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Valeo ist gelungen, woran Tesla gescheitert ist

Foto: The Motley Fool

Elon Musk verkündete vor rund einem Jahr in einer Telefonkonferenz großspurig, dass Tesla (WKN:A1CX3T) mit dem Model 3 die Fertigungseffizienz der Top-Autobauer erreichen und mit dem „planmäßig“ Ende 2019 startenden Model Y einsame Spitze sein würde.

Da hatte ich mich Folgendes gefragt: Warum eigentlich sollten BMW (WKN:519000) und Volkswagen (WKN:766403) nicht so effizient wie Tesla produzieren können? Nun, so wie es aussieht, können sie es wohl – und ein französischer Zulieferer hat bewiesen, dass es noch besser geht.

Überautomatisierung sorgt für unterirdische Performance

Ich konnte mir eigentlich kaum vorstellen, dass Tesla dieses Ziel so einfach erreichen könnte. Schließlich arbeiten die deutschen Hersteller seit vielen Jahrzehnten mit den besten Automatisierungsspezialisten der Welt zusammen und haben zudem einzigartiges Material-Know-how angehäuft. In die Forschung zur Verbesserung von Verbindungstechniken, Robotersystemen und Intralogistik wird eine Menge investiert. Wie sollte ein Newcomer wie Tesla da einfach vorbeiziehen?

Meine Theorie war, dass Teslas einzige Chance darin besteht, das Fahrzeugdesign radikal zu vereinfachen und daraufhin auszulegen, dass Maschinen es besonders leicht haben, die Einzelteile sauber zu montieren. Dann hätte man aber wahrscheinlich beim Aussehen, bei den Features oder bei anderen relevanten Aspekten Abstriche machen müssen.

Stattdessen muss der Tesla-Chef nun zugeben, dass man einerseits zu viel neue Technik in das Model 3 gepackt und andererseits zu komplexe Produktionsstraßen aufgebaut hat. Das hört sich nicht gerade nach Vereinfachung an. Folglich mussten Teile der Produktionsanlagen, die nicht so funktionieren wollten, wie Elon sich das erträumt hatte, aus der Fabrik weichen. Nun stehen dort einige der zuvor von ihm unterschätzten Menschen aus Fleisch und Blut, die gewisse komplexe Handgriffe einfach immer noch zehnmal besser erledigen können als die besten Roboter.

Der Ansatz von Valeo

Ganz anders sieht es bei Valeo aus. Der französische Zulieferer hat sich mit Forschern der Shanghai Jiao Tong Universität zusammengetan, um ein preiswertes Elektromobil zu entwickeln. Herausgekommen ist dabei ein Kleinstwagen für die urbane Mobilität, den sich wirklich fast jeder leisten kann. Wenn das Modell in Serie gehen würde, dann könnte es angeblich für 7500 Euro angeboten werden.

Jetzt könnte man natürlich argumentieren, dass das Valeo-Management hier vielleicht ebenfalls den Mund etwas zu voll nimmt. Immerhin müsste ja auch für dieses im Januar auf der CES-Messe vorgestellte Modell erst mal eine effiziente Fertigungsstraße gebaut werden. Aber ich halte das für glaubwürdig und denke, dass ein Fertigungsdienstleister wie Magna International (WKN:868610), der aktuell in Österreich mit Jaguars brandneuem Elektroflaggschiff I-Pace beschäftigt ist, das Ding zu entsprechenden Kosten liefern könnte.

Schließlich wurde das Auto durch und durch auf Kosteneffizienz getrimmt. Vor allem die 48-Volt-Architektur, die normalerweise bei Hybridfahrzeugen zum Zuge kommt, aber für einen Kleinstwagen offenbar ausreichend ist, bringt eine Menge. So wird zum einen die Anzahl der Komponenten reduziert und zum anderen kann auf teure Hochvolttechnik verzichtet werden. Auch die Beschränkung auf 100 Kilometer Reichweite spart Kosten und Gewicht für die Batterie und verringert zudem den Montageaufwand.

Man kann nicht alles haben

Valeos Show-Fahrzeug ist sicherlich kein Tesla-Herausforderer, aber darum geht es hier auch nicht. Vielmehr zeigt das Beispiel, dass man nicht alles auf einmal haben kann. Wer auf der Bühne glänzen will wie Audi und BMW, der muss auch mit der entsprechenden Komplexität umgehen können und auf diesem Gebiet sind die deutschen Hersteller schwer zu schlagen.

Effizienzvorteile in der Fertigung können aus meiner Sicht nur mit radikal vereinfachten Ansätzen herausgeholt werden, wie es Valeo beispielhaft mit seiner Chinakugel zeigt. Auch Volkswagens Modularer Elektrifizierungsbaukasten, der ab 2020 die Basis für alle neuen Elektromodelle bietet, wird die Fertigungskosten voraussichtlich erheblich drücken.

Für Tesla wird es also nicht leichter, sich gegenüber der etablierten Konkurrenz zu behaupten. Ob die Amerikaner wohl bis zum Produktionsstart von Model Y die richtigen Lehren ziehen werden? Es bleibt spannend, aber als Aktionär würde ich mich zunächst eher auf das Schlimmste gefasst machen, um mich dann zu freuen, wenn es doch besser kommt.

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Ralf Anders partizipiert über ein von ihm betreutes Indexzertifikat an der Aktienentwicklung von Valeo. The Motley Fool besitzt und empfiehlt Aktien von Tesla. The Motley Fool empfiehlt BMW.

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