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War das Cloud-Wachstum von Oracle wirklich so enttäuschend?

Quelle: Getty Images.

Die Aktien von Oracle (WKN:871460) fielen am 20. März um 9 %, da der Quartalsbericht des Technologieriesen die Investoren nicht beeindruckt hat. Auf den ersten Blick sahen die Zahlen ordentlich aus. Der Umsatz stieg jährlich um 5,5 % auf 9,78 Milliarden US-Dollar und entsprach damit den Erwartungen der Analysten. Der Nicht-GAAP-Gewinn stieg um 20 % auf 0,83 US-Dollar pro Aktie und übertraf damit die Schätzungen um 0,11 US-Dollar pro Aktie.

Allerdings verlangsamt sich das Wachstum der Cloud-Umsätze von Oracle, was das langsamere Wachstum der älteren Softwarelizenz- und Hardware-Umsätze bisher ausgleichen konnte. Sehen wir uns da mal genauer an.

Verlangsamt sich Oracles Cloud-Wachstum?

Das Wachstum des Gesamtumsatzes von Oracle hat sich im vergangenen Jahr verlangsamt, so dass der Einfluss des Cloud-Erlöses auf den Gesamtumsatz von Oracle geringer ist.

Kennzahl Q4 2017 Q1 2018 Q2 2018 Q3 2018
Gesamtumsatz Cloud 1,4 Milliarden USD 1,5 Milliarden USD 1,5 Milliarden USD 1,6 Milliarden USD
Wachstum im Jahresvergleich 64 % 51 % 44 % 32 %
% der Umsätze 13 % 15 % 16 % 16 %

QUELLE: ORACLE QUARTALSBERICHTE.

Während der Telefonkonferenz zum letzten Quartal bestätigte Co-CEO Safra Catz die anhaltende Verlangsamung mit einer Prognose von nur 19-23 % Wachstum der Cloud-Erlöse für das vierte Quartal, verglichen mit den Analystenerwartungen von 23 % Wachstum.

Das scheint die bärische These zu stützen, dass das Wachstum der Cloud-Geschäfte von Oracle die Schwäche der alten nicht langfristig ausgleichen kann.

Im einzelnen…

Wir sollten aber auch das Wachstum der Cloud-Geschäfte von Oracle nach den beiden Hauptkategorien SaaS (Software as a Service) und PaaS/IaaS (Platform/ Infrastructure as a Service) unterteilen.

Die wichtigste SaaS-Plattform von Oracle ist die Fusion Cloud, die Human Capital Management, Customer Relationship Management, Enterprise Resource Planning und Enterprise Performance Management als On-Demand-Cloud-Services bietet.

Die Paas/IaaS-Plattform, die mit Amazon (WKN:906866) Web Services (AWS) und Microsoft (WKN:850747) Azure konkurriert, bietet Cloud-basierte Rechenleistung für Unternehmen, die keine Server vor Ort installieren wollen. AWS und Azure sind derzeit die beiden größten Anbieter von Public-Cloud-Plattformen weltweit.

Die PaaS/IaaS-Sparte von Oracle ist in zwei Hälften aufgeteilt: ein stärker wachsendes öffentliches IaaS-Geschäft, das mit AWS und Azure konkurriert, und ein PaaS/IaaS-Hosting-Geschäft, das deutlich langsamer wächst.

Kennzahl Q4 2017 Q1 2018 Q2 2018 Q3 2018
SaaS-Umsätze 1 Milliarde USD 1,1 Milliarden USD 1,1 Milliarden USD 1,2 Milliarden USD
Wachstum im Jahresvergleich 75 % 62 % 55 % 33 %
PaaS/IaaS -Umsätze 403 Millionen USD 400 Millionen USD 396 Millionen USD 415 Millionen USD
Wachstum im Jahresvergleich 42 % 28 % 21 % 28 %

QUELLE: ORACLE QUARTALSBERICHTE.

Diese Zahlen zeigen jedoch, dass die Ursache der Cloud-Verlangsamung bei Oracle das SaaS-Geschäft und nicht das PaaS/IaaS-Geschäft ist. Darüber hinaus bleibt das sequenzielle Wachstum beider Geschäftszweige mittelmäßig und deutet darauf hin, dass sie es wohl bald das Ende der Fahnenstange erreicht hat.

Wettbewerbsbedrohungen verstehen

Inzwischen expandiert Amazon mit eigenen Cloud-basierten Datenbankdiensten in den Hinterhof von Oracle. Oracle argumentiert, dass seine Datenbankdienste billiger, schneller, zuverlässiger und besser von Blockchain- und KI-gesteuerten Tools unterstützt werden, aber es ist unklar, ob das Unternehmen Amazon voraus sein kann. Amazon senkt nämlich oft die Preise, um Marktanteile bei Cloud-Services zu gewinnen. Microsoft integriert auch seine SQL-Datenbank in Azure.

Oracles Sales-Cloud-SaaS-Geschäft steht auch im harten Wettbewerb mit Salesforce (WKN:A0B87V), dem König des Cloud-basierten Customer Relationship Management (CRM) Marktes. Microsoft Dynamics CRM, das ebenfalls an Azure angebunden ist, ist ein weiterer großer Konkurrent.

Diese Probleme spiegeln sich in den wackeligen Bruttomargen von Oracle wider. Im dritten Quartal verzeichnete der Bereich PaaS/IaaS eine Nicht-GAAP-Bruttomarge von 35 % — im Vorjahr waren es 46 %. Ein Teil dieses Rückgangs dürfte auf das ältere Hosting-Geschäft zurückzuführen sein, aber auch auf den verschärften Wettbewerb. Dennoch geht Catz davon aus, dass sich die PaaS/IaaS-Bruttomargen im vierten Quartal „verbessern“ werden.

Positiv zu vermerken ist, dass die SaaS-Nicht-GAAP-Margen von Oracle weiter steigen: von 65 % im Vorjahresquartal auf 67 % im dritten Quartal. Diese Margenerhöhung scheint jedoch nicht auszureichen, um das verlangsamte SaaS-Umsatzwachstum auszugleichen.

Fazit

Wie viele ältere Technologie-Unternehmen wendet sich auch Oracle von Alt-Geschäften ab und den Cloud-Diensten mit höherem Wachstum zu. Vorerst generiert dieser Übergang noch Wachstum — die Analysten erwarten, dass der Umsatz und das Ergebnis von Oracle in diesem Jahr um 5 % bzw. 7 % steigen werden. Die Aktie wird auch mit einem angemessenen KGV von 16 gehandelt.

Allerdings ist das Cloud-Geschäft von Oracle im Vergleich zu AWS und Azure nach wie vor winzig, dabei ist das Wachstum an seinem Höhepunkt. Oracle könnte dieses Dilemma mit einigen großen Übernahmen oder Investitionen in neue Dienstleistungen lösen.

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John Mackey, CEO von Whole Foods Market, einem Tochterunternehmen von Amazon, ist Mitglied des Vorstands von The Motley Fool. Teresa Kersten ist Mitarbeiterin von LinkedIn und Mitglied des Vorstands von The Motley Fool. LinkedIn ist Eigentum von Microsoft. 

The Motley Fool besitzt Aktien von und empfiehlt Amazon. The Motley Fool besitzt Aktien von Oracle und hat die folgenden Optionen: Short Juni 2018 $ 52 Calls auf Oracle und Long Januar 2020 $ 30 Calls auf Oracle. The Motley Fool empfiehlt Salesforce.com.

Dieser Artikel wurde von Leo Sun auf Englisch verfasst und am 27.03.2018 auf Fool.com veröffentlicht. Er wurde übersetzt, damit unsere deutschen Leser an der Diskussion teilnehmen können.

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