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Beim Investieren ist langweilig manchmal schön

Foto: The Motley Fool.

Die letzten neun Jahre waren für die langfristigen Investoren wirklich unglaublich. Wir haben davor zwar den stärksten Bärenmarkt seit Anfang der 1930er Jahre erlitten, aber über diesen Zeitraum von neun Jahren wir haben in der Folge auch eine Vervierfachung des legendären Dow Jones Industrial Average und des breit angelegten S&P 500  erlebt.

Als Investoren wissen wir aber auch, dass nichts für immer nach oben geht. Sowohl der Dow als auch der S&P 500 haben ihre ersten Korrekturen — d.h. einen Verlust von mindestens 10 % gegenüber einem neuen Hoch — in zwei Jahren im Februar erfahren. Darüber hinaus ist die Federal Reserve dabei, ihre Geldpolitik zu straffen. Im Klartext: Die Zinsen steigen, was die Nachfrage nach den relativ günstigen Krediten, die die Expansion und die Übernahmen der Unternehmen begünstigen, tendenziell bremst. Ein steigendes Zinsumfeld war in der Vergangenheit oft eine schlechte Nachricht für den Aktienmarkt.

Langweilige Aktien können in turbulenten Zeiten großartige Investitionen sein

Was bedeutet das nun für die Investoren? Es deutet auf die Möglichkeit hin, dass stärker wachsende, lebhaftere Aktien wie die FANG-Aktien, die seit Jahren auf Investitionen setzen, sich nur schwer besser entwickeln können, wenn sich die US-Wirtschaft verlangsamt oder der Aktienmarkt blockiert. Wenn eine Verlangsamung des Wachstums auf dem Weg ist — machen wir uns nichts vor, Höhen und Tiefen im Wirtschaftswachstumszyklus sind unvermeidlich — könnten sich die lukrativsten Investitionen als „langweilige Aktien“ mit bewährten Geschäftsmodellen erweisen.

Was macht eine Aktie langweilig? Diese Definition ist letztlich fließend und liegt bei jedem einzelnen Anleger. Ich persönlich würde ein langweiliges Geschäftsmodell als eines definieren, dem es an Glanz und Überraschungen mangelt. Du als Investor weißt genau, was dich Jahr für Jahr erwartet, mit einem langsamen, aber stetigen Wachstum. Langweilige Aktien bieten auch tendenziell überdurchschnittliche Dividendenrenditen, da ihr Geschäft reif und oft nicht in der Lage ist, von einem Jahr auf das andere über den mittleren einstelligen Bereich hinaus zu wachsen, selbst bei erheblichen Reinvestitionen.

Diese langweiligen Aktien werden oft vergessen, wenn es an der Börse aufwärts geht, weil ihre Renditen mit Aktie wie  Facebook oder Amazon, die eine stärkere Wachstumsrate bieten, natürlich nicht mithalten können. Dennoch sind langweilige Aktien aufgrund ihrer stabileren Geschäftsmodelle und ihres vorhersehbaren Cashflows in der Regel weniger volatil bei Korrekturen und Bärenmärkten. Sie sind wohl die wahrsten Beispiele für Set-it-and-forget-it-Investitionen.

Sind diese bewährten Aktien das Richtige für dich?

Derzeit werden vier dieser so genannten langweiligen Aktien auf einem Niveau bewertet, das wir seit Jahren nicht mehr gesehen haben. Könnten diese Aktien der Schlüssel zum Erfolg während der nächsten Baisse sein?

AT&T

Der Telekommunikations- und Content-Anbieter AT&T (WKN:A0HL9Z) sank letzte Woche um mehr als 4 % — ein großer Schritt für eine Aktie mit geringer Volatilität –, nachdem die Ergebnisse des ersten Quartals die Erwartungen leicht verfehlt hatten. Während das Unternehmen mehr Postpaid-Wireless-Abonnenten verzeichnen konnte und der DirecTV-Streaming-Service wuchs, verbuchte das Unternehmen einen kleinen Rückgang bei den linearen Video-Abonnenten, da Telecom-Wettbewerber seine Preise unterboten haben.

Doch nach dem Rückgang wäre das Kurs-Gewinn-Verhältnis von AT&T mit 9,5 das niedrigste seit 2010. Die Dividendenrendite liegt nun bei 6 % und ist damit fast dreimal so hoch wie die durchschnittliche Rendite des S&P 500. Eine Reinvestition dieser Dividende, bei einem statischen Aktienkurs, würde dein Geld in etwa 12 Jahren verdoppeln.

AT & T bietet zwar keine Überraschungen, aber das Unternehmen kontrolliert etwa ein Drittel des US-amerikanischen Drahtlos-Marktanteils, und hat das Streaming-Geschäft von DirecTV nach der Übernahme des Satelliten-Contentanbieters im Jahr 2015 ausgebaut. Darüber hinaus könnten Investitionen in 5G-Funknetze der nächsten Generation das nächste langfristige Wachstum für AT&T darstellen.

Procter & Gamble

Procter & Gamble (WKN:852062), das Unternehmen hinter dem Gilette-Rasierer und der blend-a-med-Zahnpasta, nebst Dutzenden von anderen Markenprodukten, hatte in den letzten Quartalen zu kämpfen, da Online-Konkurrenten wie Amazon in den Einzelhandel eindringen und die Preise von Markenartikeln unter Druck setzen. Damit stellt das Kurs-Gewinn-Verhältnis von P&G mit 16,2 einen Tiefpunkt in den letzten zwei Jahren dar, während das Kurs-Umsatz-Verhältnis nun auf einem Fünf-Jahres-Tief liegt. Die Aktie ist auch mit einer überdurchschnittlichen Rendite von 3,8 % ausgestattet.

Aber glaube nicht, dass der König der Konsumgüter tatenlos zusieht, während der Umsatz im dritten Quartal auf organischer Basis um 1 % gestiegen ist. Das Unternehmen plant, sich auf Kostensenkungsinitiativen zu konzentrieren, die es ermöglichen, mit Online-Händlern preislich konkurrenzfähig zu sein, sowie die Qualität seiner Marken zu stärken. Dies sollte nicht allzu schwierig sein, da kein Unternehmen jährlich mehr für Werbung ausgibt als Procter & Gamble.

Darüber hinaus gab das Unternehmen kürzlich die Übernahme des Verbrauchergesundheit-Geschäfts der Merck KGaA bekannt. Auf diese Weise wird das Unternehmen schneller wachsende rezeptfreie Gesundheitsprodukte hinzufügen und gleichzeitig die geografische Reichweite vergrößern. Das Geschäftsmodell von P&G ist nicht auffällig, aber konsequent.

Philip Morris International

Ein weiteres Markenunternehmen, das kürzlich in Rauch aufgegangen ist, ist der Tabakwarenhersteller Philip Morris International (WKN:A0NDBJ). Das Unternehmen erlebte vor zwei Wochen den schlimmsten Tag in seiner Geschichte, nachdem es den Verkauf seines Heiztabak-Systems iQOS in Japan als „abgeflacht“ bezeichnet hatte. Da der Verkauf traditioneller Tabakerzeugnisse in einer Reihe von entwickelten Märkten vor Herausforderungen steht, wurde dieses Heiztabak-System als Wachstumstreiber der nächsten Generation für Philip Morris International angesehen.

Nach der schlechtesten eintägigen Performance seit der Trennung von Altria im Jahr 2008 wird das Unternehmen nun mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 15,4 und einem Kurs-Umsatz-Verhältnis von 4,3 bewertet, die beide seit 2010 nicht mehr erreicht wurden. Die Dividendenrendite von 5,2 % verdoppelt die durchschnittliche Rendite von S&P 500 Aktien.

Während die Verlangsamung des iQOS-Wachstums in Japan nicht vernachlässigt werden sollte, ist es auch wichtig zu bedenken, dass Philip Morris International seine Tabakprodukte in Dutzenden von Ländern rund um den Globus verkauft. Auch wenn das Unternehmen in den entwickelten Märkten mit Wachstumsproblemen konfrontiert ist, bieten Schwellenländer wie Indien und China Kanäle für das Wachstum traditioneller brennbarer Tabakprodukte. Wenn man das Potenzial, iQOS auch auf andere entwickelte Länder (über Japan hinaus) auszudehnen, sowie Philip Morris‘ Preissetzungsmacht in Betracht zieht, wird klar, dass dieser Tabakgigant so schnell nicht verschwinden wird.

IBM

Auch IBM (WKN:851399) findet sich in der Liste „langweilig ist schön“ wieder. IBMs neueste Quartalsergebnisse ließen die Aktie aufgrund des enttäuschenden Ganzjahresausblicks straucheln. Der prognostizierte Gewinn von mindestens 13,80 US-Dollar pro Aktie konnte die Wall Street nicht beeindrucken, die bereits 13,83 US-Dollar pro Aktie verlangt.

IBM wird seit Jahren durch seine bestehenden Systeme belastet, die dem Mobile- und Cloud-Computing gewichen sind. Damit ist das Kurs-Gewinn-Verhältnis des Unternehmens mit 10,6 etwa so niedrig wie seit 2015. Der jüngste Rückgang hat auch die Dividendenrendite von IBM wieder auf über 4 % gehoben.

Wichtig für die Investoren ist dabei, dass IBM viel Wert auf die Technologie der nächsten Generation gelegt hat. Das Cloud-Segment des Unternehmens erwirtschaftete in den letzten 12 Monaten einen Umsatz von 17,7 Milliarden US-Dollar, 22 % mehr als im Vorjahr, und macht nun mehr als 20 % des Gesamtjahresumsatzes aus. Das Unternehmen ist auch führend in der Entwicklung von Blockchains, die in den nächsten fünf Jahren ein wichtiger Wachstumstreiber sein könnten. Wieder einmal bietet IBM wenig bis keinen Pep, aber es bringt einen konstanten Cashflow und eine gesunde Dividende.

All diese vier Unternehmen mögen langweilig erscheinen, aber sie könnten der ausschlaggebenden Faktor für eine bessere Performance in einem turbulenten Markt sein.

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John Mackey, CEO von Whole Foods Market, einer Tochtergesellschaft von Amazon, ist Mitglied des Vorstands von The Motley Fool.

The Motley Fool besitzt und empfiehlt Aktien von Amazon und Facebook. The Motley Fool besitzt eine Shortposition auf IBM.

Dieser Artikel wurde von Sean Williams auf Englisch verfasst und am 02.05.2018 auf Fool.com veröffentlicht. Er wurde übersetzt, damit unsere deutschen Leser an der Diskussion teilnehmen können.

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