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Der große Deal von Daimler und BMW: Die Details, die Konkurrenz und die Erfolgsaussichten

Foto: car2go

BMW (WKN:519000) und Daimler (WKN:710000) streiten sich seit Jahrzehnten um die Vormachtstellung im Premiumsegment. Nun machen sie gemeinsame Sache bei Mobilitätsservices. Hier erfährst du die Überraschungen des längst angekündigten Zusammenschlusses, du erfährst, welchen Konkurrenten sich Daimler und BMW damit stellen und warum sich der Zusammenschluss als kluge Entscheidung herausstellen könnte.

Die Details des Deals im Überblick

Bereits seit einiger Zeit kursierten Gerüchte und gesicherte Erkenntnisse um die Fusion der Car-Sharing-Dienste DriveNow (BMW) und car2go (Daimler). Es ging nur noch um die Details, die aber jetzt vereinbart wurden und für Überraschungen sorgten. Das neue Unternehmen ist nämlich deutlich größer als von vielen zunächst angenommen. Um es vorwegzunehmen: Ich finde das ziemlich gut. Aber der Reihe nach.

Neben den beiden Car-Sharing-Diensten umfasst das Gemeinschaftsunternehmen viele weitere Serviceangebote von BMW und Daimler. Darunter sind vor allem der Ride-Hailing-Service MyTaxi, moovel und ReachNow, zwei Services, die unterschiedliche Mobilitätsangebote vernetzen, die intelligenten Parkdienste ParkNow und Parkmobile sowie die öffentlichen Ladepunkte von ChargeNow und Digital Charging Solutions.

Spannend bleibt für mich aber, wie die Unternehmen mit den weiteren Serviceangeboten umgehen werden, die laut Unternehmensmitteilungen nicht in das Gemeinschaftsunternehmen übergehen. Insbesondere Daimler hat mit den angekündigten Europa-Starts von Via (Ride-Sharing-Angebot mit Vans) und Turo (private Vermietung von Autos) einige weitere vielversprechende Angebote im Aufbau.

Aber auch ohne diese Projekte, die zugegebenermaßen noch in den Kinderschuhen stecken, ist der Zusammenschluss von bedeutender Größe. Die damit verbundenen Ergebnis- und Bewertungseffekte wirken sich nicht nur positiv auf das Ergebnis der Daimler-Financial-Services-Geschäftseinheit aus, sondern auch auf das Daimler-Konzernergebnis.

Die Konkurrenz schläft nicht

Mobilitätsservices sind in der Branche derzeit ein wirklich heißes Thema. Jeder spricht davon und jeder versucht, einen Fuß in die Türe zu bekommen. Die Marktabschätzungen der Branchenanalysten, die in den kommenden Jahren durchgehend einen mehrere Hundert Milliarden US-Dollar großen Markt sehen, wecken die Aufmerksamkeit der Automanager und branchenfremder Unternehmen.

Die heißesten Namen sind dabei oft die aufstrebenden Unternehmen wie Waymo, Lyft oder Uber. Aber auch die traditionellen Autobauer wollen ihren Anteil an den künftigen Umsätzen und Gewinnen sichern. Kürzlich haben ganze sieben traditionelle Autobauer neue Mobilitätsservice-Töchter gegründet oder die Gründung angekündigt: Ford mit Ford Mobility, Maven von General Motors, InMotion von JLR (Jaguar Land Rover), Moia durch VW, Free2Move durch Group PSA (unter anderem Opel und Peugeot) und nun auch Volvo, ohne aber einen Namen zu verraten.

Im Unterschied dazu betreiben Daimler und BMW ihre Car-Sharing-Dienste nun bereits seit beinahe einem Jahrzehnt. Und auch wenn Uber und Lyft in den vergangenen Jahren viel Aufmerksamkeit erhielten und die Nutzerzahlen beider Unternehmen rasant gesstiegen sind, so stehen beide Unternehmen in meinen Augen vor einem großen, aber notwendigen Umbruch. Derzeit vertrauen beide auf private Fahrer, die ihre privaten Fahrzeuge und ihre Fahrdienste gegen Bezahlung zur Verfügung stellen. Spätestens wenn autonome Roboter-Taxis die Fahrdienste übernehmen, muss das Eigentum der Fahrzeuge meiner Meinung nach zwingend beim Betreiber des Services liegen.

Waymo, das Tochterunternehmen von Alphabet, macht es vor. In den letzten Jahren konzentrierte sich das Unternehmen zunächst sehr stark auf die Technologie hinter dem autonomen Fahren. Nun aber steht der Einstieg in Mobilitätsservices an. Erst kürzlich wurde ein Deal mit Jaguar veröffentlicht, die Waymo für einen neuen Robo-Taxi-Service einige Autos liefern werden. Auch General Motors plant mit Cruise für das nächste Jahr die Einführung eines Robo-Taxi-Dienstes.

Sowohl Waymo als auch Cruise beschreiben in meinen Augen einen deutlichen Trend, wie künftig ein zuverlässiger, sicherer, reibungsloser und großer Car- und Ride-Sharing-Service aufgebaut sein sollte. Nämlich mit dem Betrieb eigener Fahrzeuge ‒ egal ob gekauft oder geleast. Denn nur so kann für die Sicherheit garantiert werden.

Übrigens, genauso machen es Daimler und BMW bereits seit Jahren. Natürlich noch nicht mit selbstfahrenden Autos, sondern solchen mit Lenkrad und Pedalen.

Das Gemeinschaftsunternehmen von Daimler und BMW ist konkurrenzfähig

Lassen wir Uber und Lyft beiseite und vergleichen die viel beachtete Ankündigung von Waymo und Jaguar mit DriveNow und car2go. Dabei wird eines deutlich: Die Verbindung von Daimler und BMW ist ein ernstzunehmender Akteur auf diesem Feld.

Waymo möchte in den kommenden zwei Jahren 20.000 selbstfahrende Jaguar in seinen Mobilitätsservice integrieren. Dazu kommt eine nicht näher definierte Zahl von Tausenden Chrysler Pacifica. Daimler und BMW zusammen betreiben heute bereits eine Flotte von 20.000 Fahrzeugen, verteilt auf 31 Städte in ihren Car-Sharing-Diensten. Zusätzlich haben beide Unternehmen zusammen bereits vier Millionen Kunden von ihrem Service überzeugt, die für die entsprechende Auslastung der Fahrzeuge sorgen.

Daimler und BMW betreiben also bereits heute das Geschäft in einem Umfang, den Waymo nun erst aufbaut. Natürlich bleibt noch der Unterschied der Technik. Auf der einen Seite autonome Fahrzeuge, auf der anderen Seite konventionelle Fahrzeuge mit Lenkrad und Pedalen. Aber ist es wirklich eine große Herausforderung, die Fahrzeuge auszutauschen oder schrittweise zu ersetzen, sobald die Akzeptanz bei den Nutzern vorhanden ist? Ich glaube nicht.

Hinzu kommt noch ein weiterer entscheidender Vorteil für BMW und Daimler. Aufgrund der Erweiterung des Gemeinschaftsunternehmens durch myTaxi, Europas größte Taxi-Vermittlungs-App, 140.000 Ladepunkte für Elektroautos, intelligente Parkleitsysteme und Apps, die all diese Services verknüpfen, ist das Angebot gegenüber Waymo, Uber und auch Lyft deutlich umfassender.

Keine Frage, die Konkurrenz ist groß und ich glaube auch, dass es auf diesem Markt am Ende deutlich weniger Anbieter geben wird, als heute Autobauer vorhanden sind. Am Ende werden sich die meisten Kunden einer Region für einen, nämlich den besten Anbieter entscheiden. Und das wird der Anbieter sein, der das umfassendste und bequemste Angebot bieten kann.

Mit dem Gemeinschaftsunternehmen haben Daimler und BMW in meinen Augen die richtigen Weichen gestellt und die Chancen damit deutlich erhöht, diese Plattform der Wahl zu sein.

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Sven besitzt Aktien von BMW und Daimler. Suzanne Frey arbeitet als Führungskraft bei Alphabet und sitzt im Vorstand von The Motley Fool. The Motley Fool besitzt und empfiehlt Aktien von Alphabet (A- und C-Aktien). The Motley Fool empfiehlt BMW, Daimler und Ford.

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