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Üble Aussichten für Cannabis-Investoren

Foto: Getty Images.

Wenn man sich die am schnellsten wachsenden Industrien in Nordamerika ansieht, steht die legale Marihuana-Industrie wahrscheinlich ganz oben auf der Liste. Laut der kürzlich aktualisierten langfristigen Prognose der Cowen Group könnte die legale Cannabis-Industrie bis 2030 einen Jahresumsatz von 75 Milliarden US-Dollar erreichen. Unterdessen schätzt das Forschungsunternehmen ArcView Group, dass der legale Cannabis-Absatz in Nordamerika von 9,7 Milliarden US-Dollar im Jahr 2017 auf mehr als 47 Milliarden US-Dollar im Jahr 2027 steigen könnte.

Wie kommt es zu dieser Entwicklung? Wir erleben gerade eine große Veränderung in der öffentlichen Wahrnehmung von Cannabis. Wenn wir ins Jahr 1995 zurückblicken, das Jahr, bevor Kalifornien als erster Staat medizinisches Marihuana legalisierte, gab Gallup an, dass nur ein Viertel der amerikanischen Öffentlichkeit die Legalisierung favorisierte. Bis Oktober 2017 war diese Zahl auf einen Rekordwert von 64 % gestiegen.

Noch beeindruckender ist die Erwartung, dass Kanada etwas tun wird, was kein anderes entwickeltes Land je getan hat: Freizeitmarihuana zu legalisieren. Bill C-45, besser bekannt als der Cannabis Act, scheint im kommenden Juni grünes Licht zu bekommen. Wenn es legalisiert wird, könnte Marihuana für den Verkauf an Erwachsene in zugelassenen Apotheken schon im August oder September verfügbar sein. Das würde den Jahresumsatz um 5 Milliarden US-Dollar oder mehr erhöhen, den die Züchter aktuell durch den Verkauf von medizinischem Cannabis und den Export in Länder erzielen, in denen Cannabis für medizinische Zwecke legal ist.

Kurzum, die Anleger sehen „Grün“ in mehrfacher Hinsicht.

Pot-Aktien-Investoren müssen sich den Tatsachen stellen

Es gibt jedoch auch eine andere Wirklichkeit, die die Pot-Investoren zur Kenntnis nehmen müssen – eine, von der ich nicht glaube, dass viele sie als wichtigen Faktor erkannt haben. Man sollte meiner Ansicht nach nicht übersehen, dass die Gewinne pro Aktie in den Jahren 2018 und 2019 vernachlässigbar oder nicht vorhanden sein werden.

Zugegeben, kein entwickeltes Land hat jemals zuvor Freizeitmarihuana legalisiert, sodass die Wall-Street-Analysten keinen Präzedenzfall haben, auf den sie sich bei der Bewertung des Umsatz- und Gewinnpotenzials stützen können. Außerdem variieren die Angebots- und Nachfrageschätzungen für Kanada sehr stark. Aber eine Sache, bei der sich alle einig sind, ist die Erwartung, dass die meisten Pot-Aktien im Jahr 2019 nur geringfügig profitabel sein werden.

Hier ein kurzer Blick auf den Konsens zum Ganzjahresgewinn pro Aktie für 2019 für einige der größten Marihuana-Aktien nach Marktkapitalisierung. Alle Schätzungen sind in kanadischen Dollar und mit freundlicher Genehmigung von Yahoo! Finance angegeben.

Und hier kannst du nachlesen, was das auf Kurs-Gewinn-Basis für das Jahr 2019 bedeutet:

  • Canopy Growth Corp.: unendlich, da der Gewinn pro Aktie 0.00 CAD beträgt.
  • Aurora Cannabis: 77
  • Aphria: 54
  • MedReleaf: 97
  • OrganiGram: 28
  • Hydropothecary Corp: 46

Mit Ausnahme von OrganiGram, das ich als einzige „Marihuana-Value-Aktie“ bezeichnen würde, ist die Branche echt teuer.

2 Gründe, warum Marihuana-Aktien möglicherweise nicht viel Gewinn erzeugen könnten

Du fragst dich vielleicht, warum eine so schnell wachsende Branche mit starker Verbrauchernachfrage Schwierigkeiten haben sollte, vom Start weg Gewinne zu erzielen. Die Antwort läuft auf zwei Faktoren hinaus.

Am Anfang gibt es ein Kostenproblem. Die Cannabis-Züchter investieren praktisch jeden Cent des operativen Cashflows und einen Großteil ihres Kapitals in die Kapazitätserweiterung. Ähnlich wie Amazon einen Großteil seines operativen Cashflows wieder in sein Geschäft reinvestiert, nehmen Marihuana-Aktien ihr Kapital und investieren es, indem sie ihre Produktion ausweiten.

Der Grund? Anbaubetriebe mit viel Vorproduktion sind am ehesten in der Lage, langfristige Lieferverträge mit Einzelhändlern und Provinzen zu sichern. Obwohl nichts notwendigerweise daran falsch ist, Produktionserhöhungen langsamer zu vollziehen als die Mitbewerber, könnten Züchter, bei denen es länger dauert, keine lukrativen langfristigen Verträge bekommen. Solange es um diese Verträge geht, dürften die Ausgaben weiter hoch bleiben.

Der andere Grund – und ich bin sicher, dass du vermutlich schon gähnst, wenn ich das erneut schreibe – ist die Verwässerung. Marihuana-Aktien hatten keinen traditionellen Zugang zu grundlegenden Bankdienstleistungen wie normale Unternehmen, sodass die kanadischen Züchter sich auf Buy-Deal-Angebote verlassen mussten, um Kapital zu beschaffen. Dabei können Stammaktien, Wandelschuldverschreibungen, Aktienoptionen und/oder Optionsscheine im Tausch gegen Kapital angeboten werden. Die gute Nachricht ist, dass sie kein Problem damit hatten, Geld für Cannabis-Aktien zu sammeln. Die schlechte Nachricht ist, dass sie zu einer sofortigen oder mittelfristigen Verwässerung führen, indem sie die Anzahl der ausgegebenen Aktien erhöhen.

Es gibt zwei spezifische Probleme mit der Verwässerung. Erstens, wie gesagt, macht sie jede bestehende Aktie weniger knapp. Das andere Problem ist, dass der Reingewinn durch mehr ausgegebene Aktien geteilt wird. Dies führt dazu, dass sich der Gewinn pro Aktie verringert, und Marihuana-Aktien auf den zweiten Blick teurer sind, als sie zunächst erscheinen.

Wie problematisch wirkt sich die Verwässerung auf Marihuana-Aktien aus? Werfen wir einen genaueren Blick darauf, wie die Anzahl der ausgegebenen Aktien bei den oben genannten Pot-Aktien seit dem Ende des Geschäftsjahres 2016 bis zu ihrem letzten gemeldeten Quartal gestiegen ist. Beachte, dass MedReleaf keine Erwähnung findet, da das Unternehmen erst 2017 an die Börse ging, und Hydropothecary aufgrund fehlender genauer Daten zur Aktienanzahl im Jahr 2016 nicht einbezogen wurde.

Unternehmen ausstehende Aktien (2016) ausstehende Aktien (letzte vorliegende Daten)
Canopy Growth 77,02 194,74
Aurora Cannabis 128,99 406,58
Aphria 58,44 167,49
OrganiGram 58,68 131,93

DATENQUELLE: MORNINGSTAR, UNTERNEHMENS-QUARTALSBERICHTE VON SEDAR. TABELLE:VAUTOR. ALLE WERTE IN MILLIONEN.

In jedem Fall hat sich die Anzahl der ausgegebenen Aktien mehr als verdoppelt, sodass die bestehenden Aktionäre den Unterschied auf jeden Fall spüren. Obwohl dies als ein notwendiger Schritt zur Sicherung langfristiger Lieferverträge angesehen werden könnte, dürfte die Verwässerung das Ergebnis je Aktie für das Gesamtjahr über Jahre hinweg verheerend beeinflussen.

Es wird wahrscheinlich noch einige Jahre dauern, bis das Bild von Angebot und Nachfrage in Kanada und weltweit für die Wall Street und die Investoren klarer wird. Aber so, wie die Dinge jetzt stehen, wird es für die Cannabis-Industrie viel zu tun geben, wenn diese Aktien ihre hohen Bewertungen rechtfertigen wollen.

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John Mackey, CEO von Whole Foods Market, ein Tochterunternehmen von Amazon, ist Mitglied des Vorstands von The Motley Fool.

Dieser Artikel wurde von Sean Williams auf Englisch verfasst und am 01.05.2018 auf Fool.com veröffentlicht. Er wurde übersetzt, damit unsere deutschen Leser an der Diskussion teilnehmen können.

The Motley Fool besitzt und empfiehlt Amazon.

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