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Warum wir keine Angst vor einem Bärenmarkt haben sollten

Foto: Getty Images

Wie jeder Investor weiß, ist der Aktienmarkt zyklisch. Er bewegt sich über lange Zeiträume nach oben und nach unten. Es wäre zwar großartig, wenn du investieren und einfach zusehen könntest, wie dein Geld beständig wächst. Aber so funktioniert das eben nicht.

Der Bullenmarkt kommt nun in sein zehntes Jahr. Das markiert die längste Wachstumsperiode seit dem Zweiten Weltkrieg. In dieser Zeit hat sich der S&P 500 mehr als vervierfacht. Da der Bullenmarkt bereits so alt ist, werden bei älteren Investoren Sorgen wach, dass ein Bärenmarkt auftreten könnte. Ein Bärenmarkt beschreibt eine Entwicklung, bei der die Aktien um mindestens 20 % im Wert sinken. Jim Rogers, neben George Soros Mitgründer des Quantum Funds, sagte Anfang des Jahres: „Wenn wir wieder einen Bärenmarkt haben, und wir werden wieder einen haben, dann wird es der schlimmste in unserem Leben.“

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Barry Bannister, Leiter der Sparte Institutional Equity Strategy bei dem Marktforschungsunternehmen Stifel, denkt ähnlich. „Unsere Modelle für den S&P 500 deuten auf ein geringes Wachstum des S&P 500 für 2018 hin. Kommendes Jahr soll ein Bärenmarkt (-20 %) eintreten.“ Natürlich sind Bärenmarktvorhersagen nichts Neues, aber je älter der Bullenmarkt wird, desto stärker werden die Ängste, dass die Aktien nicht für immer steigen können.

Zwar will niemand am Ende eines Bärenmarktes investieren, aber ein Blick in die Geschichte zeigt, dass langfristige Investoren ihr Timing sehr schlecht wählen können und trotzdem langfristig Geld verdienen können. Das funktioniert, indem sie einfach ihr Geld im Markt lassen. Dazu schauen wir uns ein paar Beispiele an.

Beispiel 1: Der Vorabend der großen Rezession

Am 11. Oktober erreichte der S&P 500 ein Allzeithoch bei 1.576,09. In den darauffolgenden 17 Monaten verloren die Aktien deutlich an Wert, als der Immobilienmarkt kollabierte. Dadurch wurde die Finanzkrise ausgelöst. Infolge dessen ging Lehman Brothers pleite und Regierungen waren gewungen, mehrere große Banken zu retten. Wenn du am 11. Oktober 10.000 Euro investiert hättest, dann wäre es sehr schmerzhaft gewesen, zuzusehen, wie dein Geld im Laufe der kommenden anderthalb Jahre verschwand. Der S&P fiel auf einen Wert von 666,79. Damit wären 58 % deiner Investition vernichtet worden.

Wenn du die Krise aber ausgesessen hättest, hättest du heute einen Gewinn von 67 % gemacht. Dies entspräche einer jährlichen Zinsrate von 5 %. Wenn die Dividenden mit einbezogen werden, kommt man auf 87 % Gewinn bzw. 6 % Verzinsung pro Jahr. Das ist natürlich schlechter als die jährliche Verzinsung des S&P von ca. 9 %, aber immer noch mehr als Inflation, Schatzbriefe oder das Vorhalten des Geldes in bar. Mit einer Investition von 10.000 Euro hättest du 8.700 Euro Gewinn gemacht.

Beispiel 2: Der Vorabend der platzenden Tech-Blase

Am 24. März erreichte der S&P 500 einen Höchststand von 1.552,87 im Intradayhandel. Der Markt stand kurz davor abzustürzen, da die Dot-Com-Start-ups pleitegingen und die Aktien als überhitzt eingestuft wurden. Der Grund war, dass die Fundamentalwerte wie KGV, welches bisweilen auf 30 angestiegen war, schlechter wurden. In den folgenden zweieinhalb Jahren gab der Index mehr als die Hälfte seines Wertes nach und fiel am 10. Oktober 2002 auf einen Stand von 768,63.

Der Höchststand im Jahre 2000 war der schlechteste Zeitpunkt, an dem man in den letzten 45 Jahren investieren konnte. Der Verlust hätte sich über die kommenden 12 Jahre erstreckt. Wenn du allerdings bis heute durchgehalten hättest, könntest du dich über einen Gewinn von 69 % freuen. Bezieht man die Dividenden mit ein, läge der Zuwachs bei 105 %. Dies ergibt eine jährliche Verzinsung von 3 % ohne Dividenden und 4 % mit Dividenden. Eine Investition in Zehnjahresschatzbriefe hätte besser dagestanden. Aber die letzten fünf Zehnjahresschatzbriefe hätten nur 3 % oder weniger Rendite erzielt. Wenn du 10.000 EUR vor dem Platzen der Blase 2000 investiert hättest, könntest du dich über ein Vermögen von 20.500 EUR freuen.

Beispiel  3: Black Monday

Die 1990er waren eine großartige Zeit für Investoren. Aktien stiegen unaufhaltsam, abgesehen von einer leichten Rezession Anfang des Jahrzehnts. Am 19. Oktober 1987 kam es jedoch zu einem Ereignis, welches als Black Monday in die Investorengeschichte einging. Aktien gaben 20,5 % nach und bescherten dem  S&P 500 damit den zweitgrößten prozentualen Verlust in der Geschichte des Marktes. Zuvor hatte der S&P am 25. August 1987 einen Spitzenwert von 336,77 erreicht. Am Tag nach dem Black Monday durchschritt der Index die Talsohle von 216,64. Wenn du am 25. August investiert hättest, hättest du in nur zwei Monaten einen Verlust von 36 % erlitten.

Du ahnst allerdings schon, dass du dich von diesem Einbruch schnell erholt hättest. Bereits zwei Jahre nach dem Ereignis stieg der S&P 500 über das Niveau von 336. Heute hättest du einen Gewinn von 580 % bzw. eine jährliche Rendite von 6 %. Mit Dividenden würde die Verzinsung bei 8 % pro Jahr liegen. Dies entspräche einem Gesamtgewinn von 940 %. Eine Investition von 10.000 EUR wäre jetzt 104.000 EUR wert.

Zusammenfassung

Du kannst das Markt-Timing total vermasseln und die drei schlechtesten Zeitpunkte zum Investieren wählen. Trotzdem hättest du bis heute einen ordentlichen Gewinn gemacht, wenn du dein Geld im Markt gelassen hättest.

Die Lektion für Investoren ist klar. Es ist natürlich unbestritten, dass es besser ist, günstig zu kaufen und teuer zu verkaufen. Aber niemand weiß, wann der nächste Bärenmarkt kommt. Die oben gezeigten Beispiele sollten dich bestärken, dass du als geduldiger langfristiger Investor mit deutlichen Gewinnen aus dem Markt gehen kannst.

Obwohl es wie ein Fehler aussieht, genau vor einem Marktcrash zu investieren, wäre der größte Fehler, gar nicht zu investieren.

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Dieser Artikel wurde von Jeremy Bowman auf Englisch verfasst und am 29.4.2018 auf Fool.com veröffentlicht. Er wurde übersetzt, damit unsere deutschen Leser an der Diskussion teilnehmen können.

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