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Peinlich! Die viel gepriesene Bezahlplattform von Litecoin gibt schon vor dem Start auf

Foto: Getty Images

Die Chancen stehen nicht schlecht, dass die Wertentwicklung von Kryptowährungen im Jahre 2017 noch lange Gesprächsthema ist. Dank des Anstiegs der Marktkapitalisierung von mehr als 3.300 % könnte es das beste Jahr einer Anlageklasse gewesen sein, das wir je erleben werden.

Bitcoin, die weltweit bekannteste und von den Händlern am meisten akzeptierte Kryptowährung, wird häufig die Führung bei diesen Gewinnen zugeschrieben. Auf lange Sicht ist das auch wahr. Allerdings traten in der zweiten Jahreshälfte 2017 weitere Kryptowährungen aus dem Schatten von Bitcoin.

Unter ihnen war auch Litecoin. Ich nenne diese virtuelle Währung gern den Erzrivalen von Bitcoin.

Litecoin macht sich einen Namen

2017 galoppierte Litecoins LTC-Token um mehr als 5.200 % nach oben. Das ist vier Mal so viel, wie Bitcoin in dieser Zeit erreichte. Die Liste an Katalysatoren, die große Begeisterung bei den Investoren auslöste, war lang. Es sollten Händler gewonnen und Bitcoin Marktanteile abgejagt werden.

Charlie Lee, Gründer von Litecoin, gab im Juni 2017 einen Job bei Google auf, um sich voll und ganz auf Litecoin zu konzentrieren. Dieser Schritt wurde als positiv interpretiert, da nun erwartet wird, dass er Litecoin mit aller Kraft auf den Weg bringen wird und die Verbreitung der virtuellen Währung vorantreibt.

Zudem hat Litecoin ein paar Wettbewerbsvorteile gegenüber Bitcoin, die eine schnelle Marktdurchdringung erwarten ließen. Bitcoin erstellt ca. alle zehn Minuten einen Block. Wenn man bedenkt, dass man sechs Blöcke abwarten soll, bis die Transaktion als unveränderlich angesehen wird, kommt man auf eine Stunde zwischen Anweisung der Zahlung und Abschluss der Transaktion. Das ist zwar immer noch schneller als das heutige Bankensystem für Auslandsüberweisungen, aber im Vergleich zu anderen Kryptowährungen ist es sehr langsam.

Die Blöcke von Litecoin werden in einem Viertel der Zeit validiert – 2,5 Minuten. Das führt zu einem schnelleren Abschluss und der Vermutung, dass das Netzwerk schneller skalieren kann als Bitcoin. Litecoins Transaktionsgebühren sind außerdem im Durchschnitt deutlich niedriger als die von Bitcoin.

Litecoin sah also in allen Punkten wie ein aufkeimendes Zahlungsmittel aus, das eines Tages Bitcoin den Rang ablaufen könnte. 2018 änderte sich die Situation jedoch völlig.

Litecoins peinlicher Fauxpas

Mitte Februar, während viele Kryptowährungen unter dem ersten großen Einbruch seit Jahren litten, stach Litecoin hervor. Zahlreiche Umstände halfen dabei, den LTC-Token zu stützen. Den größten Einfluss hatte die Ankündigung, LitePay zu veröffentlichen. LitePay sollte eine Bezahlplattform sein, die speziell für Litecoin zugeschnitten ist (auch, wenn sie unabhängig von Litecoin entwickelt wurde).

Start sollte am 26. Februar 2018 sein.

Litecoin wollte sich BitPay anschließen, wurde aber abgelehnt. Daher wurde die Entwicklung von LitePay als wichtiger Schritt angesehen. Nutzer mit Mobilgeräten und Desktop-PCs – und vielleicht auch mit vernetzten Debitkarten – hätten darüber mit dem LTC-Token Waren und Dienstleistungen bezahlen können. Dieser Token hätte dann in eine Fiatwährung wie Euro, US-Dollar oder Britische Pfund umgewandelt werden können. Die Gebühren sollten bei 1 % liegen. Das Ziel war die Beschleunigung der Verbreitung des LTC-Tokens als Zahlmittel. Das Beste daran, die Zahlung sollte fast in Echtzeit abgewickelt werden. So hätte man die Sorgen der Händler beruhigt, die befürchten, dass Kryptowährungen ihre Margen auffressen.

Leider hat sich LitePay als Trugbild herausgestellt. Charlie Lee, der das Projekt als Massenzahlungsplattform vertrat, steht nun ziemlich dumm da.

Am 5. März, eine Woche nachdem LitePay an den Start gegangen sein sollte, gaben die Entwickler in einer E-Mail bekannt, dass „es alle möglichen Händler prüft“ und noch keine Kartenregistrierung durchführt, „aufgrund der negativen Einstellung und drastischen Maßnahmen der Kartenaussteller gegenüber Kryptowährungsunternehmen“.

Aber nur zwei Wochen später, am 16. März, informierte LitePays CEO Kenneth Asara Litecoin, welches als Investor des LitePay-Projektes fungierte, dass es seinen Betrieb einstellt und plant, das Unternehmen zu verkaufen. In weniger als einem Monat musste man von der Ankündigung zum Eingestehen des Scheiterns umschwenken.

Der Litecoingründer Lee schrieb in einem Tweet: „Wie jeder andere waren wir zu euphorisch über etwas, was zu gut war, um wahr zu sein. Und wir haben in unserem Optimismus viele Warnsignale übersehen. Es tut mir leid, dieses Unternehmen so gehypt zu haben und gelobe, meine Due Dilligence in Zukunft besser zu machen.

Was du siehst, ist nicht immer, was du bekommst

Investoren in Kryptowährungen müssen sich vielleicht an Enttäuschungen wie diese gewöhnen. Der Kryptomarkt ist unreguliert. Darum kann die Vermarktung, Produktenwicklung und Partnerschaftsbekanntgabe ziemlich durcheinander sein.

Beispielsweise gab es letztes Jahr November eine große Verwirrung um IOTA, nachdem es die Betaversion seines Datenmarktplatzes ankündigte. Dieser Marktplatz ist ein blockchainbasiertes Netzwerk, über das Unternehmen ungenutzte Daten teilen oder verkaufen können. Drei Duzend bekannte Unternehmen waren Teilnehmer auf dem Marktplatz und lieferten wichtiges Feedback für IOTA. Allerdings klang es in der Ankündigung von IOTA so, als ob es sich dabei um Partner handelt. Die Folge war, dass der MIOTA-Token an Wert gewann. IOTA musste später klarstellen, dass dies nicht der Fall ist. Dies drückte den MIOTA-Token nach unten und bremste das Projekt aus.

Selbst bei Litecoin gibt es mehr als einen Fall neben dem LitePay-Debakel, in dem die Dinge nicht so liefen, wie geplant. Lee verneinte, dass eine eigenständige Entwicklergruppe Litecoin forkt und eine neue Krytowährung namens Litecoin Cash entwickelt. Der Fork fand tatsächlich statt, brach aber nach dem Hardfork mehr als 95 % ein.

Überraschungen wie diese sind also eher die Regel als die Ausnahme im Kryptowährungsmarkt. Die Behörden können nicht viel dagegen ausrichten, solang die Regulierung nicht stark genug ist. Regulierung wird zwar oft als Feind virtueller Währungen gesehen, aber eine höhere Transparenz sollte das Vertrauen bei den Investoren verbessern.

Die Frage, die sich stellt, ist: Wie lang müssen wir warten, bis die US-Regierung Regeln erlässt, sodass diese Debakel der Vergangenheit angehören? Bis diese Frage nicht geklärt ist, bleibt das Investieren in Kryptowährungen ein riskantes Unterfangen.

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Suzanne Frey, Führungskraft bei Alphabet, ist Mitglied des Vorstandes von The Motley Fool. The Motley Fool hält und empfiehlt Aktien von Alphabet (A-Aktien) und Alphabet (C-Aktien). The Motley Fool hält keine der erwähnten Kryptowährungen.

Dieser Artikel wurde von Sean Williams auf Englisch verfasst und am 5.4.2018 auf Fool.com veröffentlicht. Er wurde übersetzt, damit unsere deutschen Leser an der Diskussion teilnehmen können.

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