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Welche ist die günstigste Cannabis-Aktie?

Foto: Getty Images.

Das Geschäft mit legal erhältlichem Cannabis ist wohl die am schnellsten und beständigsten wachsende Branche in Nordamerika. Das Cannabis-Forschungsunternehmen ArcView hat eine jährliche Wachstumsrate von 28 % in Nordamerika bis 2021 geschätzt, während ein Bericht von New Frontier Data, der sich speziell auf die USA konzentrierte, ergab, dass die Legalisierung dazu führen könnte, dass bis 2025 schätzungsweise 1,1 Millionen neue Arbeitsplätze geschaffen werden – sowohl direkt als auch indirekt mit der Cannabis-Industrie verbunden. Alles scheint auf, nun, grün zu stehen.

Marihuana ist auch eine Droge, die wachsende öffentliche Unterstützung bekommt. Die Meinungsforscher Gallup fanden heraus, dass fast zwei Drittel der Amerikaner in einer Umfrage vom Oktober 2017 mittlerweile für eine Legalisierung sind. Im Jahr 1995 waren es gerade mal 25 %. Das war das Jahr, bevor Kalifornien der erste US-Bundesstaat wurde, wo der medizinische Einsatz von Marihuana für Patienten genehmigt wurde.

Und das ist nicht alles: Investoren dürfen sich weiter freuen. Denn für den Sommer wird die Legalisierung von Cannabis in Kanada erwartet. Da eine Legalisierung recht wahrscheinlich ist und ein zweijähriges Steuerabkommen mit allen Provinzen außer einer (Manitoba) besteht, könnte Kanada Jahresumsatz dieser schnell wachsenden Branche um noch einmal mehr als 5 Milliarden Dollar erhöhen.

Auf dem Papier sieht es so aus, als ob die Cannabis-Industrie generell aufblüht. Aber wer sich ein bisschen näher damit beschäftigt, wird feststellen, dass keine zwei Cannabis-Aktien gleich sind. Klar, alle können versuchen, ihre Produktionskapazität zu erweitern, Deals zu machen und zu erneuern, aber einige davon werden zu himmelhohen Preisen angeboten.

Die Suche nach Wert in der Cannabis-Branche

Obwohl es keine konkreten fundamentalen Maßnahmen gibt, die eine Marihuana-Aktie definitiv zu einem „Wert“ im Vergleich zu ihren Konkurrenten machen, ist das Preis-Umsatz-Verhältnis ein ganz guter Indikator. Dieses Verhältnis setzt die Marktkapitalisierung eines Unternehmens im Verhältnis zu seinen Jahreseinnahmen. Selbstverständlich haben die meisten Cannabis-Aktien derzeit noch nicht allzu viele Einnahmen, deswegen sind die letzten 12 Monate nicht ganz so brauchbar als Indikator. Könnten wir aber ein Forward-Preis-zu-Umsatz-Verhältnis betrachten — d.h. die aktuelle Marktkapitalisierung geteilt durch die geschätzten Abverkäufe für 2019 — könnten wir ein klareres Bild davon bekommen, welche Cannabis-Aktien „günstiger“ zu haben sind als ihre Konkurrenten.

Hier mal eine kurze Übersicht des Preis-zu-Absatz-Verhältnis einiger der größten Cannabis-Aktien (Stand: 9. April).

  • Canopy Growth Corp.: 15,2
  • Aurora Cannabis: 13,2
  • Aphria: 11,6
  • MedReleaf: 10,6
  • OrganiGram Holdings (WKN:A12AQF): 4,1
  • GW Pharmaceuticals: 18
  • Cronos Group: 28,9

Mit Ausnahme von GW Pharmaceuticals, einem auf Cannabinoid basierenden Medikamentenentwickler, handelt es sich um kanadische Anbauer oder Gesellschaften, die in Anbauer investieren.

Auf den ersten Blick fällt auf, wie teuer die Cronos Gruppe im Verhältnis zu ihrem Umsatzpotenzial und ihren Mitbewerbern ist. Cronos bekam Aufschwung, als man die erste Cannabis-Aktie wurde, die Anfang des Jahres an den Nasdaq gebracht wurde. Allerdings wird die Beteiligung des Unternehmens an drei Kernaktiva zumindest bis 2019 fast genug Umsatz generieren, um die scheinbar aufgeblähte Marktkapitalisierung zu rechtfertigen.

Im Vergleich dazu sieht OrganiGram Holdings wie ein Schnäppchen unter den Marihuana-Aktien aus.

Warum OrganiGram Holdings die günstigste Cannabis-Aktie sein könnte

OrganiGram gilt fast überall als eine der billigsten Marihuana-Aktien. Die Kennzahlen sprechen Bände. Es gibt ein paar Faktoren, die wirklich auffallen und OrganiGram zu einer lohnenden Aktie machen.

Während die meisten Anbauer ihre Produktion an verschiedenen Standorten ausgeweitet haben, hat sich OrganiGram dafür entschieden, den Anbau am Standort Moncton in New Brunswick im Osten Kanadas zu zentralisieren. Die Beibehaltung des gesamten Anbaus an einem einzigen Standort ist eine einfache Möglichkeit, die wachsenden Kosten zu kontrollieren und zu reduzieren. Somit lassen sich wohl die besten Margen in der Branche für getrocknetes Cannabis vorweisen.

Zweitens hat OrganiGram gerade seine bisherigen jährlichen Produktionsschätzungen weit übertroffen. In einem kürzlich veröffentlichten Update hieß es, dass die Ernteerträge deutlich über den Erwartungen lagen, so dass das Unternehmen seine Jahresprognose von 65.000 Kilogramm pro Jahr auf 113.000 Kilogramm pro Jahr erhöht hat. OrganiGram dürfte basierend auf der jährlichen Produktionsschätzung ungefähr der fünft- oder siebtgrößte Hersteller in Kanada sein.

Das Unternehmen konzentriert sich auch auf margenstärkere Cannabisöle und nicht auf stark kommerzialisiertes, getrocknetes Cannabis. Im ersten Quartal verkaufte OrganiGram 419.000 ml Cannabisöl, gegenüber 178.000 ml im Vorquartal und weit über den 77.000 ml im ersten Quartal 2017. Öle sind ein Nischenprodukt, das einen höheren Preispunkt und eine deutlich höhere Marge aufweist.

Welche Bedenken gibt es?

Warum also wird OrganiGram so wenig Faszination entgegengebracht? Das wohl größte Problem ist, dass die Kapazitätserweiterung erst im April 2020 abgeschlossen sein wird. Auch wenn das Unternehmen weiterhin auf dem besten Weg ist, in Kanada eine wichtige Rolle zu spielen, werden die meisten Expansionsprojekte seiner Wettbewerber bereits 2018 oder 2019 abgeschlossen sein. Dies könnte seinen Mitbewerbern die Möglichkeit geben, langfristige Lieferverträge abzuschließen oder Verbraucher mit eigenen Cannabis-Marken zu binden, lange bevor OrganiGram dies selbst tun kann.

Schätzungen gehen davon aus, dass Kanada jährlich rund 800.000 Kilogramm getrocknetes Cannabis benötigt. Die Produktionsprognosen besagen jedoch, dass die kanadischen Erzeuger bis 2020 bis zu 2 Millionen Kilogramm Cannabis pro Jahr produzieren könnten. Was soll nur mit diesem Überangebot passieren? Es wird erwartet, dass ein Teil davon in Märkte exportiert wird, wo medizinisches Marihuana legal ist. Unklar ist, ob es dort dann genug Nachfrage gibt, um das Überangebot im Inland vollständig auszugleichen.

Abschließend sei noch einmal darauf hingewiesen, dass das Preis-Umsatz-Verhältnis nur eines von vielen Puzzleteilen ist, auf die Anleger achten sollten. Es ist keine perfekte Kennzahl. Während OrganiGram auf dieser und einer Reihe anderer Kennzahlen basiert, finanziert es seine Expansion auch durch Buy-Deal-Angebote, was zu einer Verwässerung der Aktionäre führt. Dies ist etwas, das potenzielle Investoren von OrganiGram und praktisch jedem anderen börsennotierten kanadischen Cannabis-Produzenten in Betracht ziehen muss.

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The Motley Fool besitzt keine der erwähnten Aktien.

Dieser Artikel von Sean Williams erschien am 19.4.18 auf Fool.com. Er wurde übersetzt, damit unsere deutschen Leser an der Diskussion teilnehmen können.

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