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Was zum Teufel ist mit Ripple los?

Foto: Getty Images

Letztes Jahr hat scheinbar jeder, der die nötigen Mittel und die Geduld hatte, mit Kryptowährungen Geld verdient. Zwischen Anfang und Ende 2017 stieg die kombinierte Marktkapitalisierung der virtuellen Währungen um mehr als 3.300 % oder fast 600 Milliarden US-Dollar auf nominaler Basis.

Während Bitcoin oft als führend in diesem Trend angesehen wird, ging es in der zweiten Hälfte des Jahres 2017 um die Entstehung anderer Token im dem Schatten von Bitcoin. Der Aufstieg der Blockchain-Technologie, gepaart mit einer Fülle von Partnerschafts- und Projektankündigungen, hat bisher unbekannte Kryptowährungen in den Mittelpunkt gerückt. Unter ihnen war Ripple, die am Ende über 35.500 % im Jahr 2017 gewonnen hat.

Die treibende Kraft hinter Ripple und die Blockchain

Ripple hat, wie Bitcoin, einen Nischenfokus. Während Bitcoin darauf ausgerichtet ist, das führende Tauschmittel bei den Händlern zu werden, konzentriert sich Ripple auf die Zusammenarbeit mit so vielen Finanzinstituten wie möglich, um die wahrgenommenen Schwächen des derzeitigen Bankensystems zu verbessern.

Bei Ripple in San Francisco dreht sich alles um die Blockchain-Technologie. Die Blockchain ist der digitale, verteilte und dezentrale Speicher, der für die transparente und unveränderliche Protokollierung von Transaktionen ohne die Notwendigkeit einer dritten Partei, wie z. B. einer Bank, verantwortlich ist. Die Entwicklung der Blockchain ist das Ergebnis langsamer Zahlungsvalidierungs- und Abwicklungszeiten, insbesondere bei grenzüberschreitenden Transaktionen mit dem derzeitigen Bankensystem, sowie der Überzeugung, dass die Banken bei Transaktionen, mit denen sie nichts zu tun hatten, Gebühren für sich behalten.

Die Blockchain selbst bringt drei große Vorteile mit sich. Erstens ist sie dezentralisiert, d. h. die Daten werden nicht an einem einzigen Ort gespeichert, sondern auf Computern auf der ganzen Welt. Dies schützt die Blockchain-Netzwerke vor der Kontrolle einer einzigen Einheit, einschließlich Unternehmen und Hackern. Zweitens, die Blockchain entfernt Banken aus der Gleichung. So können die Gebühren gesenkt werden. Schließlich könnte die Blockchain die Transaktionsbearbeitungszeiten von mehrtägigen Wartezeiten bei Auslandszahlungen auf nahezu Echtzeit beschleunigen. Diesen letztgenannten Vorteil hat Ripple in den letzten Jahren mit der Blockchain-Technologie voll zur Geltung gebracht.

In letzter Zeit hat sich Ripple eine Reihe von Markenpartnern geschnappt. Zwei der bemerkenswertesten Partnerschaften, die Mitte November bekannt gegeben wurden, sind American Express (WKN:850226) und Banco Santander. Die Vereinbarung sieht vor, dass Nicht-Kartenzahlungen an britische Santander-Konten über das internationale Zahlungsnetzwerk von AmEx über die Blockchain von Ripple abgewickelt werden, was zu einer nahezu sofortigen Validierung und Abrechnung führt.

Nicht lange danach, im Januar, kündigten Ripple und MoneyGram International (WKN:A1JNTV) eine strategische Partnerschaft an, bei der MoneyGram die XRP-Token von Ripple als Mittel zur Beschleunigung der On-Demand-Liquidität und Geldtransferverarbeitung testen wird. Stell dir vor, du schickst US-Dollar nach Großbritannien und lässt MoneyGram diese US-Dollar in XRP-Münzen umwandeln, dann XRP-Münzen in Pfund, alles in Sekundenschnelle und gegen eine Gebühr, die nur einen Bruchteil eines Cent beträgt.

Was ist mit Ripple los?

Doch bei aller Begeisterung um Ripple ist der XRP-Coin im Wert gefallen. Nachdem der XRP Anfang Januar ein Allzeithoch von 3,84 US-Dollar erreicht hatte, wurde er in der vergangenen Woche laut CoinMarketCap.com für 0,47 US-Dollar gehandelt, was einem Rückgang von fast 88 % in drei Monaten entspricht. Autsch!

Was zum Teufel ist los mit Ripple, dass die digitale Währung in nur drei Monaten mehr als 130 Milliarden US-Dollar an Marktkapitalisierung verloren hat? Werfen wir einen Blick darauf.

1. Es ist ein Bereich mit starkem Wettbewerb

Das erste Problem ist, dass das, was Ripple auf den Tisch bringt, nicht unbedingt neu ist. Sicher, diese digitale Währung hat Finanzinstitute zu seinem RippleNet hinzugefügt, und sie hat in kleinen Tests und Demos gezeigt, dass seine Blockchain Daten schnell und effizient übertragen kann. Wir haben aber auch andere Kryptowährungen gesehen, wie z. B. Stellar, die virtuelle Währung, die wahrscheinlich der größte Konkurrent von Ripple ist. Der Lumens-Coin von Stellar wird im Südpazifik in der Blockchain von IBM eingesetzt. Dabei hat sich gezeigt, dass Lumens alles kann, was XRP kann, mit schnellen Verarbeitungszeiten und ähnlich geringen Transaktionskosten.

An dieser Stelle sei auch darauf hingewiesen, dass Ripple nicht nur der Konkurrenz anderer Kryptowährungen ausgesetzt ist. Auch die Finanzinstitute selbst entwickeln eine Blockchain-Technologie für den Zahlungsverkehr, die teilweise unabhängig von einem virtuellen Token arbeiten kann.

Darauf aufbauend gibt es keine Garantien, dass die Blockchain, die Ripple auf den Markt bringt, die beste Lösung für die Bankenbranche ist. Die Hürden für den Einstieg in die Entwicklung und das Testen von der Blockchain sind sehr gering. Es erfordert nur Zeit, Geld und ein Team von Computerprogrammierern. Daher sind Finanzinstitute möglicherweise nicht bereit, sich darauf einzulassen, da Ripple in ein paar Monaten schon veraltet sein könnte.

2. Zentralisierung?

Ein anderes Thema? Darüber hinaus gibt es das stichhaltige Argument, dass Ripple selbst nicht dezentralisiert ist. Als nicht geminter Token ist der Großteil der XRP-Token in den Händen des Managements von Ripple konzentriert. Nun hat Ripple argumentiert, dass, wenn das Unternehmen morgen verschwinden würde, dass die XRP-Token weiterbestehen würden, was beweist, dass es keine zentralisierte Einheit ist. Da das Management von Ripple jedoch die Kontrolle über eine so große Anzahl von XRP hat, wird davon ausgegangen, dass es auf die zukünftige Entwicklung und den wirtschaftlichen Weg des Unternehmens viel Einfluss hat. Nicht wenige Investoren scheuen dieses Zentralisierungspotenzial.

3. Ein Missverständnis

Ein dritter Grund, warum Ripple ausverkauft wurde, könnte ein Missverständnis der Investoren sein, was gut für das Unternehmen ist. Denk daran, dass nicht alle Kryptowährungen notwendigerweise „gewinnorientiert“ sind – aber Ripple ist es. Während sich die meisten Leute auf die Annahmstellen der XRP-Coins und die Anzahl der Transaktionen pro Tag konzentrieren, hat XRP-Annahme praktisch nichts mit dem Erfolg von Ripple zu tun.

Betrachte stattdessen Ripple als ein Geschäft, denn es ist nichts Anderes als das. Der Fokus liegt auf dem Verkauf des Blockchain-Netzwerks als Dienstleistung an Finanzinstitute. Wenn mehr Finanzinstitute weiterhin Ripples Blockchain einsetzen und die Transaktionsgebühren steigen, dann haben die Investoren etwas, worüber sie sich freuen können. Das ist jedoch unwahrscheinlich, da wir bei weitem nicht genug reale Tests und Akzeptanz gesehen haben, um wirklich zufrieden zu sein.

4. Gewinnmitnahmen

Schließlich solltest du die Möglichkeit einer Gewinnmitnahme nicht außer Acht lassen. Nach einem Anstieg von mehr als 35.500 % im Jahr 2017 dürfte es nicht verwundern, dass sich die Anleger ihre Kursgewinne zu Geld machen.

Lange Rede kurzer Sinn, der Zweifel scheint gerechtfertigt zu sein. Ripple hat ein schnelles Netzwerk und einige beeindruckende frühe Partnerschaften, aber diese digitale Währung ist bei weitem nicht der einzige Fisch in einem immer enger werdenden Teich. Ripple wird wahrscheinlich weit über den Proof-of-Concept-Test hinausgehen müssen, wenn die Kryptowährung die derzeitige Marktkapitalisierung von mehr als 19 Milliarden US-Dollar rechtfertigen will.

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The Motley Fool besitzt eine Shortposition auf IBM, hat aber keine Position in den genannten Kryptowährungen. The Motley Fool empfiehlt American Express.

Dieser Artikel wurde von Sean Williams auf Englisch verfasst und wurde am 06.04.2018 auf Fool.com veröffentlicht. Er wurde übersetzt, damit unsere deutschen Leser an der Diskussion teilnehmen können.

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