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Bevor man in chinesische Börsengänge investiert, sollte man das hier wissen

Foto: Getty Images

Chinesische Börsengänge machten nach Angaben von Renaissance Capital in den ersten drei Monaten des Jahres 2018 rund ein Fünftel aller Erlöse aus Börsengängen in den USA aus. Acht chinesische Unternehmen haben in diesem Zeitraum 3,3 Milliarden US-Dollar eingesammelt, wobei Baidus (WKN:A0F5DE) Videostreaming-Tochter iQiyi (WKN:A2JGN8) mit  2,3 Milliarden US-Dollar an der Spitze stand.

Diese Begeisterung zeigt, dass die Investoren trotz der eskalierenden Handelsspannungen zwischen den USA und China nach wie vor auf wachstumsstarke Unternehmen in der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt ausgerichtet sind. Investoren, die sich für chinesische Börsengänge interessieren, sollten jedoch zuerst das Folgende in Betracht ziehen.

Die Eigentümerstruktur verstehen

Viele chinesische Unternehmen, die in den USA an die Börse gehen, sind Tochterunternehmen größerer Unternehmen. SINA hat seine Microblogging-SeiteWeibo im Jahr 2014 ausgegliedert, behielt aber die Mehrheit der Stimmrechte an dem Unternehmen und nach der jüngsten Abspaltung auch eine Mehrheitsbeteiligung an iQiyi.

Beide Unternehmen haben diese Tochterunternehmen aus klaren Gründen ausgegliedert. Weibo sah sich einer harten Konkurrenz durch Tencents WeChat und einer verstärkten Kontrolle durch die Aufsichtsbehörden gegenüber. iQiyi war eine Goldgrube für Baidu, sodass die Ausgliederung des Unternehmens sein Gewinnwachstum verbesserte.

Andere chinesische Börsengänge wirken zunächst wie eigenständige Unternehmen, sind es aber nicht. Der Wearables-Hersteller Huami (WKN:A2JC7A) beispielsweise lässt seinen Partner Xiaomi seine gesamten Design-, Betriebs- und Marketingkosten tragen. Sollte Xiaomi jemals die Verbindung zu Huami kappen, würde dieses Unternehmen sofort unrentabel werden.

Viele chinesische Börsengänge werden auch von anderen großen Unternehmen unterstützt. Es ist nicht ungewöhnlich, dass Tencent und Alibaba (WKN:850471BA) zweistellige Prozentsätze von neu gegründeten chinesischen Unternehmen kaufen, um ihre Ökosysteme zu erweitern. Diese Unterstützung könnte darauf hindeuten, dass das Unternehmen über ein angemessenes Wachstumspotenzial verfügt. Das Verständnis der sich überschneidenden Beziehungen zwischen all diesen Unternehmen kann dir helfen, die guten Börsengänge von den schlechten zu trennen.

Verstehen, wie ADRs funktionieren

Amerikanische Hinterlegungsscheine sind nicht dasselbe wie Aktien. Es handelt sich um Zertifikate, die von einer US-Bank ausgestellt wurden und Aktien ausländischer Unternehmen repräsentieren. Die eigentlichen Aktien werden von einer Depotbank im Heimatland der Unternehmen gehalten.

Die Anleger sollten beachten, dass Depotbanken für das Halten der Aktien und die Auszahlung der Dividenden in US-Dollar in der Regel ADR-Verwahrungsgebühren berechnen. Diese Gebühren liegen in der Regel zwischen 0,01 und 0,03 US-Dollar pro Aktie.

Auch Steuern auf Dividenden können vom Heimatland der Unternehmen einbehalten werden. Dies geschieht in der Regel automatisch, aber die gezahlten Steuern können als Gutschrift auf die US-Steuer eines Anlegers verwendet werden.

Sei skeptisch bei hohen Marktanteilen

Als Investor solltest du dich auch vor kleinen Unternehmen hüten, die große Marktanteile beanspruchen. Eine große Anzahl kleinerer chinesischer Unternehmen nennt die Marktanteilszahlen von Frost & Sullivan, einem Beratungsunternehmen, das oft kühne Behauptungen auf der Basis von fragwürdig ausgewählten Daten aufgestellt hat.

Frost & Sullivan behauptete, dass die chinesische E-Commerce-Site Secoo (WKN:A2DX8U), die im vergangenen September an die Börse ging, 25 % des chinesischen Onlineluxusgütermarktes kontrollierte. Dieser Prozentsatz ist schwer zu überprüfen, da die führenden Unternehmen Alibaba und JD die Luxusverkäufe nicht separat melden. Aber es gab den Investoren den falschen Eindruck, dass Secoo – das weit unter 1 % des jährlichen Brutto-Warenvolumens von Alibaba oder JD erzeugt – ein viel größeres E-Commerce-Unternehmen sei.

Frost & Sullivan behauptete auch, dass das in Singapur ansässige Onlinegaming- und E-Commerce-Unternehmen Sea (WKN:A2H5LX) das größte E-Commerce-Unternehmen in Südostasien sei – ein Titel, der normalerweise Alibabas Lazada verliehen wird. Es stellte sich heraus, dass Frost & Sullivan Taiwan – einen Markt, in dem Lazada nicht tätig ist und der normalerweise nicht in die Kategorie Südostasien fällt – einbezogen hat, um zu diesem Schluss zu kommen.

Ich beschuldige Frost & Sullivan nicht eines Vergehens, aber ich meide generell alle chinesischen Börsengänge, die Marktanteilszahlen des Unternehmens im Prospekt zitieren.

Mikro- und Makrobedrohungen

Schließlich sollten die Anleger immer den Abschnitt „Risikofaktoren“ im Prospekt lesen, um die Probleme eines Unternehmens zu verstehen. Kleinere E-Commerce-Unternehmen könnten durch Alibaba oder JD an den Rand gedrängt werden, Streaming-Video-Unternehmen wie iQiyi könnten lange Zeit unrentabel bleiben, während bei Unternehmen, die kommerzialisierte Hardware produzieren – wie Huamis Wearables –, das Wachstum zum Stillstand kommen könnte.

Auf der Makroebene könnten eskalierende Handelsspannungen und eine Verlangsamung der chinesischen Wirtschaft das Wachstum eines Unternehmens dämpfen. Ein schwächerer Yuan und ein stärkerer US-Dollar könnten auch den Wert der ADR-Aktien und deren Dividenden allmählich reduzieren.

Das Fazit

Chinesische Börsengänge können große Renditen bringen, aber die Investoren sollten wissen, wie sie die Gewinner von den Verlierern trennen können. Die Investoren, die den Unterschied nicht erkennen, könnten mit Nieten wie Secoo, Sea oder Huami enden – die alle unter ihren IPO-Preisen handeln, weil sie massive Probleme haben.

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The Motley Fool besitzt und empfiehlt Baidu, JD.com und Tencent Holdings. The Motley Fool empfiehlt Sina und Weibo. 

Dieser Artikel wurde von Leo Sun auf Englisch verfasst und am 01.05.2018 auf Fool.com veröffentlicht. Er wurde übersetzt, damit unsere deutschen Leser an der Diskussion teilnehmen können.

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