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Für 87 Millionen Dollar legt Warren Buffett ein gutes Wort ein

Foto: The Motley Fool, Matt Koppenheffer

Warren Buffetts Berkshire Hathaway (WKN:A0YJQ2) besitzt etwa 30,8 % des Unternehmens USG (WKN:852784), die vor allem für die Herstellung von Wandbauplatten bekannt sind. Und Berkshire Hathaway, der größte Anteilseigner der USG, muss einsehen, dass man da ein Unternehmen im Portfolio hat, das nicht unbedingt heiß drauf ist, verkauft zu werden.

Weder Buffett noch Berkshire haben sich an den Verhandlungen beteiligt, zumindest nicht öffentlich, aber Berkshire Hathaway hat deutlich gemacht, dass man den Käufer gegen eine „Gebühr“ von 87 Millionen Dollar öffentlich unterstützen würde.

Worum genau geht es?

Hier schnell ein bisschen Hintergrund. Ein Unternehmen namens Gebr. Knauf (im weiteren Text nur noch „Knauf“ genannt) will USG übernehmen, und Berkshire ist sein größter Aktionär.

Am 15. März schickte Knauf einen Brief an USG, in dem man den Kauf des Unternehmens für 42 Dollar pro Aktie vorschlug. USG lehnte dieses Angebot ab, da es unzureichend sei. Das ist Standard bei Fusionen und Übernahmen. Der Käufer in spe macht einen Vorschlag, und der Verkäufer sagt „ja“, „nein“ oder „vielleicht, wenn mehr dabei rausspringt“.

Aber dieser gewöhnliche M&A-Kram wird anscheinend schwierig, wenn Buffett und Berkshire als Hauptaktionäre an der Zielgesellschaft beteiligt sind. Am 23. März, acht Tage nachdem Knauf 42 Dollar pro Aktie angeboten hatte, haben Buffett und ein Berkshire-Manager bei Knauf angerufen und einen interessanten Vorschlag gemacht.

Am Telefon bot Berkshire an, Knauf eine Option zu verkaufen, die ihnen das Recht geben würde, alle USG-Aktien von Berkshire für mindestens 42 Dollar pro Stück zu erwerben, vorausgesetzt, man könne alle anderen USG-Aktionäre dazu bringen, innerhalb von etwa sechs Monaten zu den gleichen Bedingungen zu verkaufen. Für diese Option zum Kauf des 30,8 %igen Anteils an USG müsste Knauf Berkshire eine Prämie von 2 Dollar pro Aktie von USG zahlen, die Berkshire besitzt: insgesamt etwa 87 Millionen Dollar.

Wie kann das funktionieren?

Berkshire hat viele Möglichkeiten, von diesem Aktienoptionsvorschlag zu profitieren. Es gibt nur drei wahrscheinliche Ausgänge dafür:

  • Knauf zahlt Berkshire 2 Dollar pro Aktie für jede Option, kommt aber letztlich aus verschiedenen Gründen nicht innerhalb von sechs Monaten zu einer Einigung über den Erwerb von USG. Berkshire behält die 87 Millionen Dollar Optionsprämie als Gewinn.
  • Knauf zahlt Berkshire 2 Dollar pro Aktie für jede Option und vereinbart die Zahlung von 42 Dollar oder mehr pro Aktie für den Erwerb von USG innerhalb von sechs Monaten. Berkshire kassiert seinen USG-Anteil, wenn die Übernahme abgeschlossen ist, erhält aber einen kleinen Teil des Preises (2 Dollar pro Aktie) im Voraus.
  • Knauf lehnt Berkshires Vorschlag und verhandelt weiter direkt mit USG. Nach Weitergabe der Optionen von Berkshire riskiert Knauf, für den späteren Erwerb von USG einen wesentlich höheren Preis zahlen zu müssen oder den Erwerb ganz zu versemmeln.

Es ist erwähnenswert, dass Berkshire Knauf keine gewöhnliche Kaufoption angeboten hat, die dem Eigentümer das Recht gibt, Aktien zu einem vorher festgelegten Preis zu kaufen. Die Optionen würden Knauf das Recht einräumen, die USG-Aktien von Berkshire zu dem Preis zu erwerben, zu dem sie letztendlich für das gesamte Unternehmen kaufen würden.

Wenn Knauf also zustimmen würde, USG für 50 Dollar pro Aktie zu erwerben, müsste es Berkshire 48 Dollar pro Aktie (also 50 Dollar abzüglich der bereits gezahlten 2 Dollar Optionsprämie) zahlen, um seine USG-Aktien zu kaufen. Berkshires Vorschlag riskiert nicht die Einbuße eines Vorteils, wenn Knauf mehr als 42 Dollar pro Aktie für USG geboten hat. Das unterscheidet diese Optionen stark von einer typischen Kaufoption.

Berkshire übt Druck aus und macht klar, dass man ein richtiges Angebot von mindestens 42 Dollar pro Aktie sehen möchte, um überhaupt verkaufen zu wollen.

Draufzahlen „dank“ Berkshire

Buffett bekommt oft Investitionen zu Sonderpreisen. Dass er aber jetzt die selbe Taktik fährt, wenn er verkaufen will, ist ungewöhnlich.

Als Berkshire beispielsweise während der europäischen Schuldenkrise 5 Milliarden Dollar in die Bank of America investierte, bekam Berkshire einen wirklich guten Deal, mit dem man ein Vermögen machte. Die Bank of America bekam die Kapitalzufuhr, die sie brauchte, aber was noch wichtiger ist, sie erzielte auch eine gewisse Glaubwürdigkeit, weil eine Legende als Investor auftrat, die Milliarden auf den Erfolg setzte, und das zu einer Zeit, als Banken einen schlimmen Ruf hatten.

Die Verhandlung über USG ist ähnlich, außer dass Buffett eine Prämie von einem Käufer und nicht von einem Verkäufer verlangt. Knauf hätte die Optionen von Berkshire kaufen und dann den Vertrag an jeden anderen USG-Aktionär weitergeben können, indem man darauf pochte, dass wenn Buffett seinen Anteil für 42 Dollar pro Aktie verkauft, dann auch jeder andere Aktionär verkaufen solle. Ich denke, dass das ein ziemlich guter Pitch ist. Wenn der größte Investor aller Zeiten seinen Anteil an USG für 42 Dollar pro Aktie verkauft, dann sollten vielleicht auch Normalos mit diesem Preis zufrieden sein.

Zynischerweise bot Berkshire im Wesentlichen an, Knauf ein Stück Papier zu verkaufen, das implizit sagte: „Wir denken, dass Knauf den vollen Preis (wenn nicht mehr) für USG bezahlt, also sollten Sie das Geld nehmen“. Und das noch unterzeichnet von Warren Buffett selbst. (Berkshire hat bereits zu viel Bargeld, also ist es vermutlich nicht geneigt, irgendwelche seiner Holdings zu verkaufen, es sei denn ein Käufer ist bereit, zu viel zu bezahlen.)

Wenn Knauf Buffett auf seiner Seite hat, könnte ihm das helfen, einen Deal schneller, billiger oder gar beides hinzubekommen. Oder vielleicht auch nicht. Das kann niemand mit Sicherheit sagen. Aber Buffett & Co. wollen auf jeden Fall eine Optionsprämie in Höhe von 87 Dollar Millionen erhalten, damit Knauf auf Berkshires Unterstützung hoffen kann.

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The Motley Fool besitzt und empfiehlt Aktien von Berkshire Hathaway. Dieser Artikel von Jordan Wathen erschien am 27.3.2018 auf Fool.com. Er wurde übersetzt, damit unsere deutschen Leser an der Diskussion teilnehmen können.

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