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Warum Versorgungsunternehmen sich mit Elektrofahrzeugen verbünden sollten

Bildquelle: Flickr Motley Fool

Die Stromversorger in den USA haben gerade ihr bisher schwierigstes Jahrzehnt hinter sich, und die Zukunft scheint nicht besser zu werden. Die Nachfrage nach Strom, die über Jahrzehnte hinweg kontinuierlich um 2 bis 3 % pro Jahr stieg, stagnierte in den letzten zehn Jahren und könnte strukturell rückläufig werden, da die Verbraucher effizientere elektrische Komponenten verwenden.

Unterdessen bedrohen verbesserte Technologien wie Sonnenkollektoren, Windkraftanlagen und Energiespeicher die langfristige Lebensfähigkeit von Stromerzeugern bis hin zu regulierten Versorgungsunternehmen. Angesichts dessen, was in der Branche vor sich geht, ist es an der Zeit, dass die Energieversorger auf einen potenziell massiven Nachfrageschub durch Elektrofahrzeuge drängen.

Warum Energieversorger in einer schwierigen Lage sind

Die folgende Grafik zeigt die US-Stromerzeugung seit dem Jahr 2000. Wir sehen, dass das Angebot in den letzten zehn Jahren ins Stocken geraten ist und möglicherweise leicht abnimmt.

BILDQUELLE: U.S. ENERGY INFORMATION ADMINISTRATION.

Dazu kommt, dass sich die Gründe für den Einbruch in Zukunft noch verschärfen könnten. Effizientere Leuchten wie LEDs senken den Stromverbrauch in jedem Haushalt und Unternehmen im ganzen Land. So ist der durchschnittliche Stromverbrauch pro Privatkunde von 11.042 kWh im Jahr 2008 auf 10.401 kWh im Jahr 2017 gesunken. Das ist eine schockierende Umkehr in einer Branche, in der der Verbrauch jahrelang zunahm, da immer mehr elektrische Geräte verwendet wurden.

Das Problem für Energieversorger ist, dass weniger Stromverbrauch den Großhandelspreis für Strom senkt, was zu Verlusten in Kraftwerken führt, wie wir bei Unternehmen wie Calpine, NRG Energy und Dynegy gesehen haben. Es bedeutet auch, dass regulierte Versorgungsunternehmen die Kosten auf eine geringere Anzahl verkaufter kWh aufteilen müssen. Dies erhöht die Strompreise und zwingt die Kunden, Alternativen wie Solar- und Energiespeicher auf dem Dach in Betracht zu ziehen, was das Problem noch verschärft.

EVs könnten die Antwort auf Versorgungsengpässe sein

Ein wichtiger Grund für einen zukünftig höheren Strombedarf sind Elektrofahrzeuge, die für die Energieversorger eine große Rolle spielen. Sie könnten nicht nur den Konsumrückgang umkehren, sondern auch zu einem Anstieg der Nachfrage führen. Nehmen wir als Beispiel das Tesla Model S 100D, das unter optimalen Bedingungen 251 Meilen pro Ladung erreicht, also durchschnittlich 2,51 Meilen pro kWh. Ein Verbraucher, der 15.000 Meilen pro Jahr fährt, benötigt 5.976 kWh Strom, um sein Fahrzeug zu bewegen. Mit anderen Worten, zwei Elektroautos pro Haushalt könnten dessen durchschnittlichen Verbrauch in einem Jahr verdoppeln.

Die Energieversorger haben ein großes Interesse daran, dass der Einsatz von EVs zunimmt. Sie können die Ladeinfrastruktur langfristig sogar zu einem gewinnbringenden Geschäft machen.

Eine Rolle in der Ladeinfrastruktur spielen

Eine der Schwachstellen bei den EVs ist heute das Ladenetz. Außerhalb des Ladenetzes von Tesla gibt es praktisch kein flächendeckendes Netz, insbesondere nicht mit Schnellladestationen, die heute auf dem Markt spärlich sind.

In Kalifornien haben die Energieversorger versucht, Ladestationen zu bauen, die sie allen Kunden in Rechnung stellen. San Diego Gas & Electric, ein Tochterunternehmen von Sempra Energy, baut und besitzt Ladestationen, Edison International erleichtert das Eigentum durch Dritter und Pacific Gas & Electric setzt auf einen gemischten Ansatz bei der Entwicklung seiner EV-Ladegeräte. Aber langfristig kann man nicht alles Kunden für etwas bezahlen lassen, das nur EV-Besitzer verwenden.

Was wir wissen, ist, dass es ein klares Interesse daran gibt, ein Geschäftsmodell zu entwickeln, das für das Laden von EVs geeignet ist, und sie haben einen Anreiz, es sowohl als neues Geschäftsfeld (mit Ladegeräten) als auch als Möglichkeit zur Steigerung der Stromnachfrage zu nutzen.

Schnell handeln, bevor es jemand anderes tut

Wenn die Energieversorger nicht schnell handeln, stellt jemand anderes den Strom zur Verfügung, und man benötigt dann möglicherweise keine Energieversorger mehr, um dies zu tun. Tesla hat gesagt, es sei geplant, „fast alle“ Supercharger vom Netz zu trennen, und dass unkonventionelle Stromquellen auch auf den Strommärkten Einzug halten sollen.

Unternehmen beginnen, Strom direkt aus Solar- und Windkraftanlagen zu beziehen, und nutzen das Netz nur noch als eine Autobahn, um sie mit Strom zu versorgen. Dann gibt es Dachsolarzellen, die Hausbesitzer nutzen können, um EVs ohne das Stromnetz zu versorgen.

Wenn die Energieversorger keine Möglichkeit finden, die Einführung von EVs voranzutreiben und eine Rolle in der Ladeinfrastruktur zu spielen, könnten neue Geschäftsmodelle das Stromnetz völlig umgehen.

Einzige Wachstumsoption der Versorger

Hinter den Energieversorgern liegt ein schwieriges Jahrzehnt, und sie haben sich gegen neue Innovationen wie Dachsolaranlagen und Energiespeicher im Besitz von Verbrauchern ausgesprochen. Sie haben jedoch die Möglichkeit, auf der Welle des EV-Wachstums zu reiten, wenn sie ihre Karten richtig ausspielen.

Energieversorger versuchen gerade Druck aufzubauen, damit die Bundesregierung die EV-Steuergutschrift verlängert, die Kunden 7.500 US-Dollar für den Kauf eines neuen elektrischen Autos gutschreibt. Zu Beginn dieses Monats baten 36 Energieunternehmen ‒ einschließlich der drei kalifornischen, die ich oben erwähnte ‒ den Kongress, die Steuergutschrift in der diesjährigen Ausgabenrechnung zu verlängern, und ich denke, dass sie um eine Erhöhung der Grenze von 200.000 Fahrzeugen pro Hersteller bitten könnten. Es mag in ihrem langfristigen Interesse liegen, sich mit Elektroautos zusammen zu tun.  Eine Partnerschaft angesichts des Konflikts zwischen Energieversorgern und erneuerbaren Energien in den letzten zehn Jahren wäre also im Interesse beider Parteien.

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The Motley Fool besitzt und empfiehlt Tesla.

Dieser Artikel wurde von Travis Hoium auf Englisch verfasst und am 23.03.2018 auf Fool.com veröffentlicht. Er wurde übersetzt, damit unsere deutschen Leser an der Diskussion teilnehmen können.

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