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Das eigentliche Problem mit Elon Musks massiver Vergütung

Bildquelle: Flickr Motley Fool

Letzte Woche genehmigten die Aktionäre von Tesla (WKN:A1CX3T) ein umstrittenes neues langfristiges Anreizpaket für den visionären CEO des Elektroautoherstellers, Elon Musk. Dieser Plan setzt die Barvergütung auf Null, würde Musk aber bis zu 20,3 Millionen Aktien gewähren, wenn Tesla eine Reihe von finanziellen Hürden überwindet und die Marktkapitalisierung von heute rund 50 Milliarden US-Dollar auf mindestens 650 Milliarden US-Dollar erhöht.

Der Wert dieser Aktien würde bei einer Tesla-Marktkapitalisierung von 650 Milliarden US-Dollar etwa 56 Milliarden US-Dollar betragen. In diesem Szenario wäre der Gesamtanteil von Musk an Tesla (einschließlich der Aktien, die er bereits besitzt) ungefähr 184 Milliarden US-Dollar wert.

Tesla hat viel Kritik dafür geerntet, das größere Problem ist jedoch, dass die Struktur des Aktienkurses Musk dazu anregen könnte, riskante Dinge zu unternehmen, um die maximale Auszahlung zu erreichen.

Die Experten sagen nein

Der Vergütungsplan für den CEO von Tesla erhielt die Zustimmung der Aktionäre, obwohl die beiden großen Proxy-Beratungsunternehmen (ISS und Glass Lewis) empfahlen, gegen den Vorschlag zu stimmen. ISS und Glass Lewis haben sich in der Kritik auf die schiere Höhe der potenziellen Prämie konzentriert.

Der Gegenwartswert der Aktienprämie beträgt laut Tesla 2,6 Milliarden US-Dollar und laut den Proxy-Beratungsunternehmen, die eine andere Bewertungsmethode verwendeten, etwa 3,7 Milliarden US-Dollar. „Selbst auf Jahresbasis würde die Auszahlung an Musk die von fast jedem CEO der größten und profitabelsten Unternehmenen in den Schatten stellen“, stellte ISS fest (via Bloomberg).

ISS und Glass Lewis betonten auch, dass Musk eine bedeutende Aktienprämie erhalten könnte, selbst wenn Tesla nicht alle finanziellen Ziele erreicht. Für jede 50 Milliarden US-Dollar Börsenwert, die Tesla wächst, erhält Musk weitere 1 % der ausstehenden Aktien des Unternehmens. Bedingung dafür ist, dass Tesla entweder eines von acht jährlichen Umsatzzielen – die zwischen 20 und 175 Milliarden US-Dollar liegen – oder eines von acht bereinigten Gewinnzielen vor Zinsen, Steuern, Abschreibungen und Amortisationen (EBITDA) erreicht hat, die zwischen 1,5 und 14 Milliarden US-Dollar liegen.

Theoretisch könnte Musk eine beträchtliche Anzahl von Aktien erhalten, ohne eines der EBITDA-Ziele zu erreichen, solange er das Umsatzwachstum vorantreibt und genügend Hype erzeugt, um den Aktienkurs in die Höhe zu treiben.

Das größere Problem

Obwohl der Betrag, den Musk verdienen könnte, irrsinning ist, kann man wohl sagen, dass er für den Erfolg seines Unternehmens wichtiger ist als jeder andere CEO der Welt. Wenn Tesla wirklich eine Marktkapitalisierung von 650 Milliarden US-Dollar in 10 Jahren erreichen soll, bezweifele ich, dass sich auch nur einer der Aktionäre darüber beschweren wird, wie groß die Auszahlung von Musk betragen hatte.

Darüber hinaus muss Musk seine Aktien mindestens fünf Jahre lang halten. Dieses verringert die Wahrscheinlichkeit, dass er in der Lage sein würde, sich einen übertriebenen Aktienkurs auf einmal auszahlen zu lassen. Der Börsenrummel lässt mit der Zeit nach.

Zu bedenken ist, dass dieses Arrangement Anreize für ungesunde Risikobereitschaft bietet. Die Hauptprioritäten von Tesla für das nächste Jahrzehnt sollten die Erweiterung der Produktpalette auf alle wichtigen Marktsegmente, der Ausbau der Ladestationen und die Implementierung von Best Practices für die Massenproduktion sein.

Das Erreichen dieser Ziele würde Tesla in die Lage versetzen, die Leistung deutlich zu steigern und nachhaltig profitabel zu werden. Jedoch wäre es wahrscheinlich nicht groß genug, um die Meilensteine zu erreichen, die Musk benötigt, um die meisten seiner verfügbaren Aktienprämien zu verdienen.

Infolgedessen ist es wahrscheinlicher, dass Musk Projekte mit hohem Risiko und hohem Gewinn verfolgt, um die phänomenale Wachstumsrate von Tesla aufrechtzuerhalten. Wenn diese Bemühungen scheitern, können sie dem Unternehmen schweren Schaden zufügen.

Musk träumt schon groß

Elon Musk scheint von Natur aus sehr risikofreudig zu sein. Beispielsweise kündigte Musk im vergangenen Jahr bei einer Telefonkonferenz an, dass Teslas nächstes neues Fahrzeug, das Model Y, auf einer völlig neuen Plattform basieren würde. Das wäre eine massive Geldverschwendung gewesen, verglichen mit dem Entwurf für die bestehende Model-3-Plattform. Glücklicherweise erkannte Musk, dass dieser Plan keinen Sinn machte, bevor er umgesetzt wurde.

Vor kurzem verbrachten Musk und seine Leute während der Telefonkonferenz überraschend viel Zeit damit, über Automatisierung zu sprechen.

Die Automatisierung könnte sich in Form von niedrigeren Produktionskosten erheblich auszahlen. Andere Automobilhersteller sind jedoch zu dem Schluss gekommen, dass der Produktionsprozess zu komplex ist, um für eine vollständige Automatisierung geeignet zu sein. Da Tesla bisher noch nicht einmal Grundkompetenz im Fahrzeugbau gezeigt hat – geschweige denn Exzellenz oder Innovation – könnten sich die Investoren vernünftigerweise fragen, ob dieses Experiment zu einem epischen Scheitern führen und damit weitere Probleme für die Produktion mit sich bringen wird.

Elon Musk hat bereits große Ambitionen. Das ist Teil dessen, was ihn so erfolgreich gemacht hat. Aber die Investoren sollten nicht davon ausgehen, dass er unfehlbar ist. Wenn der neue Vergütungsplan ihn dazu ermutigt, große Wetten außerhalb der Kernkompetenzen von Tesla abzuschließen, könnte sich dies letztendlich als katastrophal für Tesla erweisen.

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The Motley Fool besitzt und empfiehlt Tesla.

Dieser Artikel wurde von Adam Levine-Weinberg auf Englisch verfasst und am 26.03.2018 auf Fool.com veröffentlicht. Er wurde übersetzt, damit unsere deutschen Leser an der Diskussion teilnehmen können.

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