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Ölaktien: Die Geduld der Investoren schwindet und jetzt drängen sie auf Veränderung

Foto: The Motley Fool.

Die Ölaktien haben sich in der jüngsten Vergangenheit miserabel entwickelt. Die meisten sind im letzten Jahr zurückgegangen, obwohl der Ölpreis um fast 25 % gestiegen ist. Diese Underperformance angesichts eines sich verbessernden Ölmarktes hat die Geduld der Investoren erschöpft und eine wachsende Zahl von Aktivisten dazu veranlasst, die Unternehmen dazu zu drängen, etwas dagegen zu unternehmen.

Wo sind die Ergebnisse?

Energen (WKN:866793) gehörte zu den ersten Öl- und Gasunternehmen, die zum Ziel eines aktivistischen Investors wurden. Corvex Management, das 9,9 % der ausstehenden Aktien besitzt, drängt das Unternehmen seit mehr als einem Jahr, Änderungen im Vorstand vorzunehmen oder sich zum Verkauf anzubieten. Man ist der Ansicht, dass Energen „im Kern des Perm-Beckens eine erstklassige Position hat, aber seit Jahren mit einem, wie wir glauben, erheblichen Abschlag auf seinen Basiswert handelt“. Während sich Energen in der Vergangenheit diesen Ouvertüren widersetzte, führte der zunehmende Druck von Corvex das Unternehmen zu einer kürzlich getroffenen Vereinbarung, wonach es neue Vorstandsmitglieder ernennen und eine Überprüfung seines Geschäfts, einschließlich „potenzieller strategischer Alternativen“, durchführen wird.

Aktivisten haben auch den kanadischen Ölproduzenten Obsidian Energy (WKN:A2DT0D) ins Visier genommen. Das Unternehmen hatte mit einem seiner größten Aktionäre, der FrontFour Capital Group, einen öffentlichen Disput geführt. Obsidian widersetzte sich zunächst dem Drängen von FrontFour, Vermögenswerte zu verkaufen und sein Bohrprogramm aggressiv in den Bereich mit der höchsten Rendite zu verlagern. Allerdings hat das Unternehmen kürzlich angekündigt, einige seiner Vermögenswerte zum Verkauf anzubieten und den Erlös zur Beschleunigung des Wachstums im Kernbereich sowie zum Rückkauf von Aktien und zur Schuldentilgung zu verwenden.

Carrizo Oil & Gas (WKN:908620) ist mittlerweile das jüngste Ziel von Aktivisten. In diesem Fall hat Kimmeridge Energy Management seinen Anteil an dem Unternehmen von 4,9 % auf 8,1 % erhöht und damit ein größeres Mitspracherecht. Carrizo Oil & Gas soll einige seiner Vermögenswerte verkaufen und den Erlös zur Tilgung von Schulden, zum Rückkauf von Aktien oder zur Investition in seinen Kernbereich verwenden. Kimmeridge meint aber auch, dass Carrizo die Fusion mit einem Rivalen untersuchen sollte, um zu wachsen.

Eine erfolgreiche Formel

Der Grund, warum Aktivisten Unternehmen dazu drängen Vermögenswerte zu verkaufen und den Erlös zu nutzen, um Schulden zu tilgen und Aktien zurückzukaufen, ist, dass diese Formel sich in der jüngsten Vergangenheit als sehr erfolgreich erwiesen hat, wenn es darum ging, die Performance für andere Ölaktien zu steigern.

Der Wegbereiter dieses Ansatzes war der US-Ölriese ConocoPhillips (WKN:575302), der im November 2016 Pläne bekannt gab, bis zu 8 Milliarden US-Dollar an Vermögenswerten abzubauen, um Aktien zurückzukaufen und Schulden zu tilgen. ConocoPhillips fuhr fort, Vermögenswerte im Wert von mehr als 16 Milliarden US-Dollar zu verkaufen; es hat bereits für 3 Milliarden US-Dollar Aktien zurückgekauft und erwartet, für weitere 2 Milliarden dieses Jahr weitere Aktien zurückzukaufen. Diese Aktionen haben sich als Wachstumstreiber für den Aktienkurs von ConocoPhillips erwiesen, der in diesem Zeitraum um mehr als 35 % gestiegen ist, während viele Konkurrenten an Wert verloren haben.

Hess (WKN:A0JMQL) hat im vergangenen Jahr einen ähnlichen Ansatz verfolgt und für 3,4 Milliarden US-Dollar Nicht-Kernaktiva verkauft. Im November kündigte Hess Pläne an, einen Teil dieser Erlöse für den Rückkauf von Aktien im Wert von 500 Millionen US-Dollar und die Rückzahlung von 500 Millionen US-Dollar an Schulden zu verwenden. Das Unternehmen wollte die Rückkaufgenehmigung im letzten Monat um eine Milliarde US-Dollar erhöhen. Diese Maßnahmen haben der Aktie neues Leben eingehaucht und den Kurs in diesem Zeitraum um fast 20 % erhöht.

Die Aktivisten hoffen auf ähnliche Ergebnisse von Obsidian, Energen und Carrizo, wenn sie die Unternehmen dazu drängen, diesem Beispiel zu folgen. Wenn die Unternehmen erfolgreich sind, werden wahrscheinlich mehr Investoren andere Unternehmen zu ähnlichen Veränderungen drängen.

Die Sache heizt sich auf

Das vergangene Jahr war für die Ölindustrie ein merkwürdiges Jahr, da die Aktienkurse trotz der starken Erholung des Rohölpreises zurückgingen. Diese Underperformance treibt immer mehr aktivistische Investoren an, sich für Veränderungen einzusetzen. Wenn diese Maßnahmen so gut funktionieren, wie die Investoren hoffen, könnten andere ihrem Beispiel folgen und die Aktienkurse im Jahr 2018 ansteigen.

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The Motley Fool hält keine der erwähnten Aktien.

Dieser Artikel wurde von Matthew DiLallo auf Englisch verfasst und am 15.10.2017 auf Fool.com veröffentlicht. Er wurde übersetzt, damit unsere deutschen Leser an der Diskussion teilnehmen können.

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