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Steht kanadischen Unternehmen eine Baisse bevor?

Foto: The Motley Fool.

Man könnte meinen, dass angesichts der relativ guten Verfassung der Weltwirtschaft Regierungen und Unternehmen in der Lage wären, die Schuldenlast zu reduzieren, anstatt sie zu erhöhen. Traurigerweise ist das weit von der Wahrheit entfernt.

Die kanadische Regierung, die zwischen 1997 und 2008 elf aufeinander folgende Haushaltsüberschüsse geschafft hat, wird im Haushaltsjahr 2018 ein Defizit von 18,1 Milliarden CAD ausweisen. Danach plant sie, in den nächsten vier Jahren jeweils ein Defizit von 15 Milliarden CAD zu erreichen. Unterdessen plant die Regierung von Ontario, im kommenden Haushaltsjahr ein Defizit von 8 Milliarden CAD zu verzeichnen, nachdem sie ein ganzes Jahrzehnt lang für den Ausgleich der Bücher gebraucht hat.

Im südlichen Nachbar USA, wo das Land mit Vollbeschäftigung, Steuersenkungen und höheren Ausgaben funktioniert, hat Amerika mit einer Rekordverschuldung der Regierung und der Unternehmen zu kämpfen.

„Wenn man jetzt, in dieser sehr starken Phase des Zyklus, keine schwarze Null schafft, passiert es vielleicht niemals“, sagte Doug Porter, Chefökonom der Bank of Montreal in der kanadischen Zeitung Globe and Mail. „Und da Regierungen ihre Finanzen jetzt absichtlich schwächen, gibt es ihnen weniger Spielraum und weniger Kraft im nächsten Abschwung… Ich glaube nicht, dass wir auf den Verbraucher zählen können, der uns dann aus dem nächsten Abschwung herausholt.“

Die Verschuldung der Unternehmen steigt weiter an

Noch im Jahr 2006 mussten kanadische Nicht-Finanzunternehmen weniger als 0,19 CAD pro Dollar Betriebsergebnis zur Bedienung ihrer Schulden aufwenden. Heute ist das um 26 % auf 0,24 CAD von jedem Dollar des operativen Einkommens gestiegen.

In einer Zeit, in der kanadische Unternehmen schuldenfrei oder in der Nähe davon sein sollten, stapeln viele Schulden richtiggehend an. In den USA hat sich die Gesamtverschuldung der Unternehmen in den letzten zehn Jahren verdreifacht, so dass der Verschuldungsgrad auf einem höheren Niveau liegt als vor der Wirtschaftskrise 2008.

Zugegeben, mit Zinssätzen, die heute viel niedriger sind als damals, ist es einfacher, einen höheren Schuldenstand zu rechtfertigen, aber wenn die Wirtschaft ins Stocken gerät, wie es eigentlich immer der Fall ist, werden die Anleger am Ende in die Röhre schauen.

Sind kanadische Unternehmen auf den nächsten Abschwung vorbereitet? Nun, wie auch beim letzten Mal wird man es wahrscheinlich erst sehen, wenn es soweit ist.

Dennoch können wir uns die finanzielle Situation von Großunternehmen wie Restaurant Brands International (WKN:A12GMA) ansehen, um uns ein Bild zu machen.

Wachstum durch Akquisitionen

Wer Restaurant Brands folgt, weiß, dass der Konzern noch bis 2014 Burger King hieß. Dann kam 3G Capital und machte mit Hilfe von Warren Buffett einen Steuer-Inversions-Deal, um Tim Hortons für 12,5 Milliarden Dollar zu kaufen. Zum Zeitpunkt der Transaktion waren die Unternehmenssteuersätze in Kanada niedriger, aber jetzt nach der Senkung der US-Steuer dank Trump sind sie es nicht mehr.

Der letzte Quartalsbericht von Burger King war das dritte Quartal zum 30. September 2014. Damals hatte man langfristige Verbindlichkeiten in Höhe von 2,9 Milliarden US-Dollar, Zinszahlungen von 152 Millionen US-Dollar in den ersten neun Monaten des Jahres und ein Betriebsergebnis von 132 Millionen US-Dollar.

Im ersten vollen Jahr nach der Fusion von Burger King und Tim Hortons zu Restaurant Brands International hatte man langfristige Schulden in Höhe von 8,5 Milliarden US-Dollar, Zinszahlungen von 478 Millionen US-Dollar und ein Betriebsergebnis von 1,2 Milliarden US-Dollar.

Keine Frage, der Kauf von Tim Hortons half dem Betriebsergebnis, das sich nach der Transaktion fast verzehnfachte.

Schließlich erwarb Restaurant Brands im Jahr 2017 Popeyes Louisiana Kitchen für 1,8 Milliarden US-Dollar. Am Ende des Geschäftsjahres 2017 hatte Restaurant Brands 11,8 Milliarden US-Dollar an langfristigen Verbindlichkeiten, Zinsaufwendungen von 512 Millionen US-Dollar und ein Betriebsergebnis von 1,7 Milliarden US-Dollar.

Innerhalb von 39 Monaten hat Restaurant Brands die Verschuldung um 307 % erhöht und das Betriebsergebnis um 1.188 % gesteigert. Das ist nicht übel.

Seit Ende 2015 (dem ersten 12-Monats-Geschäftsjahr des Unternehmens) ist die langfristige Verschuldung jedoch um 39 % gestiegen, während das Betriebsergebnis nur um 42 % – nicht annähernd so beeindruckend wie vorher noch 1.188 % – gestiegen ist.

Ist das Kanada bereit für einen Abschwung?

Wer weiß? Aber ich weiß, dass es am TSX viele ähnliche Beispiele gibt wie Restaurant Brands, die Schulden angehäuft haben und auf Dividenden-Rückzahlung verzichten. Das kommt 3G Capital viel mehr zugute als Privatanlegern.

Wenn es abwärts geht, hat 3G Capital Milliarden an Dividenden – der Privatanleger natürlich nicht mal annähernd so viel.

Ich sage nicht, dass das passieren wird. Sollte es aber so kommen, dann wäre das die Folge.

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The Motley Fool besitzt Aktien von Restaurant Brands International.

Dieser Artikel von Will Ashworth erschien am 28.3.18 auf Fool.ca. Er wurde übersetzt, damit unsere deutschen Leser an der Diskussion teilnehmen können.

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