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Warum kauft Gilead nicht jetzt schon Intercept Pharmaceuticals?

Foto: The Motley Fool.

Das Management von Gilead Sciences (WKN:885823) hat sich auf der Suche nach neuem Wachstum, um die sinkenden Hep-C-Einnahmen zu ersetzen, auf die Behandlung von nichtalkoholischer Steatohepatitis (NASH) festgelegt. NASH ist eine chronische Lebererkrankung, von der schätzungsweise 80-100 Millionen Menschen allein in den USA betroffen sind. Tatsächlich nannte CEO John Milligan kürzlich auf einer Gesundheitskonferenz NASH das „dritte große Standbein“ für das Geschäftsmodell von Gilead.

Der FXR-Agonist (Farnesoid-X-Rezeptor) von Intercept Pharmaceuticals (WKN:A1J5U0), Oclavia, ist ein wichtiger Regulator des Gallensäurespiegels in der Leber und im Dünndarm, und ist potenziell gut für die Marktführerschaft bei NASH positioniert. Oclavia ist das einzige Medikament, das von der Food and Drug Administration die Bezeichnung „bahnbrechende Therapie“ für NASH erhalten hat. Die Regenerate-3-Studie des Medikaments sollte bis Mitte 2019 vorläufige Daten liefern — Daten, die einen Zulassungsantrag unterstützen könnten.

Warum kauft Gilead also nicht einfach das Unternehmen (und sein Medikament)?

Man hält das Medikament nicht für das beste seiner Kategorie

Es gibt genug Daten, die diese Vermutung untermauern. Ocaliva warnt auf der Packung vor den ernsten Nebenwirkungen — sogar tödliche –, die bei bestimmten Patienten mit Leberzirrhose eintreten können, daher gibt es viel Raum für ein Konkurrenzmedikament mit einem verbesserten Nebenwirkungsprofil.

Gilead hat seinen eigenen FXR-Agonisten, GS-9674, und das Management glaubt daran. Gileads Chief Scientific Officer Norbert Bischofberger hat in der Vergangenheit spekuliert, dass Gileads FXR-Agonist „ohne Nebenwirkungen gleichermaßen aktiv sein könnte“.

Die Zeit wird zeigen, ob Gilead Recht hat. GS-9674 befindet sich noch in der Zwischenphase (weit hinter Ocaliva), also müssen wir abwarten, ob die Daten Bischofbergers Vermutung bestätigen. Gilead entwickelt zudem auch zwei weitere potenziell wichtige NASH-Medikamente für verschiedene Krankheitsbilder: Selonsertib (ein ASK-1-Inhibitor) und GS-0976 (ein ACC-Inhibitor).

Dieses ist kein Zeichen dafür, dass Gilead die FXR-Agonisten als besonders spekulativ ansieht und versucht, das Risiko auf mehrere Kandidaten zu verteilen. Tatsächlich sagte Bischofberger auf einer kürzlich stattgefundenen Gesundheitskonferenz: „FXR-Agonisten haben sich, würde ich sagen, bei NASH bewährt. Es gab die FLINT-Studie, die von einem anderen Unternehmen durchgeführt wurde und die eindeutig zeigte, dass der Wirkstoff wirksam ist.“

Die FLINT-Studie wurde übrigens von Intercept durchgeführt. Wenn man die Studie eines Konkurrenten als Beweis dafür anführt, dass eine Medikamentenklasse wirkt, ist das ein ziemlich gutes Zeichen, dass der Konkurrent in der Entwicklung ein kleines Stück voraus ist und dass man sich auf seine Forschung und sein Konzept verlassen kann.

Gilead beabsichtigt bei der Entwicklung mehrerer Medikamente herauszufinden, ob die Kombinationen der Behandlungen, die auf die verschiedenen Elemente von NASH (d.h. die Entzündungs-, Stoffwechsel- und fibrotischen Komponenten) abzielen, noch besser wirken können als die einzelnen Medikamente.

Ein zu hoher Preis

Intercept hat derzeit eine Marktkapitalisierung von etwa 1,7 Milliarden US-Dollar, was das Unternehmen zu einem Schnäppchen macht — angenommen, Ocaliva hat noch Potenzial außerhalb der primären biliären Cholangitis (PBC), einer Autoimmunerkrankung der Leber. In anderen Worten, wenn du denkst, dass das Medikament zugelassen wird und Geld mit NASH oder primärer sklerosierender Cholangitis (PSC) verdient, dann ist das Unternehmen wohl unterbewertet. Immerhin schätzen die Analysten, dass PBC allein rund 300 Millionen US-Dollar an jährlichen Spitzenumsätzen wert ist, was bedeutet, dass das Unternehmen auf etwas mehr als das Fünffache des jährlichen Spitzenumsatzes geschätzt wird. Das Drei- bis Fünffache wäre im Biotech-Bereich eine häufig gezahlte Prämie. Das wäre aber dann nicht mehr günstig.

Dennoch kann das Unternehmen aus einem einfachen Grund für Gileads Geschmack zu teuer sein: Das Intercept-Management verlangt möglicherweise keine Prämie für seine derzeitige Marktkapitalisierung, sondern eine Prämie für seine potenzielle Spitzenmarktkapitalisierung. Die Aktien von Intercept sind aufgrund der bereits erwähnten tödlichen Nebenwirkungen und des aktualisierten Markenzeichens weit von ihren Höchstständen entfernt. Aber da das Management knüpft jede mögliche Bewertung an die alten Höchststände, als Ocaliva auf etwa das Doppelte seiner derzeitigen Marktkapitalisierung von 1,7 Milliarden US-Dollar kam.

ICPT-DATEN VON YCHARTS.

Dies ist ein bekanntes Problem in der Biotechnologie. Tatsächlich hat Milligan es kurz und bündig formuliert, als er auf einer Gesundheitskonferenz 2016 über Fusions- und Übernahmemöglichkeiten im Allgemeinen (die nicht direkt mit Intercept zusammenhängen) sprach: „Ändert sich die Einstellung des Managements in Bezug auf die Marktkapitalisierung, und die Antwort ist fast immer nein. Das Hoch ist jetzt der Mindestbetrag.“

Wenn das Management von Intercept die Dinge aus dieser Perspektive angeht, könnte Gilead Ocaliva mögen und sich trotzdem dafür entscheiden, Intercept nicht zu kaufen — denn offen gesagt gibt es viel zu viele offene Fragen rund um Ocaliva für eine Bewertung von 3,5 Milliarden US-Dollar oder mehr.

Vielleicht werden wir die wirkliche Antwort nie erfahren

Und damit kann ich leben. Am Ende des Tages positioniert sich Gilead als Portfolio-Player bei NASH, mit Medikamenten, die die Krankheit aus verschiedenen Richtungen angreifen. Ich glaube, dass dieser globale Ansatz die beste Möglichkeit für die Investoren heute ist. Ich respektiere auch die Tatsache, dass die 36,7 Milliarden US-Dollar in der Bilanz von Gilead ein Zeichen für gute Ausgabendisziplin sind.

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The Motley Fool besitzt Aktien von Gilead Sciences. The Motley Fool hat folgende Optionen: Short Mai 2018 $ 85 Calls auf Gilead Sciences auf.

Dieser Artikel wurde von Michael Douglass auf Englisch verfasst und am 05.04.2018 auf Fool.com veröffentlicht . Er wurde übersetzt, damit unsere deutschen Leser an der Diskussion teilnehmen können.

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