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5 Gründe, warum Bitcoin als First Mover im Nachteil ist

Foto: Getty Images.

Der Gesamtwert des Kryptowährungsmarktes liegt derzeit bei etwa 276 Milliarden Dollar. Im Januar 2018 war mit über 810 Milliarden Dollar der bisherige Höhepunkt erreicht. Während der Gesamtmarkt 1.600 verschiedene Token umfasst, macht Bitcoin alleine erstaunliche 45 % der gesamten Marktkapitalisierung aus. Kein Wunder also, dass man bei Gesprächen rund um Krypto und Blockchain in den meisten Fällen von Bitcoin redet, das so etwas wie das Synonym für diesen Markt geworden ist.

Doch wie so oft bei neuen Technologien ist es nicht immer von Vorteil, Vorreiter zu sein. Entgegen der landläufigen Meinung ist es eher üblich, dass der First Mover einen Nachteil zu beklagen hat. Der Grund ist einfach: Newcomer können sich zurücklehnen, aus den Fehlern der Vorreiter lernen und dann ein verbessertes Produkt, Geschäftsmodell oder – in diesem Fall – eine Blockchain einführen.

Das gilt leider auch für Bitcoin. Hier sind fünf Gründe, warum der König der Krypto-Währungen einen First-Mover-Nachteil hat.

1 Bitcoin unterstützt keine Smart Contracts

Bitcoin ist eine Blockchain der ersten Generation, die wirklich nur eine der vielen großartigen Anwendungen der Blockchain-Technologie nutzt: Peer-to-Peer-Zahlungen. Das war’s dann auch. Während diese einzelne Funktion durchaus einen Mehrwert liefert, kann sie nicht viel dazu beitragen, Bitcoin von den meisten anderen Krypto-Währungen zu unterscheiden.

Das war bisher kein großes Thema, dürfte sich in naher Zukunft aber als eines erweisen. Warum? Blockchains der nächsten Generation werden mehr Vielseitigkeit und Leistungsfähigkeit zeigen und an Bedeutung gewinnen. So unterstützt das Ethereum-Netzwerk (eine Blockchain der zweiten Generation) dezentrale Smart Contracts, die es ermöglichen, komplexere Finanztransaktionen durchzuführen als Bitcoin. Cardano (eine Blockchain der dritten Generation) plant einen Schritt weiter zu gehen, indem sie noch komplexere intelligente Verträge als Ethereum zulässt – ist aber noch nicht soweit.

Dass Bitcoin keine Smart Contracts unterstützt, ist ein Nachteil. Einfache Transaktionen, die nur Zahlungen von einem Benutzer zum nächsten übertragen, dürften bald als Thema durch sein. Andere Blockchains und ihre entsprechenden Token aber werden um lukrative Märkte im Bankwesen, im kommerziellen Supply Chain Tracking, in der Verteidigung und anderswo werben.

2 Langsamere Transaktionszeiten

Obwohl Bitcoin der aktuelle Krypto-König der Peer-to-Peer-Zahlungen ist, bietet es eine berühmt-berüchtigte langsame Transaktionsgeschwindigkeit von nur sieben Transaktionen pro Sekunde. In der Praxis bedeutet das, dass die Abrechnung mit Bitcoin im Vergleich zu anderen Token länger dauert. Zum Beispiel kann Ethereum 20 Transaktionen pro Sekunde verarbeiten, während die Blockchain von Ripple ganze 1.500 Transaktionen in einer Sekunde verarbeiten kann. Andere Blockchains und Token können noch mehr verarbeiten. Zur Einordnung: Visa kann bis zu 24.000 Transaktionen pro Sekunde verarbeiten, es gibt also für Blockchain im Allgemeinen noch gut was zu tun.

3 Das Mining ist ineffizient

Damit ein verteiltes Finanznetzwerk vertrauenswürdig arbeiten kann, muss sich die Mehrheit des Netzwerks auf die gleichen Antworten einigen, wenn es die Transaktionsdaten auf ihre Richtigkeit überprüft und die Blöcke, aus denen sich die Blockchain zusammensetzt, aufbaut. Daher verwenden Blockchain-Netzwerke einen so genannten Konsensalgorithmus, der alles von der Vervollständigung des Verzeichnissees bis hin zur Netzwerksicherheit betrifft. Aber der Prozess ist nicht bei allen Blockchains gleich.

So wird beispielsweise das digitale Verzeichnis von Bitcoin durch einen Prozess namens „Mining“ erstellt und überprüft, der das als Arbeitsnachweis bezeichneten Konsensverfahren beschreibt. Für das Mining, das enorme Rechenleistung erfordert, erhalten die Nutzer Belohnungen in Form von neu erstellten Bitcoin-Tokens und Transaktionsgebühren. Je mehr Rechenleistung, desto größer die mögliche Belohnung.

Das führt zu Problemen, da der Energiebedarf schwindelerregend hoch ist, was zu Besorgnis über die Umweltverträglichkeit von Bitcoin geführt hat. Da das digitale Verzeichnis in den kommenden Jahren immer schwieriger zu zu erweitern sein wird (und immer mehr Energie benötigt) und die Belohnungen an Wert verlieren, befürchten einige, dass das Netzwerk auf Probleme stoßen könnte – etwa ein Wertverlust und mangelnde Akzeptanz.

Das ist der Grund, warum neuere Blockchains einen Konsens-Algorithmus namens „Proof of Stake“ verwenden. Das Ziel bleibt das gleiche wie der Nachweis der Arbeit, aber der Prozess ist ganz anders. Token werden zu Beginn und nicht erst im Laufe der Zeit durch das Mining erzeugt. Benutzer, die bei der Validierung des digitalen Verzeichnisses helfen wollen, werden nach dem Zufallsprinzip ausgewählt und erhalten einen Teil der Transaktionsgebühren proportional zur Anzahl der Token, die sie besitzen (also eine Art Krypto-Dividendenzahlung). Das ist energieeffizienter, zukunftssicherer und potenziell sicherer als ein Arbeitsnachweis.

4 „Off Chain Governance“-Modell

Der Prozess, durch den sich Blockchains anpassen und weiterentwickeln, wird durch das Governance-Modell jedes Netzwerks bestimmt. Da wird auch bestimmt, wie über Sorftware-Aktualisierungen abgestimmt wird. Klingt nicht so wichtig, aber die Netzwerke, die die Bedeutung übersehen haben, haben einige schlechte Erfahrungen gemacht. Man spricht von sogenannten „Forks“.

Wenn das Bitcoin-Netzwerk die Software, mit der es arbeitet, ändern will, muss man sich in zwei separate Blockchain „verzweigen“. Meistens setzt sich dabei jene Blockchain durch, die von den Minern angenommen wird. Die andere Version (alt oder neu) stirbt. Es gibt Ausnahmen, wie z.B. Bitcoin Cash, das nach dem Verzweigen (Forking) aus dem ursprünglichen Bitcoin-Netzwerk erstellt wurde. Trotzdem forderte das eine unangenehme Entscheidung der Investoren.

Die Gabelung ist also ein nicht ganz so gelungener Weg, um Software zu aktualisieren, vor allem, wenn es dabei um Milliarden von Dollar geht. Blockchains der nächsten Generation wollen dieses Problem lösen, indem sie On-Chain-Governance-Modelle einführen, bei denen alle Stakeholder vor der Implementierung von Updates abstimmen können. Damit sollen Forks vermieden werden. Im Gegensatz zu Bitcoin werden neue Blockchains von Teams aus echten Menschen erstellt. Diese mangelnde Flexibilität von Bitcoin kann das Risiko mit sich führen, dass sich zukünftige Updates von Bitcoin für Investoren als schmerzhaft erweisen.

5 Fehlen eines Ökosystems

Während Bitcoin derzeit 45 % der gesamten Marktkapitalisierung der Kryptowährungen ausmacht, besteht ein etwa gleich großer Teil des Marktes aus Token, die aus dem Ethereum-Netzwerk durch ICOs hervorgegangen sind. Im Gegensatz zu Ethereum ist Bitcoin kein Ökosystem, in dem andere Entwickler leicht neue Anwendungen entwickeln können, um zusätzlichen Wert zu schaffen. Das heißt, der Wert von Bitcoin basiert allein auf dem, was der Markt von der Peer-to-Peer-Transaktionsfähigkeit hält.

Das könnte zu einem gravierenden Nachteil werden, da die nächste Generation von Blockchain-Netzwerken mit der Veröffentlichung von Updates beginnt. Deren Fähigkeiten werden erweitert, und Softwareentwickler, die dezentralisierte Anwendungen auf der Blockchain erstellen möchten, bekommen noch mehr Tools zur Verfügung. Denn wenn Netzwerke wie NEO, Ethereum und Cardano neben anderen wichtigen Funktionen, die von Smart Contracts bis hin zu aktualisierten Konsensalgorithmen reichen, auch noch Peer-to-Peer-Transaktionen ermöglichen, kann sich der Markt leicht von Bitcoin verabschieden.

Bitcoins Nachteile

Bitcoin hat also einige Makel, die vor allem diese Währung allein betreffen. Das gilt besonders, wenn man sich die Blockchains der nächsten Generation ansieht, die eben nach Bitcoin gestartet sind und aus den Fehlern der ersten Generation gelernt haben. Bitcoin kann auf lange Sicht nur schwer überleben, da es gleich mehrere Nachteile zu beklagen gibt, die die neuen Player am Markt nur allzu gerne lösen.

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The Motley Fool besitzt und empfiehlt Aktien von Visa und hält keine der erwähnten Krypto-Währungen. Dieser Artikel von Maxx Chatsko erschien am 4.4.18 auf Fool.com. Er wurde übersetzt, damit unsere deutschen Leser an der Diskussion teilnehmen können.

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