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4 Dinge, die nur wenige über den Innogy-Deal von E.ON und RWE verstehen

Bild: RWE Mediathek

Die Berichterstattung über den spektakulären Deal zwischen RWE (WKN:703712), E.ON (WKN:ENAG99) und Innogy (WKN:A2AADD) hat zunächst einige Fragen offengelassen. Damit du dir ein klares Bild davon machen kannst, wohin die Reise geht, habe ich einige interessante Punkte herausgegriffen.

E.ON bleibt im Geschäft mit Erneuerbaren Energien

Ja, die großen Wind- und Solarparks werden in die RWE eingebracht, das schon. Trotzdem wird E.ON weiterhin eine Menge mit der dezentralen Energieversorgung zu tun haben. Schließlich sind die Verteilnetzbetreiber für die Anbindung neuer Systeme zuständig. „Die Energiewende findet im Wesentlichen auf der Ebene der Verteilnetze statt“, sagt E.ON dazu.

Dabei kommt zunehmend Intelligenz ins Netz: Energie wird nicht mehr simpel eingespeist, sondern immer mehr lokal genutzt und gespeichert, sowie über Stadtviertel hinweg ausgetauscht. Für all das entwickelt E.ON Lösungen. Selbst große industrielle und kommunale Energieverbraucher werden immer häufiger gesteuert, um Stromangebot und -nachfrage möglichst dezentral in Einklang zu bringen. Für Großkunden organisiert E.ON komplette virtuelle Kraftwerke, welche aus dem schlauen Zusammenspiel verteilter Energieerzeuger gebildet werden.

RWE und E.ON werden auch zukünftig konkurrieren

Auf den ersten Blick scheint es so, als ob die beiden sich nun komplett aus dem Weg gehen würden. Verstärkt wird dieser Eindruck durch die beabsichtigte knapp 17-prozentige Beteiligung von RWE an E.ON. Aber bei genauerem Hinsehen lassen sich schon Bereiche identifizieren, wo die beiden zueinander in Konkurrenz stehen werden:

Sie werden nur noch am Rande erwähnt, aber die Atomkraftwerke existieren noch. Zwar gibt E.ON zwei Minderheitsbeteiligungen an RWE ab, aber die unter der Marke PreussenElektra selbst betriebenen Meiler stehen weiterhin in der Bilanz. Bis Ende 2022 werden beide Konzerne noch ihren letzten Atomstrom in die Übertragungsnetze speisen. Auch danach ist noch nicht Schluss, denn beide haben mittlerweile große Rückbau-Kompetenz aufgebaut, die sie liebend gern im Ausland gewinnbringend einsetzen würden.

Ein anderer Bereich, wo die beiden auch zukünftig aufeinanderstoßen könnten, betrifft die Stromspeicherung. RWE hat nicht nur große Pumpspeicherkraftwerke, sondern auch die Gasspeicher, welche auch für mit Windenkraft erzeugte Kohlenwasserstoffe (oder Wasserstoff) genutzt werden können. E.ON und Innogy auf der anderen Seite organisieren und vertreiben lokale Energielösungen mit diversen Speichersystemen. Je mehr Überschussstrom RWE in Zukunft abgreift, desto weniger Bedarf besteht bei den Kunden von E.ON, weil die Preisschwankungen dann möglicherweise so stark nivelliert werden, dass sich der Betrieb nicht lohnt.

E.ON macht zukünftig nicht nur langweiliges reguliertes Geschäft

Richtig ist, dass E.ON zunächst mehr als drei Viertel ihrer operativen Gewinne mit regulierten Stromnetzen machen wird. Das hört sich tatsächlich nicht gerade spannend an. Aber man kann es auch anders betrachten: das Versorgungsgeschäft ist die „Cash Cow“, welche das Wachstum der anderen Geschäfte finanzieren wird.

Neben der bereits oben erwähnten Gestaltung der Energiewende auf Verteilnetzebene samt Speichersystemen denke ich dabei insbesondere an die Ladeinfrastruktur. RWE hat lange Jahre mit dem Slogan „voRWEggehen“ geworben und einiges in den Bereich Elektromobilität investiert. Dieses zu Innogy transferierte Geschäft soll nun mit dem Pendant von E.ON verschmolzen werden, sodass ein europäischer Marktführer entstehen wird.

Ich bin zuversichtlicher denn je, dass E.ON mittel- bis langfristig mit Abstand vorweggehen wird, was das Thema Schnellladestationen angeht. Sobald das Netzwerk ausgespannt ist, lassen sich diverse zusätzliche Potenziale heben – Netzwerkeffekte eben. Dort steckt die Musik drin!

E.ON wird viel mehr Schulden haben

Über die frühe Berichterstattung entstand (zumindest bei mir) der Eindruck, dass E.ON sich Innogy sozusagen zum Nulltarif einverleiben kann. RWE übernimmt Schulden in Höhe von 2,8 Mrd. Euro und zahlt sogar noch 1,5 Mrd. Euro obendrauf, weil die übertragenen Windparks, Aktienanteile usw. so wertvoll sind. Aber das betrifft nur das Verhältnis der beiden Energiekonzerne.

Daneben gibt es noch eine dritte Partei, nämlich die freien Aktionäre der Innogy, welche ausbezahlt werden wollen. 5,2 Mrd. Euro fließen in diese Richtung ab, wenn der Deal zustande kommt. Außerdem bringt Innogy selbst eine Menge Verbindlichkeiten mit, sodass der kalkulierte Schuldenberg zum Stichtag 31.12.2017 um 16 Mrd. Euro anschwillt. Da trifft es sich gut, dass E.ON über den Verkauf der Uniper (WKN:UNSE01)-Aktien und weitere Maßnahmen zwischenzeitlich etwa 5 Mrd. Euro erlösen konnte.

Die vergrößerte E.ON wird den Plänen zufolge auch wesentlich profitabler sein, sodass die Bilanz für mich keinen Anlass zur Sorge darstellt. Neben den zu erwartenden Synergien sehe ich große Chancen in den Bereichen Speichersysteme und Elektromobilität. Ich schätze, dass sich irgendwo dort auch noch eine sinnvolle Verwendung für die etwas überflüssig gewordene Marke Innogy finden wird. Ansonsten könnte auch RWE das Branding gut gebrauchen, um ihr mächtiges Windkraft- und Solargeschäft international voranzutreiben.

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Ralf Anders besitzt Aktien von Uniper und Wertpapiere auf E.ON. The Motley Fool besitzt keine der erwähnten Aktien.

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