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Ist der Kursverlust bei Intel eine Überreaktion?

Foto: Getty Images

Am 2. April berichtete Bloomberg, dass Apple (WKN:865985) plant, keine Chips mehr von Intel (WKN:855681) in zukünftigen Mac-Personalcomputern zu verbauen, und zwar bereits bei Geräten, die ab 2020 ausgeliefert werden sollen. Intels Chips sollen durch Chips ersetzt werden, die von Apple selbst entwickelt werden.

Kein Wunder, dass die Intel-Aktien nach dieser Ankündigung fielen. Die Aktien des Unternehmens sind um 5,38 % gefallen, nachdem sie sich vom anfänglichen Rückgang deutlich erholt hatten.

Ein Analyst, Kevin Cassidy von Stifel Nicolaus, glaubt, dass die Investoren „überreagieren“, da der Marktanteil von Apple im vierten Quartal 2017 nach Schätzungen von IDC nur 7,3 % betrug.

Hat Cassidy recht? Sehen wir doch mal nach.

Die finanziellen Auswirkungen

Nach meinen Schätzungen erwirtschaftet Intel mit dem Verkauf von Prozessoren an Apple alleine einen Jahresumsatz von etwa 3 Milliarden Dollar. Wenn wir davon ausgehen, dass Intel eine Bruttogewinnmarge von etwa 60 % auf diese Chipverkäufe erzielt, dann verliert Intel etwa 1,8 Milliarden Dollar an Bruttogewinn.

Zum Vergleich: Intel erzielte im Jahr 2017 einen Umsatz von 62,8 Milliarden Dollar und operative Einnahmen von 17,8 Milliarden Dollar. Ohne Apple hätte Intel etwa 60 Milliarden Dollar Umsatz und etwa 16 Milliarden Dollar operative Einnahmen erwirtschaftet.

Auch wenn dies ein deutlicher finanzieller Rückschlag wäre, der zu Recht zu einem Rückgang des Aktienkurses von Intel führen sollte (klar, Investoren erwarten, dass Intel nach Apples Entscheidung bald weniger einnimmt), lohnt es sich zu bedenken, dass Intel im Jahr 2016 bloß 12,8 Milliarden Dollar an operativen Einnahmen erwirtschaftet hat, so dass selbst ohne die Aufträge von Apple das Geschäft von Intel heute wahrscheinlich in einer wesentlich besseren Verfassung wäre als noch Ende 2016.

Der Verlust von Apple wird wehtun, aber er wird das Geschäft von Intel nicht grundlegend stören.

Was macht Intel jetzt?

Wenn Intel im Laufe der Zeit tatsächlich die Gesamtheit des Mac-Prozessorgeschäfts verliert, ist es das Beste, einfach hart daran zu arbeiten, dass man keine weiteren Abnahmeparter verliert und versucht, seine Reichweite in neue, benachbarte Computersegmente auszuweiten.

In den meisten Fällen tut Intel genau das. Das Unternehmen versucht, in den Markt für eigenständige Grafikprozessoren zu expandieren, arbeitet daran, ein wichtiger Anbieter von selbstfahrenden Autoplattformen zu werden, verdoppelt sein Geschäft mit Rechenzentren und versucht, seine Präsenz auf dem Markt für nicht-volatilen Speicher rasch auszubauen.

Dennoch ist es für Intel wichtig nachzuvollziehen, warum Apple jetzt eigene Chips entwickeln will. Hat Intel die Produktanforderungen von Apple nicht erfüllt? Haben Produktrutschen auf Intels Seite zu Rutschen in Apples eigener Produkteinführungskadenz geführt? Hat Apple einfach kein Vertrauen in die zukünftige Produktausrichtung von Intel?

Obwohl es unwahrscheinlich ist, dass Intel Apple als Mac-Prozessor-Kunde zurückgewinnen könnte, selbst wenn man sich drastisch verbessern würde, könnte die Aufräumaktion von Intel dazu dienen, den potenziellen Schaden durch weitere Kundendefekte zu minimieren – in PCs und anderswo.

Doch zurück zur Anfangsfrage: Ist der Kursverlust der Intel-Aktie eine Überreaktion? Nein, wahrscheinlich nicht. Intel schloss mit 3,16 Dollar pro Aktie, was einem Marktwert von etwa 16 Milliarden Dollar entspricht. Dieser Verlust entspricht etwa dem Rohertrag, den man über zehn Jahre von Apple bekommen hätte. Und das erscheint angemessen.

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The Motley Fool besitzt und empfiehlt Aktien von Apple und empfiehlt Intel.

Dieser Artikel von Ashraf Eassa erschien am 3.4.18 auf Fool.com. Er wurde übersetzt, damit unsere deutschen Leser an der Diskussion teilnehmen können.

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