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Elektromobilität: Zulieferer werden nun mit Aufträgen überflutet

Foto: Daimler

Nachdem der Verkauf von Elektroautos jahrelang hinter den Erwartungen zurückblieb, geht nun die Post ab. Zulieferer, welche die richtigen Produkte im Portfolio haben, werden schon in Kürze Milliardenumsätze mit Elektroantrieben schreiben, wie ein Blick in die Auftragsbücher zeigt. Für Anleger bieten diese Aktien Top-Chancen.

Darum wird die Elektromobilität so schnell so groß

Wenn wir von Elektromobilität sprechen, dann verengt sich unser Blick manchmal auf reine Elektroautos mit großer Batterie oder Brennstoffzelle. Auf diesem Gebiet tut sich noch nicht so viel und Tesla (WKN:A1CX3T) gelingt es weiterhin, alle Blicke auf sich zu ziehen.

Aber wenn wir von der Elektrifizierung des Antriebsstrangs sprechen, dann geht es ja auch um alle möglichen Hybrid-Varianten. Selbst die mildeste Konfiguration benötigt einen Elektromotor, der auf irgendeiner Achse oder Welle sitzt.

Vor allem deutsche Hersteller propagieren zunehmend die 48-Volt-Architektur, welche einen guten Kompromiss zwischen Leistung, Gewicht und Kosten darstellt. Valeo hat kürzlich sogar ein gemeinsam mit chinesischen Ingenieuren entwickeltes Kleinstauto präsentiert, das mit dieser Technik für aufsehenerregende 7.500 Euro angeboten werden könnte.

Viele Marken haben bereits klare Elektrifizierungs-Fahrpläne für ihre Modellpalette. Volvo will bereits ab 2019 nur noch elektrifizierte Fahrzeugmodelle vorstellen.

Die Bestellungen schießen hoch …

Für die Zulieferer, welche bisher vor allem mit Verbrennertechnik das große Geschäft gemacht haben, sind die Hybrid-Pläne ein Segen. Statt abruptem Umbruch sorgen sie für einen sanften Übergang mit zusätzlichen Chancen. Noch besser sind die Prognosen für Elektro-Spezialisten.

Denn diesmal handelt es sich nicht mehr um leere Voraussagen, die sich als Luftschlösser erweisen könnten. Vielmehr sind konkrete Projekte längst angelaufen. Die Auftragsbücher für Elektrifizierungstechnik füllen sich jetzt schnell.

Der führende Hersteller von E-Achsen GKN (WKN:694194) meldete kürzlich eine Pipeline im Wert von 2,3 Mrd. Euro. Die Umsätze sollen im Jahr 2020 statt 230 nun mindestens 315 Mio. Euro betragen.

Continental (WKN:543900) erwartet etwa eine Verzehnfachung der Umsätze bis 2021 im Vergleich zu 2016. Mehr als 1 Mrd. Euro soll dann erlöst werden. Noch optimistischer sind Bosch und Valeo (WKN:854052), die sich jeweils als zukünftiger Marktführer sehen. Die beiden sind mittlerweile an Dutzenden Programmen weltweit beteiligt. Valeo (incl. Valeo Siemens eAutomotive für den Hochvoltbereich) gibt für Ende Februar 2018 einen erstaunlichen Auftragseingang im Wert von 10 Mrd. Euro an.

In der gleichen Liga spielt aber möglicherweise auch die stiftungsgeführte ZF, welche von ihrem Chassis-Know-how profitiert. Dieses ermöglicht es dem Konzern, extrem tief integrierte Module anzubieten und so besonders viel Content pro Fahrzeug zu liefern. Außerdem fühlen sich die Friedrichshafener in praktisch allen Fahrzeugsegmenten wohl, vom Elektrofahrrad bis zum großen Nutzfahrzeug.

Weitere Spieler, die sich Hoffnungen auf größere Marktanteile machen können, sind Schaeffler (WKN:SHA015), die vor einigen Monaten von 8 Projekten im Umfang von 1 Mrd. Euro sprach, und BorgWarner (WKN:887320), welche sich durch die Übernahmen der Elektro-Spezialisten Remy und Sevcon gut positioniert sieht.

… und die Investitionen auch

Zu den langfristigen Gewinnern werden aber natürlich nur diejenigen gehören, die sich in den aktuell laufenden Programmen bewähren und in der Lage sind, ihr Produktportfolio entsprechend dem Bedarf der Autobauer weiterzuentwickeln. Entsprechend steigen die Forschungsanstrengungen, denn schon mit geringen Effizienz-, Bauraum- oder Kostenvorteilen kann die Konkurrenz ausgestochen werden, und fast alle streben nach der Marktführerschaft.

Conti verkündete bereits vor einem Jahr ein angehobenes Entwicklungsbudget und Schaeffler hat kürzlich den Bereich E-Mobility geschaffen, in den gezielt investiert wird. ZF berichtet, dass ein großer Teil des über 2 Mrd. Euro starken Forschungsetats für Elektroantriebe und die Hybridisierung der Getriebetechnik aufgewendet werden soll.

Da kommt einiges zusammen

Ich habe die obigen Daten mal etwas genauer unter die Lupe genommen und komme zu dem Ergebnis, dass die genannten Zulieferer nur mit elektrischer Antriebstechnik schon 2021 Umsätze von über 5 Mrd. Euro schreiben werden. Im Jahr 2025 könnte es schon dreimal so viel sein.

15 Mrd. Euro, das entspricht etwa 6 Millionen elektrifizierten Fahrzeugen, wenn man grob mit 2.500 Euro je Einheit rechnet. Diese Einschätzung deckt sich auch mit der Prognose des großen japanischen Motorherstellers Nidec (WKN:505531), der im Verbund mit der Opel-Mutter PSA Peugeot Citroën (WKN:852363) auf steigende Marktanteile hofft. Ein Ende des Wachstums bei Elektroantrieben ist kaum absehbar, da der Elektroanteil auch nach 2025 noch lange steigen wird.

Hinzu kommt weiteres Geschäft mit Nebenaggregaten, Batterien und Ladetechnik, sodass etwaige Einbußen im Diesel- und Benziner-Geschäft in den meisten Fällen mehr als kompensiert werden können. Mit den sich schnell füllenden Auftragsbüchern erhöht sich auch die Planbarkeit. Teure Investitionen am Marktbedarf vorbei, wie es in der Vergangenheit oft der Fall war, wird es wohl nicht mehr geben.

Entscheidende Fragen

Umsatzseitig wird es gut laufen, davon bin ich sehr überzeugt. Aber was ist mit der Rentabilität, wenn sich fast ein Dutzend größerer Anbieter um die Aufträge reißen? Diese Frage ist schwer zu beantworten. Einerseits müssen jetzt alle schauen, dass sie auf genug Volumen kommen, um über Skaleneffekte eine bessere Kostenposition zu erreichen. Andererseits sind die Kapazitäten noch begrenzt, sodass Autobauer die Preise nicht beliebig drücken können.

Grundsätzlich könnten diese natürlich selbst ihre Produktion hochfahren und damit Zulieferer außen vor lassen. Aber das würde sich für die meisten Konzerne langfristig wohl nicht lohnen, weil die schneller skalierenden Zulieferer voraussichtlich ein besseres Preis-Leistungs-Verhältnis bieten können. Nidec prognostiziert jedenfalls, dass Zulieferer mehr als die Hälfte des Marktes unter sich aufteilen werden. Es bleibt spannend und ich werde an diesem Thema dranbleiben, um frühzeitig die aussichtsreichsten Titel zu identifizieren.

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Ralf Anders partizipiert über ein von ihm betreutes Indexzertifikat an der Aktienentwicklung von Continental und Valeo. The Motley Fool besitzt und empfiehlt Aktien von Tesla. The Motley Fool besitzt Aktien von GKN. The Motley Fool empfiehlt BorgWarner.

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