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Welches Land hat die meisten Goldreserven?

Foto: Kinross

Es ist fast fünf Jahrzehnte her, dass Präsident Richard Nixon den US-Dollar vom „Goldstandard“, also dem festgelegten Dollar-Goldkurs, getrennt hat. 45 Jahre später hat Amerikas Zentralbank immer noch die meisten Goldreserven auf dem Planeten.

Die offizielle Goldreserve bei der Federal Reserve – Amerikas „unabhängiger Zentralbank“ – liegt derzeit bei mehr als 8.133 Tonnen Gold oder fast so viel Gold, wie die Zentralbanken der Länder mit den nächsten drei größten Goldreserven zusammen halten. Aktuell ist der Goldschatz der Federal Reserve etwa 353,8 Milliarden US-Dollar wert. Wenn du dich fragst, warum die US-Notenbank überhaupt Gold hält, sie bewahrt die Goldvermögenswerte der US-Regierung auf, weil das Gold als eine von vielen Formen der Währung fungiert, was Zahlungen in andere Länder erleichtert. Gold wird auch als Instrument der Geldpolitik verwendet, um den Wert des US-Dollars zu stärken oder zu schwächen, wie es die Regierung für angemessen hält.

Die Top 20

Brauchst du mehr Kontext? Das in London ansässige World Gold Council nennt sich die „Marktentwicklungsorganisation für die Goldindustrie“ und beschreibt ihren Auftrag darin, „Gold zugänglicher zu machen, Lösungen zu entwickeln, um das Verständnis und die Verwendung von Gold als Anlagegut zu erweitern und sicherzustellen, dass die Stimme der Goldindustrie auf der globalen Bühne gehört wird“. Dieser Organisation zufolge sind dies die 20 Länder mit den größten Goldreserven:

Land

Rang

Tonnen Gold

Prozentsatz der gesamten Fremdwährungsreserven in Gold

Vereinigte Staaten
1 8.133,5 75,3 %
Deutschland 2 3.373,6 71 %
Italien 3 2.451,8 68,3 %
Frankreich 4 2.436,0 64,6 %
Russland 5 1.880,5 17,9 %
China 6 1.842,6 2,4 %
Schweiz 7 1.040,0 5,5 %
Japan 8 765,2 2,6 %
Niederlande 9 612,5 67,5 %
Türkei 10 591,0 21,9 %
Indien 11 558,1 5,8 %
Taiwan 12 423,6 3,9 %
Portugal 13 382,5 63,6 %
Saudi-Arabien 14 322,9 2,8 %
Vereinigtes Königreich
15 310,3 8,6 %
Kasachstan 16 307,0 41,3 %
Libanon 17 286,8 22,2 %
Spanien 18 281,6 17,3 %
Österreich 19 280,0 50,9 %
Belgien 20 227,4 36,7 %

Neben den nationalstaatlichen Zentralbanken stellt das World Gold Council auch fest, dass der Internationale Währungsfonds 2.814 Tonnen Gold vorrätig hat (damit ist er der drittgrößte Goldhalter der Welt und rangiert zwischen Deutschland und Italien). Die Europäische Zentralbank meldet einen offiziellen Goldbestand von 504,8 Tonnen und ist damit der 13. größte Goldbesitzer der Welt (sie hat weniger Gold als Indien, aber mehr als Taiwan).

Je mehr sich die Dinge ändern, desto mehr Goldreserven bleiben erhalten

Seltsamerweise sind diese Goldreserven in den letzten Jahren weitgehend unverändert geblieben. Die WGC-Daten aus dem Jahr 2008 zeigen, dass sich der Goldbestand der Zentralbanken bei der Mehrheit der befragten Zentralbanken seit der letzten Finanzkrise im Wesentlichen nicht verändert hat. Die Goldreserven Frankreichs, der Schweiz und der Niederlande gingen innerhalb von ein bis zwei Jahren nach der Krise leicht zurück, während die Goldreserven in Indien sogar etwas zunahmen – aber seit 2010 sind die Goldreserven auch für diese vier Länder konstant geblieben.

Vermutlich liegt das daran, dass die Weltwirtschaft seit dem Ende der Krise in einem recht guten Zustand ist. Schließlich haben die Zentralbanken Gold, um es als Instrument der Geldpolitik in Krisenzeiten zu nutzen. Sie kaufen dann Gold, um einen Eindruck von Finanzkraft und Liquidität zu vermitteln und, wenn nötig, verkaufen sie, um Liquidität zu erhalten. Ein Mangel an Veränderungen bei den Goldreserven deutet daher darauf hin, dass die Zentralbanken keine zwingende Notwendigkeit gesehen haben, solche Änderungen vorzunehmen.

Die einzigen Länder, die sich verpflichtet haben, die Zahl der offiziellen Goldreserven deutlich zu erhöhen, sind Russland, Kasachstan, China und die Türkei. Die ersten drei haben die Goldmenge, die sie halten, stetig erhöht. Die Türkei, die in den Jahren 2015 und 2016 ein Nettoverkäufer von Gold war, nahm 2017 mit 187,7 Tonnen die Goldkäufe wieder auf und hat 2018 weitere 26,2 Tonnen zu ihren Reserven hinzugefügt. Zusammen sind das 213,9 Tonnen mehr Gold – und etwa 57 % mehr als bei der türkischen Zentralbank liegen. Während es schwierig ist, darüber zu spekulieren, was Russland, Kasachstan und China motivieren könnte, ihre Reserven zu erhöhen, scheint der Schritt der Türkei mit einem Politikwechsel verbunden zu sein, bei dem die Türkei jetzt auch akzeptiert, dass die Geschäftsbanken Gold als Teil ihrer Reserven bei der Zentralbank halten.

Goldproduktion

Es ist auch erwähnenswert, dass die von der Zentralbank eines Landes gehaltene Goldmenge nicht immer mit der Höhe des Goldabbaus in diesem Land korreliert. So bestätigt eine kürzlich von U.S. Geological Survey (USGS) durchgeführte Untersuchung der Goldreserven und der Goldproduktion, dass die Vereinigten Staaten zwar weltweit die Nummer 1 der Goldreserven sind, im Jahr 2017 aber nur der viertgrößte Goldproduzent waren und im vergangenen Jahr nur 245 Tonnen produzierten. China und Russland produzierten beide mehr Gold als die USA – ebenso wie Australien, das nach Goldreserven nicht einmal unter den ersten 20 Ländern rangiert.

Auch Brasilien, Kanada, Ghana, Indonesien, Mexiko, Papua-Neuguinea, Peru, Südafrika und Usbekistan waren im vergangenen Jahr bedeutende Goldproduzenten, gehörten aber nicht zu den 20 Ländern mit den höchsten Goldreserven der Zentralbanken. Zum Teil liegt das wahrscheinlich daran, dass der Goldabbau in vielen Ländern tatsächlich von ausländischen Unternehmen betrieben wird, die das Gold aus dem Land holen, sobald es abgebaut wurde.

Papua-Neuguinea beispielsweise zählt zu den ärmsten Ländern der Welt und wird daher auch nicht in Bezug auf die Goldreserven einen hohen Stellenwert einnehmen. In Papua-Neuguinea wird die Produktion in der Hidden Valley-Mine von Harmony Gold Mining Company (WKN:851267) und einem australischen Partner durchgeführt. Barrick Gold (WKN:870450) betreibt die Porgera-Goldmine und Rio Tinto (WKN:852147) die Panguna-Mine in Papua-Neuguinea.

Goldreserven noch in der Erde

Eine weitere Unterscheidung, die gemacht werden muss, ist zwischen der Höhe der Goldreserven, die die Zentralbank eines Landes als Teil der Devisenreserven hält, und den Goldreserven, die die Investoren von Goldminenunternehmen betreffen – Goldreserven, die sich im Boden befinden und durch den Bergbau wirtschaftlich wiedergewonnen werden können, aber noch nicht abgebaut wurden.

Auch hier liegen die Vereinigten Staaten an vierter Stelle – diesmal hinter Russland und Südafrika, aber auch wieder hinter Australien. Mit 9.000 Tonnen Goldreserven im Boden ist Australien das reichste Goldlager der Welt.

Interessant an diesen USGS-Daten ist, dass die weltweiten Goldproduktionsmengen (3.150 Tonnen werden jährlich abgebaut) in etwa 17 Jahren erschöpft sein werden (54.000 Tonnen). Sowohl die amerikanischen als auch die kanadischen Minen dürften in etwas mehr als 12 Jahren ausgezehrt sein. Ghana hat etwas mehr Zeit – etwa 12,5 Jahre – bevor die Goldreserven des Landes durch den Bergbau erschöpft sind. China hingegen, das heute in rasantem Tempo (440 Tonnen pro Jahr) Gold fördert, könnte in weniger als einem halben Jahrzehnt kein inländisches Gold mehr haben. Zu diesem Zeitpunkt wird China Gold im Ausland kaufen müssen, wenn es seine Goldreserven weiter ausbauen will.

Andererseits könnte Australien auch in dreißig Jahren noch Gold fördern, wenn es weiterhin mit einer konstanten Rate von 300 Tonnen pro Jahr weiermachen würde. Russland kann für weitere zwei Jahrzehnte damit weitermachen, obwohl das Land derzeit fast so viel wie Australien fördert – 255 Tonnen pro Jahr. Südafrika, das mit 145 Tonnen pro Jahr viel nachhaltiger fördert, aber mit 6.000 Tonnen die zweitgrößten bekannten Goldreserven der Welt besitzt, kann noch 40 Jahre danach schürfen.

Die Investoren, die langfristig rentable Goldminen-Aktien besitzen wollen, sollten ihre Aufmerksamkeit auf die Unternehmen konzentrieren, die in diesen drei Ländern große Produktionsanteile haben.

Warum Gold halten?

Sollten die Anleger überhaupt Interesse daran haben, in Gold zu investieren? Das ist vielleicht die größte Frage. Kein Wunder, dass das World Gold Council mit einem eindeutigen „Ja“ antwortet. Und das aus denselben Gründen, die sowohl für die Einzelinvestoren als auch für die institutionellen Investoren und Nationalstaaten interessant sein können.

WGC argumentiert, dass Gold in den letzten 10 Jahren alle anderen wichtigen Anlageklassen mit Ausnahme der US-Aktien übertroffen hat und eine durchschnittliche jährliche Rendite von fast 6 % erzielte. Das ist eine bessere Rendite als das, was „Rohstoffe“ im Allgemeinen produzierten – eigentlich die schlechteste Anlageklasse des letzten Jahrzehnts. Die Renditen von Gold waren viel besser als das bloße Halten von Bargeld. Ebenso entwickelte sich Gold besser als US-Anleihen und internationale Aktien. Darüber hinaus hat Gold in den letzten 20 Jahren alle Anlageklassen – einschließlich der US-Aktien – übertroffen und fast 9 % pro Jahr erwirtschaftet. (Es lohnt sich jedoch darauf hinzuweisen, dass die 10- und 20-Jahres-Zeiträume zwar objektiv erscheinen mögen, dass sie aber auch die Finanzkrise von 2008 und die Dot-Com-Blase von 2000 beinhalten. In den beiden Fällen wäre es für die Aktien schwierig gewesen, eine bessere Performance zu erzielen, da die Kurse damals sehr hoch waren.).

Das sind die Art Gewinne, die die Investoren dazu verleiten können, eine kleine Menge Goldaktien in ihren Portfolios zu halten – und das sind nicht die einzigen Vorteile, die das WGC anpreist. In einem Appell an risikoscheue Investoren argumentiert das WGC, dass Goldanlagen „ein Diversifikator“ sind, der „Verluste in Zeiten von Spannungen auf dem Markt mildern kann“. Zugegeben, das WGC  macht hier Werbung in eigener Sache. Doch zwischen der Erinnerung an das Quantitative Easing und der Befürchtung, dass die Niedrigzinssätze durch die Inflation steigen könnten, ist es leicht zu verstehen, warum die Investoren Gold als die sprichwörtliche „felsenfeste Anlage“ ansehen könnten.

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The Motley Fool hält keine der erwähnten Aktien.

Dieser Artikel wurde von Rich Smith auf Englisch verfasst und am 30.04.2018 auf Fool.com veröffentlicht. Er wurde übersetzt, damit unsere deutschen Leser an der Diskussion teilnehmen können.

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