinen Mitbewerbern.

Wer sind typische Value-Investoren?

Investoren sind aus verschiedenen Gründen von Value-Investments angezogen. Für einige ist es eine intuitive Entscheidung. Sie glauben, dass Wachstumsinvestitionen zu risikoreich sind oder zu Marktcrashs führen, daher ist diese die bevorzugte Strategie für risikoscheue Anleger. Auch Rentner oder Menschen, die sich dem Ruhestand nähern, finden Value Investing attraktiv. Zudem Menschen, die ein Einkommen suchen und Vermögenserhalt schaffen wollen.

Auch Value-Investoren verzichten auf Wachstumschancen. Auch wenn Aktien wie Amazon und Netflix in den letzten Jahren wahnsinnige Renditen geliefert haben, sind sie aufgrund ihrer hohen Bewertungen anfällig dafür, dass ihre Aktien durch einen schwachen Gewinnbericht oder einen Marktcrash fallen.

Value-Aktien, die seltener abstürzen geben den Anlegern Vertrauen. Bei manchen Anlegern kann der wertorientierte Ansatz für sie am besten funktionieren, da er besser zu ihrer Denkweise, ihrer Persönlichkeit oder ihrer Risikobereitschaft passt.

Für andere Investoren kann die Entscheidung, sich auf den Wert zu konzentrieren, eher durch ihren Zeithorizont und ihr Alter bestimmt sein. Ältere Investoren wie Rentner, die mit festem Einkommen leben, müssen kein Risiko auf Wachstumswerte eingehen, die sich möglicherweise mehrere Jahre lang nicht auszahlen. Sie sind wahrscheinlich besser dran mit einem diversifizierten Portfolio profitabler, dividendenzahlender Wertaktien. Diese nämlich schützen das Vermögen, wachsen mit dem Markt und generieren einen stetigen Einkommensstrom via Dividenden.

Was wollen Value-Investoren?

Der Hauptzweck von Value Investing wird am griffigsten durch Warren Buffetts berühmten Investment-Aphorismus zusammengefasst: „Regel Nr. 1: Niemals Geld verlieren. Regel Nr. 2: Vergiss niemals Regel Nr. 1.“

Vor allem aber lehrt das Value-Investing den Anleger, sein Vermögen zu erhalten, indem er Aktien kauft, die nicht an Wert verlieren. Aus diesem Grund hat Buffett in der Vergangenheit risikoreichere Investitionen wie Tech-Aktien vermieden; er hat den Sektor in den Jahren der Blase, in denen eine Reihe von Tech-Aktien auf Null fielen, klugerweise außer Acht gelassen. Buffett und Value-Investoren wie er konzentrieren sich lieber auf Unternehmen mit stetigen Cashflows, die bekannte Marken sind, die es selbst in einer Rezession kaum allzu schlimm haben werden.

So gehört z.B. Coca-Cola zu seinen Lieblingsaktien. Das Unternehmen verfügt über ein globales Marken- und Vertriebsnetz und ist seit fast einem Jahrhundert weltweit führend bei Erfrischungsgetränken. Buffett sagte einmal, wenn man ihm 100 Milliarden Dollar gäbe und ihm sagte, er solle Cola als führendes Getränkeunternehmen ablösen, würde er das Geld zurückgeben: einfach nicht machbar.

Buffett selbst, dessen Konglomerat Berkshire Hathaway seit der Gründung vor mehr als 50 Jahren einen Jahresdurchschnitt von mehr als 20 % erzielt hat, hat gesagt, dass der Schlüssel zu Berkshires Stärke in seiner Fähigkeit liegt, Bärenmärkten zu widerstehen, und nicht unbedingt in den satten Jahren. Andere Value-Investoren denken ähnlich. Die Wahl unterbewerteter Aktien ist der beste Weg, um sich an Buffetts oben genannte Regel zu halten, denn bereits günstige Aktien sollten nicht mehr allzu viel Spielraum haben, in einem Marktabschwung weiter zu fallen.

Neben der Erhaltung des Vermögens und der Vermeidung von Verlusten zielen Value-Investoren darauf ab, den Markt zu schlagen. Wenn Anleger die Prinzipien der Wertanlage effektiv anwenden, sollten sie den Markt übertreffen, indem sie Aktien wählen, die gerade günstig gehandelt werden. Wieder einmal sind Buffetts Zahlen hier makellos — Berkshire hat den Markt geschlagen, und seine frühen Investoren sind mehr als das 1.000-fache ihrer ursprünglichen Investition gestiegen – und das dank Buffetts Fähigkeit zur Aktienauswahl und den Akquisitionen, die er gemacht hat, während er nach „wunderbaren Unternehmen zu einem fairen Preis“ suchte.

Value Investing heute

Die Jahre nach der Rezession waren nicht so gut zu Value-Invetoren. Wachstumswerte wie Aktien die „FANG“-Gruppe (Facebook, Amazon, Netflix, Google) der Tech-Welt haben zwar alles in Grund und Boden überwachsen, und die Bewertung des Marktes insgesamt ist in die Höhe geschnellt. Und das macht es natürlich schwierig, Schnäppchen zu finden.

Das KGV des S&P 500 liegt nun bei 24,5, verglichen mit einem historischen Durchschnitt von 15,7 und einem KGV von weniger als 15 kurz nach der Rezession. Sogar Buffett beklagte in seinem jüngsten Aktionärsbrief hohe Marktpreise und sagte, dass überhöhte Preise es schwierig machten, ein preisgünstiges Unternehmen zu finden. Indem er Berkshires riesigen Bargeldvorrat von 126 Milliarden Dollar verkündete, sagte er den Investoren: „Die Preise für anständige, aber keineswegs spektakuläre Unternehmen erreichten ein Allzeithoch. Die Preise sind derzeit völlig unrealistisch.“

In einem solchen Umfeld kann es für Value-Investoren am besten sein, einfach den Markt zu beobachten und auf fallende Kurse zu warten. Da die Zinsen steigen, dürften die Aktienbewertungen moderater ausfallen, wodurch sich für Value-Investoren wieder mehr Chancen ergeben. Daher dürften sich Buffetts Wünsche nach fallenden Aktienbewertungen in Erfüllung gehen, wenn die Zinsen weiter steigen.

Trotz der hohen Bewertung des Marktes sind noch einige Value-Aktien zu finden. Nachfolgend eine Auswahl einiger Aktien, die derzeit vergleichsweise niedrig gehandelt werden.

Unternehmen WKN Was machen die?
Preis-Einnahme-Verhältnis
General Motors (WKN:A1C9CM) Einer der größten Auto-Hersteller der Welt; Marken z.B. Chevrolet, Buick und Cadillac 5,7
Apple (WKN:865985) Elektronikhersteller, u.a. iPhone, iPad, Mac 17
Goldman Sachs (WKN:920332) Eine der größten Investment-Banken der Welt 12,5
Southwest Airlines (WKN:862837) Große US-Fluglinie 9,5

Quelle: YAHOO FINANCE

Ist Value Investing das Richtige für mich?

Wer auf der Suche nach der besten Anlagestrategie ist, sollte sich ein paar Fragen stellen. Wann braucht man das Geld, das man investiert? Was ist der Zeithorizont? Will man mit dem Investment ein stetes Einkommen erzielen? Wie groß ist die Angst, das Geld zu verlieren?

Die Tabelle unten könnte helfen.

Frage Falls Antwort ja lautet
Falls Antwort nein lautet
Ist der Zeithorizont mehr als 10 Jahre?
Value Investing ist vielleicht nicht der beste Weg, um das Wachstum zu maximieren. Value Investing kann eine kluge Strategie sein, um das Vermögen zu erhalten und zu vermehren.
Soll ein Einkommen aus der Anlage erwachsen?
Gute Nachricht: Wertaktien zahlen sich oft aus. Es gibt Portfolios, die mehr auf Wachstumswerte ausgerichtet sind.
Angst, das Geld zu verlieren?
Value-Investing passt gut zu Ihnen. Lieber ein risikoreicheres Portfolio anlegen als nur eines aus Value-Aktien.
Lust und Zeit, sich häufig mit dem Portfolio zu beschäftigen?
Wertaktien sind nicht verkehrt, aber schauen Sie sich ruhig etwas Volatileres an. Eine Buy-and-Hold-Value-Investment-Strategie passt gut zu Ihnen.

Wie die Grafik oben zeigt, funktioniert der Value-Investing-Ansatz am besten für diejenigen, die einen begrenzten Zeithorizont haben. Heißt: Man plant, das investierte Kapital bald auszugeben. Man will auch einen Ertragsstrom aus Dividenden, ist risikoscheu und will sich nicht andauernd mit dem Portfolio beschäftigen müssen.

Man muss nicht so ein Mensch sein, um Wertaktien zu kaufen; die Strategie kann für alle funktionieren, wie Buffetts immenser Erfolg gezeigt hat. Eine seiner besten Investitionen in den letzten Jahren war beispielsweise der Kauf von Vorzugsaktien der Bank of America im Wert von 5 Milliarden Dollar im Jahr 2011 mit einer Dividende von 6 %. Außerdem hat er Optionsscheine auf 700 Millionen Stammaktien der Bank of America zu einem Preis von 7,14 Dollar erworben. Damals erholte sich die Bank noch von der Finanzkrise, doch seitdem ist die Aktie stark angestiegen so stark, dass Buffett im Jahr 2017 seinen Vorzugsanteil in 700 Millionen Stammaktien tauschte. Damit hat er einen Gewinn von mehr als 14 Milliarden Dollar gemacht.

Wer jedoch einen längeren Zeithorizont hat, sollte zumindest ein paar Wachstumswerte ins Portfolio aufzunehmen. Sogar Buffett lernte das auf die harte Tour, weil er auf Investments in Amazon und Alphabet verzichtete, was er später sehr bedauerte.

Ein Dilemma bei der Investition ist, dass das Perfekte oft der Feind des Guten ist. Kein Anleger erhält die bestmöglichen Renditen vom Markt. Entscheidend ist, dass Value Investing dies nicht verspricht. Aber wie Ikonen wie Graham und Buffett gezeigt haben, ist Value Investing, wenn es richtig gemacht wird, unbestreitbar eine intelligente Art zu investieren.

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The Motley Fool besitzt und empfiehlt Aktien von Amazon, Alphabet, Apple, Berkshire Hathaway und Netflix. Dieser Artikel von Jeremy Bowman erschien am 28.4.18 auf Fool.com. Er wurde übersetzt, damit unsere deutschen Leser an der Diskussion teilnehmen können.

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