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Investiert Warren Buffett in Gold?

Es gibt mehrere Gründe, warum die Investoren Gold in ihr Portfolio aufnehmen. Gold kann nicht nur im Laufe der Zeit an Wert gewinnen, sondern auch eine Absicherung gegen Inflation bieten und Diversifizierung darstellen.

Allerdings passt Gold nicht in die Investitionsphilosophie von Warren Buffett. Das zentrale Investitionsprinzip, das es Buffett ermöglicht hat, Berkshire Hathaway (WKN:A0YJQ2) so groß zu machen, schließt Gold und die meisten anderen Vermögenswerte aus, die als Wertgegenstände gelten.

Hier ist ein kurzer Überblick über Warren Buffetts Investitionsstil, sowie seine Meinung zu Gold im Besonderen, was dazu beitragen sollte, ein klares Bild davon zu zeichnen, warum du nicht erwarten solltest, dass Berkshire in Gold investiert.

Die kurze Antwort

Warren Buffett investiert nicht in Gold. Es gibt drei Dinge, in die Warren Buffett investiert, sowohl mit dem Kapital von Berkshire Hathaway als auch mit seinem eigenen Geld: ganze Unternehmen, Aktien von öffentlich gehandelten Unternehmen und Bargeldäquivalente, die darauf warten, in diese beiden investiert zu werden. Wenn du einen Blick auf das Investmentportfolio von Berkshire wirfst, findest du viele Tochterunternehmen und Aktienanlagen, aber Gold ist nirgendwo zu finden.

Buffetts drei Kategorien von Investitionen

Bevor wir uns fragen, warum Warren Buffett nicht in Gold investiert, ist es wichtig zu wissen, wie Buffett über Investitionen denkt.

Genau gesehen, gruppiert das Orakel von Omaha alle verfügbaren Investitionen in drei Kategorien:

  • Geldanlagen. Dazu gehören z. B. Spareinlagen, Geldmarktfonds, Anleihen und ähnliche Anlageformen. Dabei handelt es sich um Vermögenswerte, die von den Anlegern allgemein als “sicher” angesehen werden.
  • Unproduktive Vermögenswerte. Das ist die Kategorie, in die Gold fällt. Im Wesentlichen ist die Investitionsthese hinter unproduktiven Vermögenswerten wie folgt: Jemand anderes wird bereit sein, in der Zukunft mehr für das Vermögen zu zahlen, als du heute dafür bezahlst. Andere Edelmetalle wie Silber und Platin sind ebenfalls Beispiele für unproduktive Vermögenswerte, ebenso wie Sammlerstücke und Kryptowährungen.
  • Produktive Vermögenswerte. Produktive Vermögenswerte können nicht nur im Laufe der Zeit an Wert gewinnen, sondern auch andere Werte generieren. Wenn du z. B. eine Aktie besitzst, kann sie für dich Dividendenerträge generieren, und die Aktie selbst kann im Laufe der Zeit an Wert gewinnen. Beispiele für produktive Vermögenswerte sind neben Aktien auch Unternehmen und Mietimmobilien.

Buffett verwendet regelmäßig währungsbasierte Investitionen

Buffett betrachtet die erste Kategorie, die Investitionen, die  auf Währungen basieren, als die vielleicht risikoreichste von allen. Konkret bedeutet dies, dass diese Vermögenswerte zwar praktisch garantiert nicht an Wert verlieren, aber tendenziell auch winzige Renditen erwirtschaften. Tatsächlich sind die Renditen so gering, dass sie mit der Inflation nicht einmal Schritt halten und die Kaufkraft des Anlegers langsam auffressen. (Buffett ist jedoch nicht gegen diese Investitionen, wenn die Zinssätze das Inflationsrisiko ausgleichen – wie in den frühen 80er Jahren).

Nehmen wir zum Beispiel an, dass du 10.000 US-Dollar auf ein Sparkonto einzahlst, das 1 % Zinsen zahlt (der Einfachheit halber gehen wir von einer jährlichen Verzinsung aus). Nach 30 Jahren ist deine Einzahlung 13.478 US-Dollar wert. Nicht schlecht für eine absolut sichere Investition, oder? Falsch. Bei einer langfristigen Inflationsrate von 3 % wird die tatsächliche Kaufkraft deines 13.478 US-Dollar-Kontostandes (in heutigen US-Dollar) nur 5.404 US-Dollar betragen. Obwohl dein Kontostand langsam steigt, verlierst du tatsächlich Geld in Form von Kaufkraft.

Andererseits wird es dich überraschen, dass Warren Buffett diese Art von Investitionen häufig verwendet. Tatsächlich werden 116 Milliarden US-Dollar des Kapitals von Berkshire Hathaway derart z.B. in amerikanische Schatzanleihen investiert.

Einfach gesagt haben diese Anlagen den Vorteil der Liquidität, so dass sie bei Bedarf schnell zu ihrem vollen Marktwert verkauft werden können. Buffett lässt Berkshires Bargeld auf diese Art wachsen, bis er eine attraktive Anlagemöglichkeit findet, und selbst die winzigen Renditen von kurzfristigen Staatsanleihen und Geldmarktfonds sind besser als gar nichts.

Buffetts Lieblingskategorie wird dich nicht überraschen

Es überrascht nicht, dass Warren Buffett am liebsten in produktive Anlageformen investiert. Genau gesagt kauft er am liebsten ganze Unternehmen und als Alternative ist er bereit, in Stammaktien anderer Unternehmen zu investieren. Im April 2018 hat Berkshire mehr als 60 Tochterunternehmen sowie ein nicht minder wertvolles Aktienportfolio im Wert von rund 176 Milliarden US-Dollar.

Warren Buffett mag Vermögenswerte, die Reichtum schaffen. Gold und andere unproduktive Vermögenswerte können Reichtum enthalten, aber sie schaffen keinen.

Hier ist ein kurzes Beispiel für einen Vermögenswert, der Reichtum schafft. Nehmen wir an, du besitzt 1.000 Aktien eines Unternehmens mit einer Dividendenrendite von 4 %. In den nächsten 30 Jahren, wenn du alle deine Dividenden reinvestierst, könnten aus deinen 1.000 Aktien 3.240 Aktien werden. So hast du deine Investition mehr als verdreifacht, bevor du eine Kurssteigerung in Betracht ziehst.

Der Punkt ist, dass Warren Buffett das Kapital von Berkshire Hathaway in produktive Vermögenswerte investiert und sein restliches Geld in Staatsanleihen zwischenparkt, während er auf Gelegenheiten wartet, um mehr produktive Vermögenswerte zu kaufen. Er investiert nicht in unproduktive Vermögenswerte wie Gold.

Buffetts Meinung zu Gold

Da Buffett kein Fan von unproduktiven Vermögenswerten jeglicher Art ist, hat er auch seine Gründe, warum er nicht in Gold investiert.

Im Brief an die Aktionäre von Berkshire Hathaway aus dem Jahr 2011 wies Buffett darauf hin, dass Gold ein “großer Favorit bei den Investoren ist, die fast alle anderen Vermögenswerte, insbesondere Papiergeld, fürchten”. Zusätzlich räumt Buffett ein, dass die Investoren zu Recht Papiergeld als Wertspeicher fürchten, insbesondere wegen der Inflation.

In Bezug auf Gold sieht Buffett zwei große Mängel. Wie alle unproduktiven Vermögenswerte ist Gold nicht “reproduktionsfähig”. Mit anderen Worten, Gold wird nie mehr Gold oder etwas anderes von Wert produzieren. Im Gegensatz dazu wird eine Ölquelle, die Berkshire kauft, wertvolles Öl produzieren. Ein Bekleidungswerk wird so lange Kleidung produzieren, wie es in Betrieb ist. Eine Aktienanlage kann Dividenden zahlen, womit du dann noch mehr Aktien kaufen könntest. Aber eine Unze Gold, die du heute kaufst, wird auch in 400 Jahren noch eine Unze Gold sein.

Der zweite Mangel, den Buffett erwähnt hat, ist der Mangel an praktischem Nutzen für Gold. Sicher, es wird verwendet, um Schmuck herzustellen und hat einige andere Anwendungen, aber eine weit verbreitete Nachfrage nach Gold für den praktischen Gebrauch ist einfach nicht da. Buffett meint, dass sich unproduktive Anlagen mit weit verbreiteten industriellen Anwendungen wie Kupfer oder Stahl zumindest auf diese Nachfrage verlassen können, um die Preise anzukurbeln.

In einer Rede 1998 in Harvard sagte Buffett:

Es wird in Afrika aus dem Boden gewonnen, oder irgendwo anders. Dann schmelzen wir es ein, graben ein weiteres Loch aus, verstecken es wieder und bezahlen die Leute, um es zu bewachen. Es hat keinen Nutzen. Jeder, der vom Mars aus zusieht, würde sich ungläubig am Kopf kratzen.

Was würdest du lieber besitzen?

Um seinen Standpunkt zu verdeutlichen, benutzte Buffett ein Beispiel von zwei hypothetischen Gruppen von Investitionen. Die erste Gruppe enthielt das gesamte Goldangebot der Welt im Wert von etwa 9,6 Billionen US-Dollar, als Buffett den Brief schrieb. Die zweite Gruppe enthielt Vermögenswerte von gleichem Wert – die gesamte landwirtschaftliche Nutzfläche in den USA, 16 ExxonMobils und 1 Billion US-Dollar an Betriebskapital. (Anmerkung: Als Buffett den Brief schrieb, war ExxonMobil das profitabelste Unternehmen der Welt.)

Diese Vermögenswerte werden nicht nur im Laufe der Zeit an Wert gewinnen, sondern das Ackerland würde auch ein jährliches Einkommen von 200 Milliarden US-Dollar generieren, und die 16 ExxonMobils würden jeweils einen Gewinn von 40 Milliarden US-Dollar pro Jahr erzielen, was einer jährlichen Gesamtproduktion von 840 Milliarden US-Dollar entspricht, die dann in andere Vermögenswerte investiert werden könnte.

Tatsächlich ist es diese Logik der Produktion und Reinvestition, die es Berkshire Hathaway ermöglicht hat, sich von einem angeschlagenen Textilhersteller in den 60er Jahren zu einem der größten Unternehmen der Welt zu entwickeln. Es genügt zu sagen, dass dasselbe nicht passiert wäre, wenn Buffett das Kapital von Berkshire einfach in Gold investiert hätte, nachdem er die Leitung des Unternehmens übernommen hatte.

Keine gute Investition, aber….

Also investiert Warren Buffett nicht in Gold. Das heißt aber nicht, dass Gold und andere Edelmetalle keinen legitimen Zweck in einem ausgeglichenen Portfolio haben.

Insbesondere kann Gold (in relativ geringen Mengen) als Absicherung gegen Inflation und einen Börsencrash nützlich sein. Gold neigt dazu, mit der Inflation zu steigen – besser als Bargeld zumindest. Daher kann Gold in Zeiten der hohen Inflation helfen, deine Kaufkraft aufrecht zu erhalten. Darüber hinaus tendiert Gold dazu, sich während eines Crashs besser als Aktien zu entwickeln, da die Investoren nach sichereren Anlagen suchen. Beispielsweise fiel der S&P 500 im Jahr 2008, als die Finanzkrise zuschlug, um 38 %, aber Gold legte im Jahresverlauf sogar um mehr als 4 % zu.

Das Endergebnis ist, dass der Großteil deines Portfolios in produktive Vermögenswerte investiert werden sollte. Zusätzlich sollte man etwas Geld bei der Seite halten, um bei Gelegenheit in andere produktive Vermögenswerte zu investieren. Es ist jedoch nichts falsch daran, einen kleinen Teil deines Portfolios in Gold oder andere Edelmetalle zu investieren, um dich vor der Inflation zu schützen und die Diversifikation zu erhöhen.

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The Motley Fool besitzt und empfiehlt Berkshire Hathaway (B-Aktien). 

Dieser Artikel wurde von Matthew Frankel auf Englisch verfasst und am 22.04.2018 auf Fool.com veröffentlicht. Er wurde übersetzt, damit unsere deutschen Leser an der Diskussion teilnehmen können.

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