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3 allgegenwärtige Kryptowährungs-Rätsel

Foto: Getty Images

Im Jahr 2017 war der Kryptowährungsmarkt praktisch nicht mehr aufzuhalten. Im Laufe des Jahres stieg die kombinierte Marktkapitalisierung aller virtuellen Währungen um fast 600 Milliarden US-Dollar, was prozentual mehr als 3.300 % entspricht. Man kann es sehr wohl als die beeindruckendste 12-Monats-Rendite für eine Anlageklasse betrachten, die wir je erleben werden.

In diesem Jahr gab es jedoch eine große Kehrtwende. Nachdem die Marktkapitalisierung am 7. Januar mit 835 Milliarden US-Dollar ihren Höhepunkt erreicht hatte, sind die Kryptowährungen auf weniger als 250 Milliarden US-Dollar gefallen, was einem Wertverlust von 70 % entspricht. Praktisch keine digitale Währung wurde verschont. Einige, wie z. B. Ripple, verzeichneten in den letzten drei Monaten Verluste von fast 90 %.

Doch nicht nur die Volatilität hat sich in den letzten Monaten verstärkt. Eine Reihe von allgegenwärtigen Rätseln um die digitalen Währungen machte die Runde, was zu wachsender Unsicherheit und sogar zu negativen Auswirkungen auf einige wenige börsennotierte Aktien geführt hat. Hier sind drei Kryptowährungs-Rätsel, die einfach nicht ignoriert werden können.

1. Das Proof-of-Concept-Rätsel

Wenn es ein Problem gibt, das als das größte Problem für Kryptowährungen bezeichnet werden könnte, dann wäre es meiner Meinung nach das Proof-of-Concept-Rätsel, das mit der Blockchain-Technologie verbunden ist.

Die Blockchain ist der digitale, verteilte und dezentrale Speicher, der für die transparente Erfassung von Transaktionen zuständig ist, bei der kein Dritter, wie z. B. eine Bank, benötigt wird. In noch einfacherem Deutsch ist es eine Möglichkeit, Geldmittel und Daten zu übertragen, ohne dass man auf traditionelle Bankennetze angewiesen wäre. Die gesamte Entwicklung der Blockchain basiert auf der Erkenntnis, dass das gegenwärtige Bankensystem bis zu fünf Werktage benötigte, um Transaktionen abzuwickeln, und sie auch noch Transaktionsgebühren erhoben. Die Blockchain löst dieses Problem, indem es Zahlungen wesentlich schneller (praktisch in Echtzeit) abwickelt sowie die Banken aus der Gleichung herausnimmt und damit die Transaktionsgebühren verringert.

Das sieht am Papier wahrscheinlich großartig aus, und es gab keinerlei Mangel an Unternehmen, die bereit waren, die Blockchain in kleinen Projekten zu testen. Die Enterprise Ethereum Alliance hat weit über 250 Organisationen aus der ganzen Welt um sich versammelt, um eine Version der Open-Source-Blockchain von Ethereum in verschiedenen Branchen und Szenarien zu testen.

Ein Problem bleibt jedoch bestehen: die Skalierbarkeit in der Praxis. Obwohl wir viele erfolgreiche Blockchain-Tests und -Projekte beobachtet haben, konnte man keine Blockchain in einem großangelegten, realen Szenario testen. Noch wichtiger ist, dass noch kein Markenunternehmen beschlossen hat, auf die Blockchain zu setzen und seine bestehenden Systeme zu ersetzen.

Das Problem ist folgendes: die Unternehmen werden erst dann auf die Blockchain umsteigen, wenn ihre Skalierbarkeit in der Praxis bewiesen ist — aber es gibt keine Möglichkeit, diese Skalierbarkeit zu beweisen, wenn keine großen Unternehmen den Wechsel vornehmen. Bis es irgendeine Lösung zu dieser Zwickmühle gibt, bleibt die Wette auf die Blockchain ein gefährliches Unterfangen für die Investoren.

2. Das Rätsel um die Regulierung

Ein weiteres Problem, das Kryptowährungsinvestoren dazu veranlassen könnte, sich die Haare zu raufen, ist das Rätsel um die Regulierung.

Seit Januar haben Kryptowährungen wie Bitcoin einiges einstecken müssen, da einige Länder die Aufsicht der virtuellen Währung verschärft haben. So kündigte Südkorea im Januar an, dass die Banken die Identität ihrer Mitglieder überprüfen müssen, wenn ihre Konten mit einer Kryptobörse verbunden werden sollen. Mit anderen Worten, wenn zusätzliches Geld investiert werden sollte, war Anonymität in Südkorea nicht mehr möglich.

In den USA haben wir einen ähnlichen Schritt in Richtung Transparenz erlebt. Der Internal Revenue Service (IRS) gewann im November ein Gerichtsverfahren gegen die bekannte Krypto-Börse Coinbase und verlangte die Übergabe von Informationen über die Nutzer, die zwischen 2013 und 2015 mehr als 20.000 US-Dollar in Bitcoin gehandelt hatten.

Da nur 800 bis 900 Steueranmeldungen jährlich in diesen Jahren von Kapitalgewinnen eingereicht wurden, ist es ziemlich offensichtlich, dass die IRS gegen die virtuelle Steuerhinterziehung vorgehen wird. Die Verabschiedung des Tax Cuts and Jobs Act, mit dem der Austausch gleichartiger Währungen abgeschafft wurde, ist ein weiterer Beweis dafür, dass die Vereinigten Staaten die virtuelle Währungslandschaft transparenter machen wollen.

Als die Kryptowährungen zum ersten Mal ins Rampenlicht gerückt wurden, war es ihre Anonymität, die die Investoren anzog. Sie wurden als die Traumwährung der Liberalisten angesehen. Doch mit zunehmender Regulierung ist das nicht mehr gegeben.

Das Rätsel lautet: Damit Kryptowährungen ernst genommen werden und eine langfristige Zukunft haben, bedarf es einer Regulierungsgrundlage. Das steht jedoch im Widerspruch zu dem Kernprinzip, das die Investoren in erster Linie zu virtuellen Währungen hingezogen hat. Es wird schwierig sein, die Notwendigkeit der Regulierung und den Wunsch nach Unabhängigkeit in Einklang zu bringen.

3. Das Krypto-Mining-Rätsel

Schließlich gibt es noch eine richtig harte Nuss, mit der sich die Grafikkartenhersteller NVIDIA (WKN:918422) und Advanced Micro Devices (WKN:863186) in Sachen Kryptowährungs-Mining auseinandersetzen müssen.

Kryptowährungs-Mining beschreibt einen der häufigsten Prozesse, mit denen die Blockchain-Transaktionen verifiziert werden. Dabei konkurrieren Menschen oder Unternehmen mit Hochleistungsrechnern, um als erste komplexe mathematische Gleichungen zu lösen, die das Ergebnis der Verschlüsselung sind, um diese Transaktionen vor Hackern zu schützen. Der erste, der diese Gleichungen löst, erhält eine „Blockprämie“. Diese Belohnung wird in den Token der Kryptowährung ausgezahlt, die abgebaut wird. Auf diese Weise verdienen die Miner Geld.

Nicht alle virtuellen Währungen sind dazu geeignet, aber Bitcoin, Ethereum, Bitcoin Cash und Litecoin — vier der fünf größten nach Marktkapitalisierung — werden tatsächlich gemint. Das Mining ist ein sehr intensiver Prozess, da er sehr viel Strom verbraucht und einiges an Hardware benötigt. Bitcoin braucht dazu spezielle ASIC-Chips (Application Specific Integrated Circuit).

Nun, hier das Rätsel: Die Preise für Grafikkarten haben sich als Folge der Nachfrage nach Kryptowährungs-Mining verdoppelt, verdreifacht oder sogar vervierfacht. Das war schön für NVIDIA und AMD, aber es ist ein echtes Problem für ihre wichtigsten Grafikkartenkunden, die entweder Videospielbegeisterte oder Geschäftsleute sind.

NVIDIA und AMD müssen sich entscheiden, ob sie nichts unternehmen und Angebot und Nachfrage die Preise diktieren lassen, was dazu führen könnte, dass sie einige ihrer Kernkunden verlieren oder ob sie spezifische Grafikkarten für das Mining auf den Markt bringen — und damit den jüngsten Umsatzanstieg, den sie durch den Mining-Wahn erzielt haben, verringern. Es ist für beide Unternehmen also eine No-Win-Situation.

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The Motley Fool besitzt und empfiehlt Nvidia, hat aber keine Position in den genannten Kryptowährungen.

Dieser Artikel wurde von Sean Williams auf Englisch verfasst und am 10.04.2018 auf Fool.com veröffentlicht. Er wurde übersetzt, damit unsere deutschen Leser an der Diskussion teilnehmen können.

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