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Könnte Facebook als kostenpflichtiger Dienst überleben?

Foto: The Motley Fool

Facebook (WKN:A1JWVX)-COO Sheryl Sandberg hat kürzlich den Cambridge-Analytica-Skandal in einem NBC News Interview angesprochen und zugegeben, dass das Unternehmen durch die „Zusicherungen“ der Datenunternehmen getäuscht wurde und früher hätte reinen Tisch machen sollen. Sandberg bemerkte auch, dass Facebook sich auf gezielte Anzeigen stütze, um ein kostenloser Service zu bleiben, und dass es „ein bezahltes Produkt“ wäre, wenn es den Nutzern die Möglichkeit geben würde, sich von seinen gezielten Anzeigen abzumelden.

Facebook hat erklärt, dass das Unternehmen keine Pläne habe, einen kostenpflichtigen Dienst einzuführen, und dass Co-Geschäftsführerin Sheryl Sandberg nur hypothetisch darüber gesprochen habe. Die Washington Post befragte ihre Leser jedoch, ob sie für die Nutzung von Facebook bezahlen würden. 42 % der Befragten gaben zum Zeitpunkt dieser Umfrage an, dass sie 1 bis 7 US-Dollar pro Monat für die Nutzung einer werbefreien Version des sozialen Netzwerks zahlen würden. Auf der anderen Seite gaben 42 % der Befragten an, dass Facebook sie stattdessen für ihre persönlichen Daten bezahlen sollte.

Kann Facebook als Bezahldienst überhaupt funktionieren?

Der Verbraucher oder das Produkt?

Apples (WKN:865985) CEO Tim Cook kritisiert oft „kostenlose“ Internetdienste wie Facebook und Alphabets (WKN:A14Y6H) Google, weil sie über die Gewinnung von Nutzerdaten gezielte Werbung einsetzen. Bereits 2014 widersprach Cook der Strategie solcher Dienste mit den Worten: „Sie sind dort nicht der Kunde. Sie sind das Produkt.“

Facebook und Google tragen jedoch nicht die ganze Schuld, da die meisten Internetnutzer daran gewöhnt sind, kostenfreie Plattformen zu nutzen und nur bereit sind, für eine Handvoll Dienste Abonnementgebühren zu zahlen. Daher nutzen viele Websites, App-Entwickler und Internetunternehmen werbefinanzierte Geschäftsmodelle.

Wenn sich diese Gewohnheiten nicht ändern, werden Unternehmen wie Facebook und Google weiterhin gezielte Anzeigen erstellen, um Geld zu verdienen. Facebook verkauft keine personenbezogenen Daten an Marketer. Stattdessen können Inserenten Zielgruppen unter den Nutzern nach Geschlecht, Alter, Standort, Vorlieben, den Seiten, denen sie folgen, und anderen Informationen ansprechen. Der Cambridge-Analytica-Datenskandal trat auf, weil Facebook es Drittanbietern erlaubte, auf die persönlichen Profile der Nutzer zuzugreifen – eine Lücke, die das Unternehmen 2014 schloss.

Würde ein „Freemium“-Modell funktionieren?

Facebook ist eigentlich besser positioniert als Google, um ein Geschäftsmodell mit kostenlosen und kostenpflichtigen Diensten zu starten. Facebook hat monatlich 2,1 Milliarden aktive Nutzer (MAUs), von denen viele durch ihre eigenen sozialen Verbindungen und gemeinsamen Inhalte in sein Ökosystem eingebunden sind.

Es gibt keine echte Alternative zu Facebook. Microsofts Bing ist jedoch eine brauchbare Alternative zu Googles Suchmaschine und es gibt eine Reihe von Optionen für E-Mail und für cloudbasierte Datenspeichersysteme, die die Nutzer außerhalb des Google-Ökosystems nutzen können. Daher scheint es näher zu liegen, einen Bezahldienst bei Facebook einzuführen, als Google in einen bezahlten Dienst zu verwandeln.

Viele werbefinanzierte Internetunternehmen nutzen das Freemium-Modell. Alphabets YouTube ist ein kostenloser Service, aber YouTube-Red-Abonnenten erhalten werbefreie Videos und können Musik streamen. Pandora und Spotify bieten beide kostenlose, werbefinanzierte Musikstreams und kostenpflichtige, werbefreie Optionen.

Jede dieser Plattformen hat mehr kostenlose Nutzer als zahlende Abonnenten. Die Nutzer melden sich langsam, aber sicher für weitere werbefreie Dienste an. Facebook könnte theoretisch Anzeigen entfernen, die Optionen zur Anpassung des Newsfeeds erweitern und exklusive Videos auf Facebook Watch für die zahlenden Nutzer einführen. Das könnte sogar den Grundstein für den lang gehegten Plan legen, ins Musik-Streaming-Geschäft einzusteigen.

Aber wie viel würdest du für Facebook bezahlen?

Facebook verdiente letztes Jahr 82 US-Dollar an jedem nordamerikanischen Mitglied, was 6,83 US-Dollar pro Nutzer und Monat entspricht. Weltweit erwirtschaftete das Unternehmen für das Jahr etwa 20 US-Dollar an Werbeeinnahmen pro Mitglied, was 1,67 US-Dollar pro Nutzer und Monat entspricht.

Theoretisch könnten die Facebook- Nutzer die gezielte Werbung durch die Zahlung von nur wenigen US-Dollar pro Monat abbestellen. Es ist jedoch wichtig zu beachten, dass die Werbeeinnahmen des Unternehmens im vergangenen Jahr um satte 49 % gestiegen sind, was bedeutet, dass Facebook höhere Abonnementgebühren verlangen könnte, um etwaige Verluste an Werbeeinnahmen pro Nutzer zu ersetzen.

Eine Verschiebung hin zu einem Freemium-Modell könnte auch die Anzahl der verfügbaren Anzeigen auf Facebook drosseln, was die Anzeigenpreise insgesamt erhöhen würde. Eine solche Änderung würde es wahrscheinlich erfordern, dass Facebook sein Geschäftsmodell ändert, um freie und bezahlte Dienste erfolgreich in Einklang zu bringen.

Es scheint unwahrscheinlich, dass Facebook in Kürze eine kostenpflichtige werbefreie Version veröffentlichen wird. Aber es ist strategisch sinnvoll, wenn das Unternehmen klären will, wie es Geld verdient, und das Vertrauen der Mainstream-Nutzer zurückgewinnen möchte. Fürs Erste sollten die Investoren beachten, dass die Internetnutzer  bereit sind, für qualitativ hochwertige Dienstleistungen zu zahlen – aber es ist unklar, ob Facebook diesen Schritt gehen wird.

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Suzanne Frey, eine Führungskraft bei Alphabet, ist Mitglied des Vorstands von The Motley Fool. Teresa Kersten ist Mitarbeiterin von LinkedIn und Mitglied des Vorstands von The Motley Fool. LinkedIn ist Eigentum von Microsoft.

The Motley Fool besitzt und empfiehlt Alphabet (A-Aktien), Alphabet (C-Aktien), Apple, Facebook und Pandora Media. The Motley Fool hat folgende Optionen: Long Januar 2020 $150 Calls auf Apple und Short Januar 2020 $155 Calls auf Apple.

Dieser Artikel wurde von Leo Sun auf Englisch verfasst und wurde am 13.04.2018 auf Fool.com veröffentlicht. Er wurde übersetzt, damit unsere deutschen Leser an der Diskussion teilnehmen können.

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