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SMA Solar: So gefährlich ist Sungrow

Foto: The Motley Fool

Lange Jahre konnte SMA Solar (WKN:A0DJ6J) sich rühmen, der klare Marktführer im Bereich der Solarwechselrichter zu sein. Die einheimische, amerikanische und israelische Konkurrenz konnte mit viel Aufwand stets auf Abstand gehalten werden. Dann kamen die Chinesen.

Mit Siebenmeilenstiefeln an die Spitze

Zuerst hieß es in etwa, „die Asiaten mögen schneller wachsen, aber wir sind immer noch einsame Spitze“. Dann „Huawei verkauft mehr in Megawatt gerechnet, aber wir machen mehr Umsatz (weil unsere Produkte hochwertiger sind)“. Nachdem Sungrow und Huawei 2017 beide vorbeizogen: „Außerhalb von China sind wir immer noch die größten (auch wenn wir in den USA Probleme hatten)“.

Wie man sieht, wird die Luft dünner. Aber während Huawei dank seiner Handy- und Netzwerk-Aktivitäten vielen Leuten ein Begriff ist, kennen Sungrow nur wenige. Dabei könnte letztere sogar noch gefährlicher für SMA sein.

Schließlich beschränkt sich der langjährige Herausforderer nicht wie Huawei auf String-Wechselrichter, sondern punktet auch bei Zentral-Wechselrichtern für große PV-Kraftwerke, wo seit 2016 ABB (WKN:919730) als strategischer Partner im Boot ist. Und wenn es um Speicherlösungen geht, hat Sungrow ebenfalls einiges zu bieten. 2016 startete ein ambitioniertes chinesisch-koreanisches Joint Venture mit Samsung SDI (WKN:923086).

Zudem fährt das Unternehmen seine Fühler in Richtung weiterer Anwendungsfelder wie Elektrobusse und Windfarmen aus, wo SMA überhaupt nicht aktiv ist. Im Erfolgsfall können so zusätzliche Größenvorteile gewonnen werden.

Sungrow brüstet sich mit einem Marktanteil von 25 % in Deutschland, einem Vertrieb in 50 Ländern, höchsten Wirkungsgraden, dem branchenweit größten Forschungs- und Entwicklungsteam (!) und einem starken Patentportfolio. Über die vergangenen Wochen wurden Patente zur staubgeschützten Ventilation, über eine ausgefeilte Methode zur Kompensation eines Leistungsabfalls bei Solarmodulen und über die Steuerung von Off-Grid-Speichersystemen veröffentlicht.

2016 wurden 400 Mio. US-Dollar Eigenkapital eingeworben, um die Investitionen in Forschung, Produktentwicklung und Expansion noch zusätzlich intensivieren zu können. Mit dem Anfang des aktuellen Jahres modernisierten Logo soll der Aufbruch zu mehr Internationalität auch optisch signalisiert werden. Zuletzt hieß es, dass die Präsenz in Südostasien stark ausgebaut werden soll.

Beeindruckende Zahlen

Die letzten Geschäftszahlen zeigen, wie dynamisch die Entwicklung im Vergleich zu SMA Solar verläuft:

Sungrow SMA Solar
Absatz 2017 in Gigawatt 16,5 GW
(Vorjahr 11,1 GW, +48 %)
8,5 GW
(Vorjahr 8,2 GW, +4 %)
Umsatz 2017 1,14 Mrd. EUR
(+48 % ggü. Vorjahr)
0,89 Mrd. EUR
(-6 % ggü. Vorjahr)
Marktkapitalisierung 24.04. 3,53 Mrd. EUR 1,81 Mrd. EUR

Daten zusammengestellt vom Autor auf Basis von Angaben aus dem SMA Solar Geschäftsbericht 2017, Google Finance, greentechmedia. Yuan Renminbi zum Tageskurs (0,1297) in Euro umgerechnet.

Da könnte man auf die Idee kommen, dass Sungrow das schnelle Tempo über Dumpingpreise erzielt. Aber das kann verneint werden. Im Wechselrichter-Preisindex von PHOTON rangieren die Modelle im Mittelfeld. Auch wenn das Unternehmen auf dem Heimatmarkt vielleicht noch schärfer kalkuliert, kann es dank des beeindruckenden Wachstums steigende Gewinne ausweisen. Gut 1 Mrd. Yuan Renminbi blieben über die letzten vier Quartale laut Morningstar als Nettogewinn, also rund 131 Mio. Euro. Das ist mehr als viermal so viel wie bei SMA, wodurch die wesentlich höhere Bewertung mehr als gerechtfertigt erscheint.

Wie groß die Gefahr wirklich ist

Sungrow ist profitabler, verkauft mehr, treibt mindestens so viel Forschungsaufwand und ist zunehmend auch jenseits der chinesischen Grenzen erfolgreich. Als Investor würde mich das beunruhigen, denn das Brot-und-Butter-Geschäft wird immer stärker bedrängt. Umso wichtiger ist deshalb, dass SMA weiterhin mit Hochdruck den Wandel zum digitalen Smart-Grid-Spieler vorantreibt. Auf diesem Feld kann Sungrow ihr wohl noch lange nicht das Wasser reichen.

Dass nach dem 1. Quartal die Zeichen wieder auf Wachstum stehen, ist schon mal ein gutes Zeichen. GTM Research erwartet, dass der Gesamtmarkt auch in diesem Jahr wieder robust wachsen wird, sodass es mehr als einen Gewinner geben kann, zumal die Großen tendenziell seit Jahren ihre Marktanteile gegenüber den Wettbewerbern aus der zweiten Reihe ausbauen.

Gut zu wissen ist auch, dass Sungrows bisheriges Wachstum vor allem auf den wahnsinnigen Ausbau in China zurückzuführen ist. Sagenhafte 53 Gigawatt neue Photovoltaik-Kapazität wurden dort 2017 laut GTM Research neu installiert. Das entspricht umgerechnet auf die Jahresleistung in etwa 10 Kernkraftwerken. Ewig kann das Reich der Mitte diese Zubauleistung nicht aufrechterhalten – und dann werden die Karten wieder neu gemischt.

Ralf Anders besitzt keine der erwähnten Aktien. The Motley Fool besitzt keine der erwähnten Aktien.

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