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Das Ölmarkt-Problem, über das niemand spricht…

Foto: Getty Images

Im Moment hat die Welt mehr als genug Öl, um den Bedarf zu decken. Tatsächlich hat sie zu viel, weshalb die OPEC einen Teil des überschüssigen Rohöls in Lagerhäusern weltweit lagert. Darüber hinaus wird der Ölmarkt nach Einschätzung der Internationalen Energieagentur (IEA) bis mindestens 2020 gut versorgt bleiben, auch wenn die Nachfrage weiterhin kräftig wachsen dürfte.

Es gibt aber auch eine wachsende Sorge, dass die Ölindustrie nach 2020 nicht in der Lage sein könnte, mit dem anhaltenden Nachfragewachstum Schritt zu halten, weil sie nicht genug Geld in längerfristige Projekte reinvestiert. Das könnte zu einem großen Versorgungsengpass führen, der in den kommenden Jahren zu einem erheblichen Anstieg der Ölpreise führen könnte.

Das schlechteste Jahr aller Zeiten

In ihrem jüngsten Marktbericht wies die IEA darauf hin, dass die Ölindustrie im vergangenen Jahr nur 4 Milliarden Barrel neue Ölressourcen entdeckt hat. Das klingt zwar nach viel, liegt aber weit unter den 36 Milliarden Barrel, die die Weltwirtschaft im vergangenen Jahr verbraucht hat. Es war auch ein Rekordtief für die Industrie und folgte einem ähnlich schlechten Ergebnis im Jahr 2016, als die Industrie die wenigsten Förderquellen seit 70 Jahren fand.

Der Grund für den Mangel an Entdeckungen liegt in der Tatsache, dass die Ölproduzenten in den letzten Jahren die Ausgaben für die Exploration erheblich gesenkt haben.
Während die niedrigen Ölpreise eine wichtige Rolle bei der Entdeckung von Ölquellen spielten, führte eine Reihe von teuren Trockenbohrungen dazu, dass mehrere Forscher ihre Bemühungen in den letzten Jahren aufgaben. Einer der bemerkenswertesten Fehler war der Flop von Royal Dutch Shell (WKN:A0D94M) in den arktischen Gewässern vor Alaska. Der Ölriese gab mehr als 7 Milliarden US-Dollar aus, um Pachtverträge zu erwerben und eine Explorationsbohrung durchzuführen, um dann nur trockene Löcher zu finden. Der US-Ölriese ConocoPhillips (WKN:575302) hatte ebenfalls große Ambitionen in der Arktis. Nach fehlgeschlagenen Explorationsarbeiten und einer Reihe von trockenen Löchern, die ConocoPhillips im gesamten Atlantik gebohrt hat, entschied sich das Unternehmen vor einigen Jahren, seine Tiefseeexploration aufzugeben.

Ein noch größeres Problem in naher Zukunft

Der Rückgang der Entdeckungen in den letzten Jahren könnte der Branche schaden. Die dringendere Frage ist jedoch, dass die Ölunternehmen weniger Geld für die Entwicklung früherer Funde ausgegeben haben, um den mittelfristigen globalen Bedarf zu decken. Die IEA stellte fest, dass sich die Investitionsausgaben im vergangenen Jahr kaum erhöht haben und in diesem Jahr nur um 6 % steigen werden. Dieses Niveau bleibt deutlich unter dem Höchststand vor dem Ölpreissturz vor einigen Jahren, und es ist besorgniserregend, weil die Produzenten nicht viel davon für langfristige Projekte ausgeben, die die Versorgung nach 2020 ankurbeln werden. Das veranlasste die IEA zu der Warnung, dass der Markt in Zukunft die wachsende Nachfrage nicht mehr befriedigen kann.

Während der starke Rückgang des Ölpreises die Ausgabenkürzung vorangetrieben hat, stellt sich die Frage, wie die Ölunternehmen ihr Kapital zugeteilt haben. Statt Geld für langfristige Großprojekte auszugeben, verlagerten Unternehmen wie ConocoPhillips den Großteil der Investitionen in Schieferbohrungen in den USA, die einen schnellen Ölfluss freisetzen, den sie ständig durch neue Bohrungen ersetzen müssen. Während die außergewöhnlichen Erträge dieser Bohrungen es den Unternehmen ermöglichen, mehr Öl für weniger Geld zu produzieren, können sie diese Strategie nicht für immer beibehalten, da sich die produktiven Schieferstandorte rasch erschöpfen, was die IEA zu der Annahme veranlasst, dass die Produktion wahrscheinlich innerhalb weniger Jahre ihren Höhepunkt erreichen wird. Die Industrie muss daher in längerfristige Projekte wie die Entwicklung von Tiefseefunden oder neue Ölsandanlagen investieren, da diese eine stabilere Produktionsrate liefern.

Es geht darum, dass derzeit nur eine Handvoll Ölriesen diese langfristigen Projekte verfolgen. ExxonMobil (WKN:852549) und Hess (WKN:A0JMQL) haben beispielsweise im vergangenen Jahr die erste Phase der Offshore-Exploration in Guyana genehmigt. Das 3,2-Milliarden-Dollar-Projekt soll 120.000 Barrel pro Tag produzieren, wenn es 2020 online geht. Exxon und Hess haben zwei weitere Entwicklungsphasen, die letztlich 500.000 Barrel pro Tag produzieren könnten. Diese Entwicklung ist Teil des großen Vorstoßes von ExxonMobil, bis 2025 1 Million Barrel Öläquivalent pro Tag an neuer Produktion zu erschließen. Das wird zwar helfen, aber es ist nur ein Tropfen auf den heißen Stein für eine Industrie, die in den kommenden Jahren mehr als 100 Millionen Barrel pro Tag produzieren muss.

Andere Projekte brauchen inzwischen viel mehr Zeit, um sich zu entwickeln. So hat der kanadische Ölgigant Suncor Energy (WKN:A0NJU2) kürzlich den Bau einer neuen Ölsandanlage beantragt. Das Lewis-Projekt mit 160.000 Barrel pro Tag würde 6,2 Milliarden CAD (4,7 Milliarden US-Dollar) kosten. Allerdings wird Suncor Energy wahrscheinlich erst 2024 den ersten Spatenstich vornehmen und erst 2027 einen Tropfen Öl produzieren. Diese lange Vorlaufzeit bei Großprojekten ist einer der Gründe, warum die IEA weiterhin darüber besorgt ist, ob die Industrie genügend Rohöl liefern kann, um die Nachfrage zu Beginn des nächsten Jahrzehnts zu decken, wenn die Schieferproduktion wie erwartet abnimmt.

Behalte das im Auge.

Während die Welt im Moment noch im Öl schwimmt, könnte das in ein paar Jahren schon ganz anders aussehen. Wenn die Ölnachfrage so stark wie erwartet steigt, könnte es bald nicht mehr genug Treibstoff im Schiefer-Wachstumstank geben, um den Rückgang der Altbohrungen auszugleichen und den wachsenden Bedarf an Rohöl zu decken. Die Ölunternehmen müssen daher jetzt mit der Arbeit an längerfristigen Projekten beginnen, die zu der Zeit ans Netz gehen, wenn dem Schiefer der Sprit ausgeht. Wenn sie zu lange warten, könnte die Welt den Treibstoff, den sie braucht, verlieren, was zu einem weiteren krassen Anstieg des Ölpreises führen würde. Das ist der Grund, warum die Investoren das Investitionsniveau der Industrie beobachten sollten ‒ es könnte erhebliche Auswirkungen auf die Zukunft haben.

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The Motley Fool besitzt keine der erwähnten Aktien.

Dieser Artikel wurde von Matthew DiLallo auf Englisch verfasst und wurde am 25.3.2018 auf Fool.com veröffentlicht. Er wurde übersetzt, damit unsere deutschen Leser an der Diskussion teilnehmen können.

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