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Schlimmer als bei der Deutschen Bank: die Gehälter bei Borussia Dortmund

Foto: Getty Images

Wenn es um Spitzengehälter geht, stehen Banker regelmäßig im Kreuzfeuer, vor allem, wenn die Unternehmensperformance wie zuletzt bei der Deutschen Bank (WKN:514000) unterirdisch ist. Ausufernde Gehälter gibt es allerdings längst nicht nur im Finanzwesen. Auch bei Borussia Dortmund (WKN:549309) wird schamlos zugegriffen. Dazu habe ich mal ein paar Daten recherchiert und hoffentlich treffende Vergleiche angestellt.

Gehälter im Vergleich

166 Mio. Euro gab der BVB 2016/2017 für sein Personal aus, wovon 12 Mio. Euro in die Verwaltung und 7 Mio. Euro in den Amateurbereich gehen. Bleiben also 147 Mio. Euro für rund 30 Lizenzspieler sowie den Trainer- und Betreuerstab. Schon die Grundgehälter der Kicker werden von Fachportalen auf im Schnitt gut 3 Mio. Euro geschätzt. Hinzu kommen Prämien aller Art (man könnte sagen „Boni“) sowie persönliche Werbeverträge, sodass die Mehrheit der Profis wohl insgesamt auf über 5 Mio. Euro pro Jahr kommt.

Das Spitzenpersonal der Deutschen Bank liegt in einer ähnlichen Größenordnung: John Cryan erhielt seine Grundvergütung in Höhe von 3,4 Mio. Euro, seine Kollegen rund zweieinhalb Millionen. Erst auf der Ebene darunter wurden variable Gehaltsbestandteile planmäßig ausgeschüttet. 1795 Mitarbeiter, deren Entscheidungen erhöhte Auswirkungen auf das Risikoprofil der Bank haben können, wurden für 2017 im Vergütungsbericht gemeldet. 705 von ihnen verdienten insgesamt mehr als 1 Mio. Euro, drei davon sogar über 7 Mio. Euro und damit doppelt so viel wie der Chef – aber immer noch weniger als Marco Reus.

Die Bildungs-Perspektive

Das gibt mir zu denken: Auf der einen Seite stehen die Profikicker, welche meist irgendwie 9 oder 10 Schuljahre hinter sich gebracht haben und sich seither Vollzeit dem Fußball widmen – abgeschlossene Ausbildung, Abitur, Studium? Fehlanzeige!

Auf der anderen Seite haben wir die so genannten High-Potentials der Banken, die nach dem 1er-Abitur rund 5 Jahre Studium durchgezogen haben. Es geht weiter mit internationalen Praktika, Trainee-Programm, Doktorarbeit, MBA, Wirtschaftsprüfer und CFA. Da kommen locker 20 Jahre Ausbildung auf höchst anspruchsvollem Niveau zusammen. Das kann und will sich nicht jeder antun, weshalb das Angebot an fähigen Leuten trotz der fantastischen Gehaltsaussichten begrenzt ist.

Beim Fußball sieht das ganz anders aus. Dort gibt es auf allen Kontinenten viele Millionen junge Leute, die davon träumen, ihre Brötchen mit ihrem Lieblingssport zu verdienen. Auch wenn aus der optimalen Kaderbesetzung eine kleine Wissenschaft gemacht wird, ist es grundsätzlich überhaupt kein Problem, eine fähige Mannschaft zusammenzustellen.

Ich denke, aus diesem Blickwinkel heraus sollten Top-Banker deutlich mehr Geld als Fußballer verdienen.

Die sportliche Perspektive

Auch wenn man das rein Sportliche bewertet, sind die Gehälter im Herren-Fußball kaum zu rechtfertigen. Zwar dürfte die Konkurrenz an der Spitze in keiner anderen Sportart dermaßen hart sein, aber trotzdem gibt es woanders sicherlich Sportler, die auf demselben Niveau einzuordnen sind, seien es Diskuswerfer, Tischtennisspieler oder Eiskunstläufer. Die Unterschiede, was die Bezahlung angeht, sind astronomisch, nicht selten Faktor 100.

Die Show-Perspektive

Erst wenn man die Kicker nicht als Sportler, sondern als Show-Stars begreift, wird vielleicht ein Schuh draus. In Hollywood verdienen zahlreiche der ebenso im Rampenlicht stehenden Schauspieler ähnliche Summen. Laut Forbes scheffeln beispielsweise Vin Diesel, Jackie Chan und Adam Sandler jeweils rund 50 Mio. US-Dollar pro Jahr. Ein paar Dutzend weitere Kollegen streichen jeweils mehr als 10 Mio. US-Dollar ein. Da befinden wir uns in etwa der gleichen Größenordnung.

Was die Banker angeht, muss man gleichsam die High-Potentials anderer Berufsgruppen ins Blickfeld nehmen. Hier ist beispielsweise an die Tech-Branche zu denken, wo Top-Leute fürstlich mit Aktien-Optionen ausgestattet werden, welche im Erfolgsfall schnell viele Millionen wert sind. Zudem gibt es innerhalb der Finanzbranche lukrative Wechselchancen, etwa in Richtung Private-Equity.

Wenn man an die karrierehungrigen Abiturienten denkt, die sich in viele Richtungen entwickeln könnten, besteht eindeutig die Gefahr, dass die Talente sich woanders umschauen, mit der Folge, dass sich wichtige Stellen kaum mehr besetzen lassen. Aber würde dem Fußball der Nachwuchs ausgehen, wenn statt 7- oder 8-stelligen Summen vielleicht nur noch 6-stellige bezahlt würden? Bestimmt nicht.

Fußballer können nicht so einfach auf lukrativere Felder ausweichen. Auch wenn ein Franz Beckenbauer sich mal als Schauspieler versuchte, hat längst nicht jeder von ihnen Star-Potenzial. Viele machen ganz nüchtern ihren Job, vernachlässigen ihre Fans und meiden Interviews. Es ist daher schon irgendwie komisch: Weil der Fußball als Ganzes ein Star ist, bekommen selbst Sportler ohne jegliche Starqualitäten Gehälter wie Hollywood-Stars.

Der Fußball schießt den Vogel ab

Ich komme folglich zum Schluss, dass die Gehälter bei Borussia Dortmund unangemessener sind als bei der Deutschen Bank. Die Anzahl der freien Stellen im Profifußball ist eng begrenzt, während die Bewerberzahl riesig ist. Das würde eigentlich für geringe Gehälter sprechen.

Aber irgendwie haben es die Spieler geschafft, den Großteil der erwirtschafteten Gelder in ihre Taschen umzuleiten. Wer erst mal den Sprung ins Profigeschäft geschafft hat, der kann auf Kosten der anderen Interessengruppen (Fans, Club, Aktionäre) ungeniert die Millionen abgreifen.

Das Bild bei der Deutschen Bank ist weniger eindeutig. Zwar sind auch dort die mit variablen Bestandteilen aufgepimpten Gehälter obszön hoch, aber für die vielfach überaus anspruchsvollen Jobprofile gibt es oft eben nur wenige geeignete Kandidaten. Außerdem muss man sich die Frage stellen, ob die Mitarbeiter, welche 2006 und 2007 unter Josef Ackermann jeweils über 6 Mrd. Euro Nettogewinn erwirtschaftet haben, wirklich so viel genialer waren als die heutige Generation.

Ich denke, dass der Zusammenhang zwischen persönlicher Leistung und Konzerngewinn eher gering sein dürfte, insbesondere unterhalb der Vorstandsetage. Wahrscheinlicher ist doch, dass die Kollegen damals einfach höhere Risiken eingegangen sind, mit den bekannten Folgen. Wenn heute ein Top-Talent im oberen Management seriös mit Risiken umgeht und einfach einen exzellenten Job macht, dann könnte es sich seine Boni durchaus verdient haben, auch wenn die Bank mal wieder keine vernünftigen Gewinne schreibt – alles eine Frage der Perspektive.

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Ralf Anders besitzt Wertpapiere auf die Deutsche Bank. The Motley Fool besitzt keine der erwähnten Aktien.

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