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Sind Value-Aktien auch gute Dividendenaktien?

Foto: The Motley Fool.

Der berühmter Investor und CEO von Berkshire Hathaway (WKN:A2YJQ) (WKN:854075), Warren Buffett, ist dafür bekannt, dass er Wertaktien und Dividendenwerte bevorzugt. Ihm ist es gelungen, sowohl in unterbewertete Unternehmen zu investieren als auch Dividendenaktien zu kaufen, die ihm helfen, seine Kassen zu füllen und Übernahmen und weitere Aktienkäufe zu finanzieren.

Es gibt eine klare Überschneidung zwischen den Kategorien Wertaktien und Dividendenaktien, aber sind Wertaktien dabei auch die besten Dividendenwerte? Das ist eine häufige Frage unter den Investoren. Im folgenden Artikel werde ich zunächst klären, wie ich Wertaktien und Dividendenwerte definiere, dann die Zusammenhänge zwischen den beiden Kategorien untersuchen und beide Seiten des Arguments betrachten. Schließlich teile ich meine Gedanken darüber mit, ob Value-Aktien tatsächlich die besten Dividendenwerte liefern.

Was ist eine Value-Aktie?

Wert, ebenso wie Schönheit, liegt oft im Auge des Betrachters, und bei einer Investition kann Wert subjektiv sein. Im Allgemeinen können Value-Aktien als Unternehmen bezeichnet werden, die trotz eines soliden Kerngeschäfts und finanzieller Fundamentaldaten, die durch bestimmte Bewertungskennzahlen bestimmt werden, derzeit geringer als ihre Konkurrenten bewertet werden.

Wert kann von einem Investor zum anderen etwas Anderes bedeuten. Einige Investoren, insbesondere Wachstumsinvestoren, legen großen Wert auf das Zukunftspotenzial einer Aktie, das oft umstritten und schwer zu quantifizieren ist. Der Markt ist im Wesentlichen eine breite Diskussion über den Wert von Unternehmen, und Aktienbewertungen bewegen sich entsprechend den gerade vorherrschenden Ansichten. Amazon zum Beispiel wurde oft als überbewertete Aktie angesehen, aber einige Investoren waren bereit, für das, was sie als Wachstumspotenzial des Unternehmens sahen, zu zahlen, und sie wurden belohnt.

Dennoch gibt es einige allgemeine Richtlinien für das, was man als Wertaktien bezeichnen kann. Erstens werden sie als das Gegenteil von Wachstumswerten angesehen, die tendenziell hohe Kurs-Gewinn-Verhältnisse, niedrige Gewinne und schnelles Wachstum aufweisen. Die Investoren sind in der Regel bereit, mehr für Wachstumswerte zu zahlen, da sie das Potenzial haben, enorme Renditen zu erwirtschaften.

Value-Aktien hingegen tendieren dazu, auf einem niedrigeren Kursniveau gehandelt zu werden, weil sie langsamer wachsen, aber von Value-Investoren als unterbewertet angesehen werden. Value-Aktien sind oft ältere, reife Unternehmen, die durchweg einen starken Cashflow generieren, aber nur ein bescheidenes Wachstumspotenzial haben.

Value-Investoren bevorzugen auch Aktien, die fundamentale Kennzahlen erfüllen. Zum Beispiel hilft der diskontierte Cashflow den Anlegern, Aktien mit einem inneren Wert zu finden, der höher ist als ihr Marktwert. Diese Art von Bewertungsmethode liefert den Anlegern eine harte Zahl, die mit der Marktkapitalisierung eines Unternehmens zu vergleichen ist – das ist die Summe des Wertes aller Aktien eines Unternehmens auf dem Markt, im Wesentlichen der Gesamtwert des Unternehmens auf dem Markt.

Andere Investoren betrachten den Kurs im Verhältnis zum Buchwert, der das Verhältnis von Aktienkurs zu Nettovermögen in der Bilanz darstellt. Beispielsweise sehen einige Investoren das Ölpipeline-Unternehmen Kinder Morgan als einen Wertkandidaten, da sein Kurs-Buchwert-Verhältnis (KBV) nur 1,12 beträgt und damit deutlich unter dem seiner Mitbewerber liegt. Da die Bilanz den Wert der Vermögenswerte genau widerspiegelt, können die Anleger den Wert des Nettovermögens eines Unternehmens einschätzen und feststellen, ob der Markt das Unternehmen zu diesem Wert oder darunter bewertet. Wenn das KBV unter 1 fällt, würde das eine Gelegenheit für die Anleger widerspiegeln, da die Anleger weniger für das Unternehmen zahlen als die Gesamtsumme seiner Vermögenswerte.

Was ist eine Dividendenaktie?

Eine Dividendenaktie ist ganz einfach eine Aktie, die dem Anleger eine Dividende oder eine Gewinnbeteiligung zahlt. In den USA werden Dividenden in der Regel einmal pro Quartal an die Anleger ausgeschüttet und Dividendenzahler streben oft danach, ihre Dividende jedes Jahr als Belohnung für die Anleger zu erhöhen. Unternehmen, die 25 Jahre in Folge ihre Dividenden erhöht haben, sind als Dividend Aristocrats bekannt, ein exklusiver Club, in den nur wenige Dutzend Unternehmen aufgenommen wurden. Dividendenaristokraten zählen oft zu den besten Dividendenwerten, da sie ihre Fähigkeit unter Beweis gestellt haben, ihre langfristigen Investoren konsequent zu belohnen.

Zusätzlich zu den regelmäßigen Einkommensströmen sollte, wenn ein Unternehmen eine Dividende zahlt – und diese regelmäßig erhöht –, dies darauf hindeuten, dass ein Unternehmen einen stabilen, verlässlichen Cashflow hat und man damit rechnen kann, dass es auch weiterhin Dividenden zahlt. Die Anleger sollten sich aber auch Kennzahlen wie die Ausschüttungsquote ansehen, die zeigt, wie viel Prozent der Erträge zur Finanzierung von Dividendenzahlungen verwendet werden, sowie das Ertragswachstum, um zu sehen, ob eine Dividende weiter wachsen wird.

Das Verhältnis zwischen Wertaktien und Dividendenwerten

Wertaktien und Dividendenwerte sind enge Verwandte in der Anlagewelt und überschneiden sich oft, da die meisten Wertaktien auch Dividendenzahler sind. Denn Value-Aktien sind oft reife Unternehmen mit stabilen Cashflows und können daher eine angemessene Dividendenrendite bieten.

Value-Investoren wie Warren Buffett konzentrieren sich auf Dividendenwerte, da der Einkommensstrom ihnen hilft, zukünftige Aktienkäufe und Übernahmen zu finanzieren. Dividendenzahlende Wertaktien neigen auch dazu, Rentner anzusprechen, die eher nach Einkommen suchen, als einen persönlichen Rentenfonds für den Ruhestand oder einen College-Fonds aufzubauen, wie es jüngere Investoren eher tun.

Im Gegensatz zu Value-Aktien zahlen Wachstumswerte selten Dividenden aus, da den Unternehmen dieser Kategorie oft der dafür notwendige Cashflow fehlt. Wenn sie die Mittel haben, würden sie sie in der Regel lieber für Wachstumstreiber wie neue Märkte oder Forschung und Entwicklung ausgeben. Da Wachstumswerte tendenziell mit höheren KGV-Kennzahlen gehandelt werden, wären auch ihre Dividendenrenditen tendenziell niedriger als die von Value-Aktien und würden keine traditionellen Einkommensanleger anziehen, was bedeutet, dass es sich für das Unternehmen oft nicht lohnt, eine Dividende zu zahlen.

Daher sind die meisten Dividendenwerte eher Wert- als Wachstumsaktien. Da Value-Aktien nicht so stark wachsen wie Wachstumsaktien, hilft eine Dividende, die Investoren zum Kauf zu motivieren.

Die Bedeutung der Ausschüttungsquote

Es ist wichtig, das Verhältnis zwischen dem Kurs-Gewinn-Verhältnis und der Dividendenrendite zu verstehen. Je niedriger die Bewertung eines Unternehmens ist, desto wertvoller wird die Dividende mit steigender Dividendenrendite. Mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von etwa 12 könnte Kohl’s (WKN:884195) beispielsweise als Wertaktie angesehen werden und die Dividende liegt bei beachtlichen 3,9 %. Die Ausschüttungsquote – der Prozentsatz des Gewinns, der auf die Dividende entfällt, oder die Dividende pro Aktie geteilt durch den Gewinn pro Aktie – ist mit 48 % ebenfalls moderat. Achtzig Prozent gelten als das Maximum, das Dividendenwerte anstreben sollten, um einen ausreichenden Cashflow für andere Bedürfnisse zu erhalten.

Die Dividendenrendite und das KGV sind abhängig voneinander, da ein höheres KGV, also ein höherer Kurs der Aktie, die Dividendenrendite sinken lässt. Um zu steigen, muss entweder der Aktienkurs fallen oder das Unternehmen muss seine Dividendenzahlung erhöhen, d. h. die Ausschüttungsquote würde steigen.

Hier sind die wichtigsten Formeln, die die Investoren verstehen sollten.

  • Ausschüttungsquote = Dividende je Aktie/Ergebnis je Aktie
  • Dividendenrendite = Dividende pro Aktie/Kurs pro Aktie
  • KGV = Kurs je Aktie/Ergebnis je Aktie

Die folgende Tabelle zeigt verschiedene Beispiele, wie sich die Zahlen für eine hypothetische Aktie gegenseitig beeinflussen.

Ergebnis pro Aktie Kurs   KGV Jährliche Ausschüttung Dividendenrendite
5 USD 50 USD 10 2 USD 4 %
5 USD 80 USD 16 2 USD 2,5 %
5 USD 40 USD 8 2 USD 5 %
5 USD 80 USD 16 3 USD 3,75 %
6 USD 60 USD 10 3 USD 5 %

TABELLE: AUTOR.

Wie die Tabelle zeigt, haben Aktien mit niedrigem KGV einen Vorteil gegenüber solchen mit höherem KGV als Dividendenzahler, da ein niedrigeres KGV zu einer höheren Dividendenrendite führt.

Warum Wertaktien nicht immer die besten Dividendenwerte sind

Ein niedriges KGV allein ist immer eine gute Sache, wenn es auch nicht unbedingt eine gesunde Dividendenaktie signalisiert. Wenn Aktien mit niedrigem Kurs-Gewinn-Verhältnis gehandelt werden, liegt es häufig daran, dass die meisten Investoren ihre Aussichten als schlecht einschätzen. Daher werden solche Aktien oft als „Wertfallen“ bezeichnet – sie scheinen Wertaktien zu sein, aber ihre Schnäppchenpreise locken die Anleger nur in eine schlechte Investition.

Macy’s könnte eine solche Wertfalle sein. Die Aktie zahlt heute 5,2 % und notiert mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von nur 5,7. Während diese Zahlen den Eindruck erwecken könnten, dass es sich um eine gute Wert-/Dividendenaktie handelt, erscheint sie weniger attraktiv, wenn man sie im Zusammenhang mit dem zugrunde liegenden Geschäft des Unternehmens ansieht.

Es stellt sich heraus, dass Macy’s Aktien in den letzten drei Jahren um 58 % gefallen und das flächenbereinigte Umsatzwachstum zwölf Quartale in Folge gesunken sind, bis das Unternehmen in der Weihnachtszeit für mindestens ein Quartal zum Wachstum zurückgekehrt ist. Wie viele Konkurrenten hat auch Macy’s Standorte geschlossen und die Investoren stehen der Zukunft skeptisch gegenüber.

Wie die Grafik unten zeigt, ist die Dividendenrendite des Unternehmens mit dem fallenden Aktienkurs gestiegen, obwohl das Unternehmen seine Ausschüttung seit zwei Jahren nicht mehr erhöht hat.

Macy’s. Daten von YCharts

Obwohl Macy’s also aussieht wie eine Wert- und eine Dividendenaktie, ist das hier eher eine Folge von fallenden Aktienkursen als ein Anzeichen seiner langfristigen finanziellen Gesundheit. Wertaktien können auch gute Dividendenwerte sein, aber es ist wichtig, dass die Anleger zwischen gesunden Dividendenzahlern und Wertfallen unterscheiden.

Die besten Dividendenwerte der Geschichte

Ein Blick auf einige Dividendenaristokraten kann Aufschluss darüber geben, ob Value-Aktien die besten Dividendenwerte sind.

Altria (WKN:200417), der Tabakgigant hinter Marlboro, hat seine Dividenden seit mehr als 50 Jahren in Folge erhöht, einschließlich der Jahre vor seiner Abspaltung von Philip Morris International, und war in dieser Zeit eine der besten Dividendenaktien auf dem Markt.

Laut Wharton-Professor Jeremy Siegel hat die Aktie, einschließlich der Dividenden, zwischen 1967 und 2017 auf Jahresbasis mehr als 20 % erwirtschaftet und ihre Dividendenausschüttungen waren ein wichtiger Faktor für diese überdurchschnittlichen Renditen. Heute bietet Altria eine Dividendenrendite von 4,4 %, diese lag jedoch in der Vergangenheit zeitweise deutlich höher. Historisch gesehen wurde Altria möglicherweise unterbewertet, weil man davon ausging, dass die sinkenden Zigarettenverkäufe die Gewinne des Unternehmens belasten würden. Der Marlboro-Hersteller hat diese Herausforderung jedoch zum Teil mit Preiserhöhungen gemeistert.

Andere Dividendenaristokraten wie Coca Cola (WKN:850663) oder Procter & Gamble (WKN:852062) sind zu langsam wachsenden Unternehmen geworden, aber nicht unbedingt zu billigen. Die Investoren zahlen oft eine Prämie für Unternehmen mit starken Marken und einer langen Erfolgsgeschichte, die für die Sicherheit der Anlage und Dividenden steht. Beide Aktien wurden vom S&P 500 in praktisch jedem Zeitraum, den man sich in den letzten zehn Jahren ansieht, deutlich übertroffen. Mit anderen Worten: Eine lange Geschichte als Dividendenerhöher ist weder eine Garantie für eine überdurchschnittliche Wertentwicklung, noch handeln die beständigsten Dividendenwerte zu günstigen Kursen.

Was ist die Antwort?

Wertaktien mit stabilem Geschäft und hohen Dividendenrenditen können manchmal zu großen Dividendenwerten werden und es ist wichtig, dass die Anleger – insbesondere diejenigen, die sich auf die Erhaltung von Vermögen und Einkommen konzentrieren – nicht zu viel für hochpreisige Aktien ausgeben.

Auch die Auswahl von Unternehmen mit steigenden Gewinnen ist wichtig, sowohl weil sie steigende Dividenden zahlen können als auch weil dies als gutes Zeichen für ein starkes Unternehmen gilt. Für langfristige Anleger ist das Dividendenwachstum ebenso wichtig wie die Rendite, da Unternehmen, die ihre Dividenden konsequent erhöhen, langfristig die höchsten Renditen erzielen werden.

Unternehmen wie Starbucks (WKN:884437) verdeutlichen dies – die Kaffeekette hat ihre Ausschüttung seit Beginn der Dividende im Jahr 2010 jährlich um 20 % oder mehr erhöht. Aktien wie Nike (WKN:886993) und Costco haben zwar geringere Renditen, aber auch diese Unternehmen haben ihre Dividenden fast jedes Jahr im zweistelligen Prozentbereich erhöht.

Die beste Antwort auf die in der Schlagzeile gestellte Frage scheint dann ja zu sein: Wertaktien können große Dividendenwerte werden, aber nur, wenn die Unternehmen dahinter auch in der Lage sind, Dividendenwachstum zu liefern. Es ist wichtig für die Investoren zu erkennen, dass es mehrere Faktoren gibt, die bei der Suche nach guten Dividendenwerten eine Rolle spielen.

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Dieser Artikel wurde von Jeremy Bowman auf Englisch verfasst und am 23.04.2018 auf Fool.com veröffentlicht. Er wurde übersetzt, damit unsere deutschen Leser an der Diskussion teilnehmen können.

The Motley Fool besitzt und empfiehlt Berkshire Hathaway (B-Aktien), Nike und Starbucks.

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