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4 Wege, wie die Marihuana-Aktien die Wall Street enttäuschen könnten

Quelle: Colorado Marijuana Enforcement Division.

Wenige Industrien sind heutzutage lebhafter als die legale Marihuana-Industrie. Laut Gallup, das seit den späten 1960er Jahren Umfragen über die Wahrnehmung von Cannabis durchführt, bevorzugen heute mehr Menschen die Legalisierung von Pot – fast zwei von drei Befragten – als zu irgendeinem Zeitpunkt in der Geschichte. Diese dramatische Veränderung, zumindest in den USA, hat viele Menschen begeistert.

Darüber hinaus hat der legale Cannabisabsatz außerordentlich stark zugenommen. Das Cannabis-Forschungsunternehmen ArcView stellte fest, dass der legale Marihuanaverkauf in Nordamerika im vergangenen Jahr um 33 % auf 9,7 Milliarden US-Dollar gestiegen ist. Bis zum Jahr 2021, selbst wenn die USA bei der Schedule I-Klassifizierung für Marijuana bleiben, könnten die Verkäufe von nordamerikanischem Marihuana 24,5 Milliarden US-Dollar erreichen. Das ist ein Wachstum, das die Wall Street und die Einzelinvestoren einfach nicht ignorieren können.

Seit einiger Zeit freuen sich die Investoren über die Aussichten in Kanada, Freizeitmarijuana für Erwachsene zu legalisieren. Mit Ausnahme von Uruguay hat kein anderes Land Pot für den Konsum von Erwachsenen legalisiert, und schon gar keine entwickelten Länder. Da Kanada mit der medizinischen Cannabisindustrie den Grundstein gelegt hat, könnte die Legalisierung von Cannabis für Erwachsene einen Jahresumsatz von 5 Milliarden US-Dollar oder mehr generieren.

Risiken sind im Überfluss vorhanden, und die Pot-Aktien könnten die Wall Street enttäuschen

Auf dem Papier sieht legales Marihuana wie eine verlustfreie Investition aus. Es gibt jedoch immer Risiken, die mit der Investitionen in eine wachstumsstarke Branche verbunden sind, und eine Handvoll Faktoren könnten auf die Investoren zurückfallen. Sind hier vier Möglichkeiten, wie die Pot-Aktien die Wall Street in der nahen und mittleren Zukunft wirklich enttäuschen könnten.

1. Heimisches Überangebot vernichtet Cannabismargen

Die wohl größte Sorge aus Kanada ist, dass eine Kapazitätserweiterung zu einer absoluten Flut von Marihuana führen könnte, die die Cannabispreise pro Gramm senken und die Margen zerstören wird.

Zugegebenermaßen hat niemand eine Ahnung, wie die Binnennachfrage aussehen könnte. Verschiedene Berichte der Provinz- und/oder Bundesregierung sowie die Schätzungen der Branchenanalysten gehen oft von einem jährlichen Bedarf von rund 800.000 Kilogramm getrocknetem Cannabis aus. Einige der größten jährlichen Unternehmen produzieren aber folgende Mengen:

  • Canopy Growth (WKN:A140QA): geschätzte 300.000 Kilogramm, wenn nicht mehr.
  • Aurora Cannabis (WKN:A12GS7): geschätzte 283.000 Kilogramm.
  • Aphria: geschätzte 230.000 Kilogramm.
  • MedReleaf: geschätzte 140.000 Kilogramm.
  • OrganiGram Holdings (WKN:A12AQF): geschätzte 113.000 Kilogramm.

Allerdings bilden diese fünf Anbauer einen relativ kleinen Ausschnitt aus den mehr als 90 von Health Canada zugelassenen Unternehmen. Doch diese fünf Anbauer produzieren mehr als 1,06 Millionen Kilogramm. Wenn wir die Dutzenden anderer Erzeuger hinzuzählen, die nicht erfasst sind, ist es nicht ausgeschlossen, auf 1,5 Millionen bis 1,8 Millionen Kilogramm Jahresproduktion zu kommen. Wir könnten bis zum Jahr 2020 mit einem Überangebot von 1 Million Kilogramm auf dem kanadischen  Markt rechnen.

Die gute Nachricht ist, dass es Möglichkeiten gibt, dieses Überangebot über den Export abzubauen. Canopy Growth, Aurora Cannabis und Aphria, zum Beispiel, haben alle Zugang zu mehreren Überseemärkten, die medizinisches Cannabis legalisiert haben. Allerdings scheint es zu optimistisch, dass das Ausland bis zu 1 Million Kilogramm Überangebot pro Jahr ausgleichen kann. Mit anderen Worten, die Margen sind ein ernstes Problem.

2. Verwässerung belastet die Investoren

Als nächstes könnten die Wall Street und die Investoren von den negativen Auswirkungen der Verwässerung überrascht werden – d. h. von der Zunahme der Anzahl der ausstehenden Aktien, die jede bestehende Aktie weniger knapp macht.

Die meisten öffentlich gehandelten Marihuana-Aktien, unabhängig davon, ob sie in Kanada, den USA oder anderswo beheimatet sind, haben an der einen oder anderen Stelle mit Finanzierungsproblemen zu kämpfen. Denk daran: Mit Ausnahme von Uruguay ist Marihuana immer noch überall illegal. Dies bedeutet, dass die meisten Banken nicht bereit sind, den Marihuana-Produzenten Geld zu leihen oder Kreditlinien zu eröffnen. Außerdem verlieren die meisten Pot-Aktien Geld. Wenn sie zufällig profitabel sind, generieren sie nur ein paar Millionen US-Dollar an operativem Cashflow, was nicht ausreicht, um die kostspieligen Kapazitätserweiterungen und Übernahmen, die derzeit durchgeführt werden, abzudecken.

Stattdessen haben sich die Pot-Aktien zu verwässernden Kaufangeboten entwickelt, bei denen Stammaktien, Wandelschuldverschreibungen, Aktienoptionen und/oder Optionsscheine angeboten werden. Die gute Nachricht ist, dass die Buy-Deal-Angebote erfolgreich Kapital für eine breite Palette von Cannabis-Unternehmen gesammelt haben. Aber was die Investoren oft nicht wissen, ist, was diese Kapitalerhöhungen mit den ausstehenden Aktien machen. Nicht nur, dass die Stammaktien die Anleger im Vorfeld verwässern, sondern auch die Optionen, Optionsscheine und Wandelschuldverschreibungen könnten zu einer anhaltenden Verwässerung über Monate oder Jahre hinweg führen.

So hat Aurora Cannabis seit Ende des Geschäftsjahres 2014 die Anzahl der Aktien um mehr als 2.900 % auf fast 490 Millionen Aktien erhöht. Diese Zahl berücksichtigt jedoch nicht die laufenden Optionen, Optionsscheine und Wandelschuldverschreibungen sowie die Aktien, die zum Abschluss der Übernahme von CanniMed Therapeutics ausgegeben wurden.

Außerdem könnte diese Verwässerung es für die Potaktien schwierig machen, einen aussagekräftigen Gewinn zu erzielen. Es ist möglich, dass Aurora Cannabis ein Nettoeinkommen von 6 Millionen US-Dollar erzielen muss, nur um einen Gewinn pro Aktie von 0,01 US-Dollar zu erzielen.

3. Solidere Investitionen

Ein weiterer Faktor, der die Wall Street überraschen könnte, ist die Rendite. Nach einer neunjährigen Hausse in den USA waren die Aktien in den letzten zwei Monaten auf einer Achterbahn. Damit wird jetzt eher in solide Werte als in Wachstumsaktien investiert. Solche Werte findet man wahrscheinlich nicht in der Marihuana-Industrie.

Dem käme OrganiGram Holdings vielleicht noch am nächsten, das mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis-Wachstumsverhältnis von weniger als 0,5 und einem erwarteten Kurs-Gewinn-Verhältnis von unter 29 bewertet wird. Die Wall Street schenkt diesem mittelständischen Anbauer nicht viel Anerkennung, obwohl das Unternehmen kürzlich die jährlichen Produktionsziele von 65.000 Kilogramm auf 113.000 Kilogramm angehoben hat.

Dies hat damit zu tun, dass der Kapazitätsausbau von OrganiGram voraussichtlich erst im April 2020 abgeschlossen sein wird, was die Chancen des Unternehmens auf langfristige Lieferverträge im Vergleich zu den Mitbewerbern beeinträchtigen könnte.

Abgesehen von OrganiGram gibt es keine solchen Werte. Canopy Growth Corp. zum Beispiel hat immaterielle Aspekte, die es für die Pot-Aktien-Investoren sehr attraktiv machen. Der Spirituosenriese Constellation Brands hat Ende letzten Jahres einen Anteil von 9,9 % an dem Unternehmen erworben und verfügt über mehrere Möglichkeiten, das Produkt über die Online-Betriebe, den stationären Einzelhandel und strategische Partner zu verkaufen. Aber Canopy Growth ist auch ein Unternehmen, das vielleicht nicht einmal bis 2020 oder darüber hinaus profitabel ist, da es alles in die Vertriebs- und Wachstumskanäle reinvestiert.

Lange Rede kurzer Sinn, wenn die wertorientierten Investoren in den nächsten Quartalen von der Cannabisindustrie Wind bekommen, könnte es hässlich werden.

4. Jeff Sessions lässt es krachen

Schließlich hat der U.S. Attorney General Jeff Sessions noch die Möglichkeit, den Potfans die Sache zu verderben. Seit Anfang Januar, als Sessions bekannt gab, dass er das Cole-Memo zurückzieht, sind die Pot-Aktien stark gefallen.

Dieses Memo, das vom ehemaligen stellvertretenden Generalstaatsanwalt James Cole erstellt wurde, skizzierte Richtlinien, denen die Staaten folgen müssen, wenn sie sich die Bundesregierung vom Hals halten wollten. Diese Richtlinien beinhalteten Aspekte wie „Cannabis darf den Anbaustaat nicht verlassen“, und das Sicherstellen, dass Jugendliche vom Pot fern gehalten werden. Die Aufhebung des Memos am 4. Januar öffnete die Tür für Staatsanwälte Strafanzeige gegen Einzelpersonen und Unternehmen erheben, die gegen das Gesetz zu kontrollierten Substanzen verstoßen.

Obwohl Sessions keine Kontrolle über die kanadischen Unternehmen hat, hat er sicherlich die Möglichkeit dafür zu sorgen, dass die USA keine führende Rolle im Cannabis-Geschäft spielen wird. Er hat auch die USA als Exportmöglichkeit ausgeschlossen und damit die Hoffnungen der kanadischen Investoren verletzt.

Natürlich wissen wir auch, dass Sessions es vorziehen würde, dass Marihuana völlig illegal bleibt. Sollte Sessions seinen Krieg gegen Cannabis fortsetzen, könnten die Marihuana-Aktien das zu spüren bekommen.

Niemand weiß genau, was die Zukunft für Marihuana-Aktien hält, aber diese Risikofaktoren legen nahe, dass es wahrscheinlich Turbulenzen geben wird.

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The Motley Fool besitzt keine der erwähnten Aktien.

Dieser Artikel wurde von Sean Williams auf Englisch verfasst und wurde am 05.04.2018 auf Fool.com veröffentlicht. Er wurde übersetzt, damit unsere deutschen Leser an der Diskussion teilnehmen können.

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